2/2004

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 weite Wege
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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Rückblicke

 

Schwere Lasten, weite Wege

Objektmanagement im Haus der Geschichte

Über 350.000 Objekte und mehr als 13.000 Leihgaben wurden seit Gründung des Museums vom Objektmanagement zwischen Los Angeles und Workuta bewegt. Darunter Objekte, die auf besondere Reise gingen und deren Ankunft nicht immer problemlos war.

1 285 Gramm vom Mond
"Indispensible" - "unersetzlich" lautet der Eintrag im Leihvertrag der NASA. Mit einem unscheinbaren Sicherheitskoffer kehrt Registrar Volker Thiel im Februar 1995 von einer Reise aus den USA zurück. Den Koffer lässt er während der gesamten Zeit nicht aus den Augen. Selbst Sicherheits- und Zollbeamte können ihn nicht dazu bringen, ihn zu öffnen. Der Inhalt: ein kleines Stück vom Erdtrabanten - Symbol für den Wettlauf zwischen den beiden Supermächten im All.

2 Adenauer-Mercedes
Nach intensiver Recherchearbeit und langwierigen Verhandlungen landet am 4. März 1989 eine Transall der Bundeswehr auf dem Flughafen Köln/Bonn. Die Odyssee eines Dienstwagens geht zu Ende. An Bord kehrt ein schwarzer Mercedes 300 aus den USA nach Deutschland zurück. Zahlreiche Medienvertreter und Hans Walter Hütter, der damals zuständige Wissenschaftliche Mitarbeiter, nehmen den ersten Dienstwagen von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Empfang.

3 Salonwagen
64 Tonnen auf 23 Meter Gesamtlänge schweben am 5. Oktober 1990 am Haken zweier großer Autokräne der Schwertransportfirma Viktor Baumann. Der Salonwagen 10205 begleitete Konrad Adenauer nach Moskau. Die Bundeskanzler von Adenauer bis Brandt nutzten diesen Wagen. Seinen vorerst letzten Standort erreicht er im Haus der Geschichte.

4 Rosinenbomber
Auf einem spanischen Speditionslastwagen trifft im September 1992 ein Teil eines Flugzeuges Typ DC-3/C-47 - während der Berlin-Blockade auch als "Rosinenbomber" bekannt - in Bonn ein. Buchstäblich in letzter Minute bewahrt Registrar Wolfgang Kreutzer die 1943 in Dienst der anglo-amerikanischen Luftflotte gestellte Maschine vor einem traurigen Ende als Übungsobjekt der Flughafenfeuerwehr in Barcelona. Heute ist ein Teil ihres Rumpfes in der Dauerausstellung ein eindrucksvolles Zeugnis der Berlin-Krise und der größten zivilen Luftbrücke in der Geschichte der Luftfahrt.

5 Symbol der Freiheit und Teilung
Besonderes Equipment erfordern drei sogenannte "Selbststeher", Teile der Berliner Mauer, die mit Hilfe von Panzerrollen, Hydraulikhebern, Panzerplatten und einem Portalkran 1993 in die entstehende Dauerausstellung eingebracht werden. Das Symbol für die überwundene deutsche Teilung wurde zum "Verkaufsschlager", dessen Vermarktung die DDR-Außenhandelsfirma LIMEX organisierte.

6 Konferenzmöbel
Im Februar 1992 überbringen Vertreter des Ministerpräsidenten der Republik Karatschajewo-Tscherkessien und der Protokollchef der Gorbatschow-Stiftung in Moskau "4 chairs, made of wood and 1 table, made of wood". Diese kulturhistorisch unverfängliche Bezeichnung sollte eventuelle russische Zollhürden überwinden helfen, handelte es sich doch um die "Konferenzmöbel", auf denen im Juli 1990 Bundeskanzler Helmut Kohl, Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Präsident Michail Gorbatschow in dessen kaukasischer Heimat über die deutsche Wiedervereinigung verhandelten.

7 Friedensglocke
Als die "Friedensglocke" aus Frankfurt/Oder vor dem Museumseingang am Haken eines Krans hängt, wird rasches Handeln erforderlich. Der Klöppel der Glocke muss erst demontiert werden, um die drei Tonnen schwere Fracht durch das Foyer transportieren zu können. Auf Spezialluftkissen der Kunstspedition Schenker Deutschland AG Düsseldorf lässt sich die Glocke mit leichter Hand an ihren vorgesehenen Ausstellungsplatz in der Wechselausstellung "Annäherung - Polen und Deutsche 1945-1995" schieben.

8 2.500 km für ein "lügendes Bild"
1965 muss Wladimir Serow sein Gemälde von 1955 "Lenin spricht 1917 vor dem Russischen Rätekongress" überarbeiten - die politischen Machtverhältnisse hatten sich geändert. 1998 wird es erstmals im Ausland in der Ausstellung "Bilder, die lügen" gezeigt. Das drei mal vier Meter große Bild muss ausgerahmt und die Leinwand auf eine Trommel gerollt werden, um es sicher von Moskau nach Bonn zu transportieren.

9 Ausstellung auf Reisen
Der Siegerpokal der Fußballweltmeisterschaft 1974 und die Urkunde über die Eheschließung von Prinzessin Beatrix und Claus Amsberg 1966 waren zwei herausragende Exponate, die 2001 mit 700 weiteren für die Ausstellung "Deutschland - Niederlande. Heiter bis wolkig" zum Rijksmuseum transportiert wurden. Das Amsterdamer Museum übernahm die Wechselausstellung vom Haus der Geschichte.

10 Prometheus und Leni
Prometheus, 3,6 Meter groß und in Bronze gegossen, verlässt seinen Ausstellungsort in Bitburg liegend in einer Transportkiste der Kunstspedition Hasenkamp. Im Haus der Geschichte wird die Plastik mit Hilfe eines sechs Meter hohen Portalkrans aufgerichtet und auf einen Sockel am Eingang der Wechselausstellung "Leni Riefenstahl" gestellt.

Wolfgang Kreutzer/Volker Thiel

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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