Objekte aus den Sammlungen |
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"Objekte singen", meint der
englische Museumsdirektor
Kevin Moore. Gar einen
"Aufstand gegen die
sekundäre Welt" sieht Botho
Strauss in ihnen. Und für
den Philosophen Peter
Sloterdijk sind sie Grenzverkehr
mit dem Fremden.
Gleichgültig welche Eigenart
oder Funktion sie besitzen,
entscheidend ist: Sie sind
zentrales Medium jedes
Museums. Das Haus der
Geschichte hat etwa 350.000
Objekte systematisch gesammelt.
Zehn davon geben
einen Blick auf die gewaltige
Sammelleistung und gehen
der Frage nach, ob und wie
Objekte "sprechen". |
1 Andy porträtiert Willy
Andy Warhol porträtierte 1976 Willy Brandt. Diese Pop-Art-Arbeit zeigt den ehemaligen Bundeskanzler in einer typischen
Pose und als Kultfigur der Zeit. Der Siebdruck ist ein markantes
Beispiel für die Porträtkunst in den Kunstsammlungen des
Hauses. Er hängt derzeit im Arbeitszimmer des Bundesaußenministers. |
2 Baum und Macht
Helmut Newton, einer der berühmtesten Fotokünstler der
Welt, setzte 1990 einen anderen Bundeskanzler vor einem knorrigen,
wuchtigen Baum in Szene. Die Naturkraft des Baums
korrespondiert dabei in glänzender Weise mit Macht und
Größe von Helmut Kohl. Es wird in der Wechselausstellung
"Bilder und Macht" gezeigt.
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3 Statut der Macht
Macht ist ein faszinierendes Phänomen und immer wiederkehrendes
Thema auch in einem zeithistorischen Museum. Ein
Regelwerk der Macht ist die aufwändig gefertigte Ausgabe des
"Besatzungsstatuts" aus dem Jahr 1949. Neben dem Grundgesetz
ist es die "Geburtsurkunde" der Bundesrepublik Deutschland.
Es legt den Einfluss der drei Westmächte auf die neu entstandene
Bundesrepublik fest und gibt den Alliierten Hohen
Kommissaren großen Einfluss auf die Außen- und Sicherheitspolitik
des Weststaats. 40 Jahre galt das Besatzungsstatut als
verschwunden, bis es 1999 in die Sammlungen des Hauses gelangte
und in der Dauerausstellung gezeigt wird.
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4 Geruchskonserven der Stasi
Fremd, obskur und widerwärtig erscheint uns eine Geruchsprobe
der Stasi in einem Einmachglas. Solche "Geruchskonserven"
sammelte die DDR-Staatssicherheit von "Staatsgegnern"
bei Verhören. Diese Proben dienten bei Fahndungen
dazu, "Geruchsdifferenzierungshunde" auf "Republikfeinde"
anzusetzen. Die Geruchsprobe ist ein Beispiel für die vielfältigen
Exponate, die das Thema "Repression in der DDR" visualisieren.
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5 Könige und Bauern
Das Schachspiel "Koalition-Opposition" aus dem Jahre 1988
konfrontiert die politischen Protagonisten. Hans-Joachim Vogel
und Helmut Kohl stehen sich als Könige gegenüber. Es ist ein
Beispiel dafür, dass auch satirische Objekte zu Auseinandersetzungen
mit der Zeitgeschichte anregen.
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6 Terror dem System
Das Phänomen "Gewalt als Mittel der Politik" durchzieht die
Geschichte. Terroristen erklärten dem "System" in den 1970er
Jahren den Krieg. Für diese gewaltsame Herausforderung steht
das "Flächenschussgerät" der Roten-Armee-Fraktion, das in
Karlsruhe auf die Bundesanwaltschaft gerichtet war.
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7 Von Jena nach Krasnogorsk
Zur Visualisierung der Wirtschaftsgeschichte sind Objekte
aus dem Sammlungsbereich "Technisches Kulturgut" besonders
geeignet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aus Deutschland
Maschinen zu Reparationszwecken in die Länder der
Siegermächte befördert. So wurde beispielsweise aus den Carl-
Zeiss-Werken in Jena eine Rundschleifmaschine der Firma
Koenig und Bauer nach Krasnogorsk transportiert. Dort war
sie bis 1994 im Einsatz, bis das Haus der Geschichte sie als
Exponat nach Deutschland zurückholte.
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8 Urpatrize des Erfolgs
Symbol für den wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik
schlechthin ist die Deutsche Mark. Mit der Einführung des
Euro erhielt das Haus der Geschichte 2002 die Urpatrize, das
Positiv-Prägewerkzeug, das Grundlage für alle weiteren Prägestempel
war.
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9 Kleid aus Seide
Ausgewählte Objekte spiegeln Alltagsgeschichte wider. Kindheit,
Schule, Freizeit und auch Hochzeiten sind in ihren zeittypischen
Ausprägungen im Haus der Geschichte belegt. Eine
Braut stand Ende 1944 vor der Frage, wie sie in den Kriegswirren
weißen Stoff für ihr Hochzeitskleid beschaffen könnte.
Fallschirmseide - ein Kriegsprodukt - half aus dieser Verlegenheit
und ist in der Dauerausstellung ausgestellt.
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Weiteres Fotomaterial in der Print-Ausgabe |
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10 Flower-Power im Gepäck
Zur Jugendkultur, zu Musik und Film sind viele Objekte in
den Sammlungen, z. B. Plakate, Plattencover und Textilien. Wer
vermutet schon, dass sich im Haus der Geschichte der Seesack
von Elvis Presley, das T-Shirt von Jim Morrison oder das Jackett
von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger von Jimmy Hendrix,
findet? Mit diesem Jackett lässt sich eindrucksvoll der Einfluss
der angloamerikanischen Musik auf Deutschland und die Welt
der Flower-Power-Generation visualisieren. Allen Rockfans ist
dieses Kleidungsstück von dem Cover des Albums "Are you experienced"
bekannt. Und hier stellt sich die Frage, ob Objekte
singen können.
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Dietmar Preißler |
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