Freizeitkultur und Museen |

Die "4 Uniques" mit der Miss Germany 1996, Jasmin Mansoor (r.) bei der Eröffnung der Ausstellung "Miss Germany" am 7. Dezember 2000
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Im Kulturbereich hat die Zukunft längst
begonnen. Frühe Prognosen aus dem Jahr
1992 werden von der Wirklichkeit eingeholt:
"Die Menschen werden in Zukunft vor Konzertkassen,
Museen und [Kunst]ausstellungen
Schlange stehen wie die Nachkriegsgeneration
vor Lebensmittelläden. Der Anteil der Kulturinteressenten
kann sich bis zum Jahr 2000
fast verdoppeln."* Damals interessierten sich
gerade einmal zwanzig Prozent der Bevölkerung für einen Museumsbesuch.
Zur Jahrtausendwende war der Anteil der Interessenten mit 38 Prozent fast
doppelt so hoch. Allein die deutschen Museen verzeichnen über hundert Millionen
Besuche pro Jahr - mehr Museumsbesuche als Einwohner. Auch das
Interesse am Besuch von Ausstellungen hat sich im gleichen Zeitraum mehr
als verdoppelt.
Museen und Ausstellungen sind in den letzten Jahren geradezu "die"
Gewinner der Kulturszene geworden. Beide Einrichtungen zeichnen sich
durch Offenheit und Zugänglichkeit für alle aus: Reservierungen und Kleidervorschriften
entfallen; hinzu kommen besucherfreundliche Öffnungszeiten
sowie erschwingliche Eintrittspreise. Museen und Ausstellungen kommen der
politischen Forderung "Kultur für alle" am nächsten. Und das heißt: Kultur
muss für alle zugänglich bleiben.
Zur Kultur heute gehören Vielfalt und Vielseitigkeit, Klassisches und
Modernes. Kultur darf unterhaltsam und erlebnisreich, muss nicht nur ernst
und anstrengend sein. Zum Bildungsanspruch gesellt sich der Unterhaltungswert.
Auch Liedersänger, Straßenkünstler und Kabarettisten, Popsänger und
Kinostars können Anregungen zum Nachdenken geben. Nur ältere Bundesbürger
halten an ihrem traditionellen Kulturverständnis fest: "Kultur kann
doch kein bloßes Unterhaltungsmedium und Massenvergnügen sein." |
Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung vertritt die Ansicht: "Kultur
kann doch nicht nur eine elitäre Angelegenheit für wenige sein." Das Volk
der Dichter und Denker verabschiedet sich mehrheitlich vom kulturellen
Hierarchiedenken, wonach Hochkultur wertvoller als Massenkultur ist. Elite
und Masse sind in der Kulturlandschaft keine Gegensätze mehr, weil beide
inzwischen Markt- und Massencharakter haben. Die Hochkultur wird zwar
vom Sockel geholt, lebt aber weiter als Kultur für alle. |
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Horst W. Opaschowski
Der Autor lehrt an der
Universität Hamburg
und leitet das B.A.T.
Freizeit-Forschungsinstitut
in Hamburg. |
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Das in Deutschland gebräuchliche Begriffspaar E- und U-Kultur ist überholt.
Die neue Formel lautet eher: E + U = I. Die E-Kultur und die U-Kultur
wachsen zu einer Integrationskultur zusammen, weil auch Reflexion und
Emotion, Bildung und Unterhaltung zusammengehören. Kultur bekommt in
diesem Durchmischungsprozess eine neue Qualität. Das Haus der Geschichte
hat in den zehn Jahren seit seiner Eröffnung dazu wesentlich beigetragen.
* Horst W. Opaschowski, Freizeit 2001, Hamburg 1992, S. 36ff.
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