2/2004

   Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

 Übersicht                                 
 10 Jahre Stimmen   
 10 Jahre Perspektiven      
 "Geschichteerleben®"
 Kulturelles Erbe in Museen
 Geschichte ist ausstellbar
 Europa hat Konjunktur
 Anschaulichkeit und
 Breitenwirkung
 Bündelung von Ressourcen
 Zwischen Bildungs-
 anspruch und Unterhaltung
 Medien als
 Bedeutungsträger
 Kristallisationskern der
 Gesellschaft
 Visualisierung der Marke
 10 Jahre Rückblicke   
 Ausstellungen                        
 Infothek                                    
 Brennpunkt                             
 Zeitgeschichtliches
 Forum Leipzig                         
                       
 Editorial 2/2004                       
 Termine 2/2004                      
 Archiv                
 Impressum 2/2004                
 Kontakt                
                       
                                        

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Perspektiven

 

Zwischen Bildungsanspruch
und Unterhaltung

Freizeitkultur und Museen


Die "4 Uniques" mit der Miss Germany 1996, Jasmin Mansoor (r.) bei der Eröffnung der Ausstellung "Miss Germany" am 7. Dezember 2000

Im Kulturbereich hat die Zukunft längst begonnen. Frühe Prognosen aus dem Jahr 1992 werden von der Wirklichkeit eingeholt: "Die Menschen werden in Zukunft vor Konzertkassen, Museen und [Kunst]ausstellungen Schlange stehen wie die Nachkriegsgeneration vor Lebensmittelläden. Der Anteil der Kulturinteressenten kann sich bis zum Jahr 2000 fast verdoppeln."* Damals interessierten sich gerade einmal zwanzig Prozent der Bevölkerung für einen Museumsbesuch. Zur Jahrtausendwende war der Anteil der Interessenten mit 38 Prozent fast doppelt so hoch. Allein die deutschen Museen verzeichnen über hundert Millionen Besuche pro Jahr - mehr Museumsbesuche als Einwohner. Auch das Interesse am Besuch von Ausstellungen hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt.

Museen und Ausstellungen sind in den letzten Jahren geradezu "die" Gewinner der Kulturszene geworden. Beide Einrichtungen zeichnen sich durch Offenheit und Zugänglichkeit für alle aus: Reservierungen und Kleidervorschriften entfallen; hinzu kommen besucherfreundliche Öffnungszeiten sowie erschwingliche Eintrittspreise. Museen und Ausstellungen kommen der politischen Forderung "Kultur für alle" am nächsten. Und das heißt: Kultur muss für alle zugänglich bleiben.

Zur Kultur heute gehören Vielfalt und Vielseitigkeit, Klassisches und Modernes. Kultur darf unterhaltsam und erlebnisreich, muss nicht nur ernst und anstrengend sein. Zum Bildungsanspruch gesellt sich der Unterhaltungswert. Auch Liedersänger, Straßenkünstler und Kabarettisten, Popsänger und Kinostars können Anregungen zum Nachdenken geben. Nur ältere Bundesbürger halten an ihrem traditionellen Kulturverständnis fest: "Kultur kann doch kein bloßes Unterhaltungsmedium und Massenvergnügen sein."

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung vertritt die Ansicht: "Kultur kann doch nicht nur eine elitäre Angelegenheit für wenige sein." Das Volk der Dichter und Denker verabschiedet sich mehrheitlich vom kulturellen Hierarchiedenken, wonach Hochkultur wertvoller als Massenkultur ist. Elite und Masse sind in der Kulturlandschaft keine Gegensätze mehr, weil beide inzwischen Markt- und Massencharakter haben. Die Hochkultur wird zwar vom Sockel geholt, lebt aber weiter als Kultur für alle.

Horst W. Opaschowski

Der Autor lehrt an der Universität Hamburg und leitet das B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitut in Hamburg.

Das in Deutschland gebräuchliche Begriffspaar E- und U-Kultur ist überholt. Die neue Formel lautet eher: E + U = I. Die E-Kultur und die U-Kultur wachsen zu einer Integrationskultur zusammen, weil auch Reflexion und Emotion, Bildung und Unterhaltung zusammengehören. Kultur bekommt in diesem Durchmischungsprozess eine neue Qualität. Das Haus der Geschichte hat in den zehn Jahren seit seiner Eröffnung dazu wesentlich beigetragen.


* Horst W. Opaschowski, Freizeit 2001, Hamburg 1992, S. 36ff.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang