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Die Welt zu Gast bei Freunden
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Fußballweltmeisterschaft 2006 |
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Das "Wunder von Bern"
liegt ein halbes Jahrhundert
zurück, der Finalsieg 1974
in München dreißig Jahre,
1990 errang die Fußballnationalmannschaft
den
dritten Titel und im Sommer
2006 wird das Turnier zum
zweiten Mal in Deutschland
stattfinden - Franz Beckenbauer
gibt einen Ausblick
auf 2006 und einen kurzen
Rückblick auf die vergangenen
Turniere.
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Manch einer mag unseren Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden" für aufgesetzt oder übertrieben halten. Doch in unserem Organisationskomitee des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die WM 2006 haben wir ihn ganz bewusst zum Programm erkoren. Eine gute Organisation möglichst geräuschlos aufzubauen und gleichzeitig eine Atmosphäre zu schaffen, wie sie schon so wohltuend bei WM-Turnieren wie in Italien oder Mexiko empfunden wurde - dies ist unsere Philosophie und Zielsetzung, die bei der Vorrundenauslosung im Dezember in der Frankfurter Festhalle ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen hatte. Nimmt man als Maßstab das internationale Echo, von Offiziellen aus 160 Ländern wie von gut 700 Medienvertretern, so können wir sicher zufrieden sein.
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Franz Beckenbauer, Präsident des Organisationskomitees
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Dies allerdings in dem klaren Bewusstsein,
dass wir auf dem Weg zur WM 2006 erst eine
kleine Etappe bewältigt haben. Denn das Fest
der weltbesten Fußballer hat mittlerweile Dimensionen
erreicht, die kaum noch zu steigern
sind. 30 Milliarden Menschen haben das Turnier
2002 am Bildschirm erlebt, obwohl die
Anstoßzeiten in Korea und Japan besonders
für europäische Fußballfreunde äußerst ungünstig
lagen. Allein 1,2 Milliarden waren es
beim Finale zwischen Brasilien und unserer
deutschen Nationalelf. In 217 Länder - mehr,
als die UNO Mitglieder hat - gingen die Bilder
von Kahn und Ronaldo. Deshalb ist die Prognose
nicht gewagt, dass im Sommer 2006
jeder fünfte Erdbewohner nach Deutschland
blicken wird, wenn irgendwo in den zwölf WM-Städten
der Ball rollt.
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Diese WM organisieren zu dürfen, ist Geschenk
und Herausforderung zugleich. Für
mich persönlich bleibt der 6. Juli 2000 unvergessen,
als wir mit dem berühmt gewordenen
Satz von FIFA-Präsident Sepp Blatter ("And the
winner is ...Deutschland") den Zuschlag erhielten.
Es gibt kaum ein anderes Thema, das
in diesem Land so positiv besetzt ist wie Fußball,
und weil es wirklich eine einzigartige
Chance ist, dieses "neue", wiedervereinigte
Deutschland im Herzen Europas darzustellen.
Dies ist auch der große Unterschied zur WM
1974, als der Eiserne Vorhang Europa und die
Welt teilte. Gute Erinnerungen habe ich natürlich
noch an das Spiel gegen die DDR. Das ist
sicher ein Stück Sport-Geschichte, die auch im
Haus der Geschichte mit dem Trikot von Jürgen
Sparwasser, der das entscheidende Tor für die
DDR schoss, gezeigt wird.
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Für jeden Fußball-Fan unvergessen bleibt
aber das Jahr 1954, als die "Helden von Bern"
nicht nur die erste Fußball-Weltmeisterschaft
für unser Land gewonnen haben. Damals ist
Deutschland wieder in die Völkergemeinschaft
aufgenommen worden. Eine derart völkerverbindende
Kraft hat nur der Fußball. Ich war
damals noch nicht neun Jahre alt und wir Kinder
ahnten nichts von der Auswirkung, die der
Sieg im Finale für das ganze Land haben sollte.
Wir sind gleich auf den Fußballplatz gelaufen
und haben das Endspiel nachgespielt. Zuerst
versteckten wir uns hinter den Bäumen und
sind dann wie die großen Nationalspieler aufgelaufen.
Und ich war Fritz Walter.
Überragend war für mich auch Italien
1990. Dieses Turnier war traumhaft. Wir hatten
vom Anfang bis zum Finale null Probleme
und die Atmosphäre war einmalig.
Die WM 2006 muss ein großes Gemeinschaftswerk
werden. Nicht der DFB allein,
nicht der Sport allein ist Gastgeber, sondern
letztlich jeder einzelne Taxifahrer oder Kellner,
die den etwa eine Million ausländischen Besuchern
mit Wärme und Freundlichkeit vermitteln
können, dass sie wirklich zu Gast bei
Freunden sind. Noch eine Zahl verdeutlicht,
welch außergewöhnliches Geschenk diese WM
ist: Nach 2006 wird die nächste Fußball-Weltmeisterschaft
auf europäischem Boden voraussichtlich
erst wieder 2026 stattfinden. |
Franz Beckenbauer |
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