2/2004

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 "Geschichteerleben®"
 Kulturelles Erbe in Museen
 Geschichte ist ausstellbar
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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Perspektiven

 

"Geschichteerleben®"

Zehn Jahre Haus der Geschichte

Wer Perspektiven sucht, muss sich Zeit für eine Standortbestimmung nehmen: Was in den 1980er Jahren verdächtig und bis zu unserer Eröffnung noch höchst umstritten war - das narrative Konzept, das auch Emotionen wecken will - hat sich mehr als bewährt und wurde inzwischen Allgemeingut. Der Weg zu diesem Ziel - Besucherorientierung ernst nehmen, "Alltagsmenschen" ansprechen, medial und interaktiv auf das Kommunikationsverhalten der Gegenwart eingehen - wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Heute zielen mehr als ein Dutzend Initiativen auf die Errichtung von "Häusern der Geschichte" oder nennen sich bereits so. Der Europarat empfahl schon vor acht Jahren allen seinen Mitgliedsstaaten, "Museen nach dem Vorbild des Hauses der Geschichte in Bonn zu errichten".

"Deine Sünden sind Dir vergeben, weil Du öfters im Haus der Geschichte warst!" Dieter Hanitzsch, 2004

Lange vor der Eröffnung prägten wir den Slogan "Geschichte erleben" und visualisierten ihn seit 1994 in unserer Dauerausstellung. Ein Anspruch, der die Eigenschaften und Stärken unserer Dauerausstellung auf den Punkt bringt. Er steht für unser Konzept und für das Haus selbst - als Slogan charakterisiert er das Original. So wurde der Begriff zum Markenzeichen.

Wer Perspektiven reflektiert, entdeckt auch die Chance der Verjüngung. Wie kann das Original jung und originell bleiben? Lebenslanges Lernen, Vernetzung der Institutionen, Medialisierung und Professionalisierung bleiben auch in der Zukunft - nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines dramatischen demografischen Wandels und wachsender Finanzprobleme - für Museen große Herausforderungen. Fortschreitende Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen verlangen mehr und differenziertere Angebote zur Auseinandersetzung, sie erzwingen geradezu die Institutionalisierung der "permanenten Konferenz" zwischen den Menschen. Wer zunehmend ohneeinander lebt, sucht mehr Miteinander. Orientierungsverlust verlangt historische Haltepunkte. Der Verlust des "Erlebnis Geschichte" weckt das Verlangen nach "Geschichteerleben®".

Hermann Schäfer
Der Autor ist Präsident der Stiftung Haus der Geschichte.

Perspektiven sind sichtbar. Der Pisa-Schock hat die Illusion der Wissensgesellschaft von Grund auf erschüttert. Wo klassische Institutionen zu versagen drohen, müssen bei der Suche nach guten Perspektiven für die Zukunft neue Wege beschritten werden. Wir müssen viel stärker als bisher motivieren, die Menschen aktivieren, sich auch spielerisch Wissen zu erarbeiten, Einsichten zu erlangen. Museen sind die bewährtesten Institutionen zur barrierenfreien Vermittlung. Warum bekennt sich hierzulande noch keiner der Verantwortungsträger dazu, dass Museen die "vielversprechendsten Einrichtungen der Welt" sind, wie die norwegische Kultusministerin bereits vor zehn Jahren hellsichtig bemerkt hat?

Vielleicht wird dies in der nächsten Dekade Wirklichkeit, gerne würden wir auch diese "Geschichteerleben®".

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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