2/2004

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10 Jahre Perspektiven

 

Visualisierung der Marke

Museum als Wirtschafts- und Imagefaktor

Angenehmes wird konserviert, Unangenehmes fällt durch das Raster des Vergessens. Marken-Museen nutzen diesen Mechanismus. Sie bieten ihren Besuchern eine Möglichkeit zur Katharsis, die zum Wohlbefinden führt, das in Sympathie mündet. So lenken alte Autos ab von aktuellen Ängsten, weil die Seele im Gestern baden kann, dessen Nöte überwunden sind.

Der "Brezelfenster-Käfer" in der Dauerausstellung

"Das erste eigene Auto" steht im Museum plötzlich leibhaftig vor einem - bei vielen Bundesbürgern war dies ein Käfer oder Golf - eben ein Volkswagen. Und wie von selbst werden bei dessen Betrachtung innere Filme abgespult: "Die erste Urlaubsfahrt", "Die erste Liebe". Selbst "Der erste Reifenwechsel" ergötzt im Rückblick. Traditionspflege ist - im Gegensatz zum Motorsport - nicht den Gezeiten von Sieg und Niederlage unterworfen. Sie ruht vielmehr in einer Vergangenheit, die von den Menschen - von Autokäufern - als die ihre begriffen wird.

Für Volkswagen gilt dies ganz besonders. Volkswagen-Produkte begleiteten die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und die ihrer Bürger. Sie sind Synonym für das demokratische Deutschland der Nachkriegszeit. Mehr noch: Volkswagen demokratisierte den Gebrauch des Automobils - vor allem in Deutschland, aber auch europaweit.

Die Marke zu visualisieren, ist eine der Aufgaben des Kommunikators Museum - doch im Falle Volkswagen leistet es noch mehr. Denn das ZeitHaus der Autostadt in Wolfsburg setzt seinen Schwerpunkt keineswegs exklusiv auf Volkswagen. Es würdigt vielmehr Meilensteine aller Marken, aller Nationen, aller Epochen. Mit seiner Philosophie ist es einzigartig unter den Konzernmuseen der Welt und dient zur Vermittlung von technikhistorischen Zusammenhängen.

Die Geschichte des Automobils, so die subtile Botschaft im ZeitHaus der Autostadt, wurde in vielen Werkstätten geschrieben. Dieses Credo erzeugt Sympathien bei Besuchern, die bereits VW-Kunden sind - und bei solchen, die es werden könnten. Es weckt Markeninteresse. Und es fördert Markentreue. Kurzum: es verkauft Automobile.

Otto F. Wachs

Der Autor ist Sprecher der Geschäftsführung der Autostadt GmbH in Wolfsburg.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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