2/2004

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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Perspektiven

 

Anschaulichkeit und Breitenwirkung

Geschichtswissenschaft und Museum

Geschichte ist nicht unmittelbar gegeben, sie wird auf unterschiedliche Weise erinnert. Die Geschichtswissenschaft rekonstruiert aus einer unübersehbaren Zahl unterschiedlicher, jeweils kritisch ausgewerteter Quellen Ereignisse und Verläufe, Intentionen und Funktionen handelnder Personen und Gruppen. Zwar nutzt die Geschichtswissenschaft auch Bildquellen, ihr differenziertestes Medium aber ist die Sprache.

"Wirtschaftswunder" in der Dauerausstellung

 

Die museale Darstellung der Geschichte beruht, wenn sie fundiert sein soll, ebenfalls auf der Geschichtswissenschaft. Der eigenständige wissenschaftliche Teil liegt in der Museologie. Hinzu treten Erkenntnisse aus der wissenschaftlich fundierten Besucherforschung und die Kunst der Vermittlung. Das primäre Mittel der Ausstellung ist die Präsentation und die gekonnt auswählende Veranschaulichung mithilfe von Objekten, die die Aura historischer Phänomene "sinnlich" erlebbar machen. Ein unumgänglicher Nachteil gegenüber der Geschichtswissenschaft ist Reduktion. Ein unschätzbarer Vorteil ist nicht allein die Anschaulichkeit, sondern die außerordentliche Breitenwirkung: Kein historisches Werk erreicht so viele Leser wie eine interessante Ausstellung.

Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 1983 gegen viele Widerstände konzipiert, hat Pionierarbeit geleistet, indem es die jüngste deutsche Geschichte in vielen Facetten veranschaulicht und einem Millionenpublikum nahe gebracht hat. Es hat sich aber auch immer neuen, jeweils aktuellen Fragestellungen geöffnet, die die Gründungsdirektoren damals noch nicht vorhersehen konnten, so der Wiedervereinigung Deutschlands, aber auch aktuellen Themen. Dies wurde ermöglicht, weil Dauerausstellung und Wechselausstellungen von Beginn an konzeptionell offen und flexibel angelegt waren. Jederzeit bereit, auf neue Entwicklungen zu reagieren, erinnert der Standort zugleich an die ungeheure Leistung, die die "Bonner Republik" in der deutschen Geschichte bedeutet. In der historischen Erinnerungskultur der Deutschen nimmt das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einen singulären, unverzichtbaren Platz ein.

Horst Möller

Der Autor ist Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, Ordentlicher Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität München und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Haus der Geschichte.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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