2/2004

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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Rückblicke

 

Vom Gesang der Exponate

Objekte aus den Sammlungen

"Objekte singen", meint der englische Museumsdirektor Kevin Moore. Gar einen "Aufstand gegen die sekundäre Welt" sieht Botho Strauss in ihnen. Und für den Philosophen Peter Sloterdijk sind sie Grenzverkehr mit dem Fremden. Gleichgültig welche Eigenart oder Funktion sie besitzen, entscheidend ist: Sie sind zentrales Medium jedes Museums. Das Haus der Geschichte hat etwa 350.000 Objekte systematisch gesammelt. Zehn davon geben einen Blick auf die gewaltige Sammelleistung und gehen der Frage nach, ob und wie Objekte "sprechen".

1 Andy porträtiert Willy
Andy Warhol porträtierte 1976 Willy Brandt. Diese Pop-Art-Arbeit zeigt den ehemaligen Bundeskanzler in einer typischen Pose und als Kultfigur der Zeit. Der Siebdruck ist ein markantes Beispiel für die Porträtkunst in den Kunstsammlungen des Hauses. Er hängt derzeit im Arbeitszimmer des Bundesaußenministers.

2 Baum und Macht
Helmut Newton, einer der berühmtesten Fotokünstler der Welt, setzte 1990 einen anderen Bundeskanzler vor einem knorrigen, wuchtigen Baum in Szene. Die Naturkraft des Baums korrespondiert dabei in glänzender Weise mit Macht und Größe von Helmut Kohl. Es wird in der Wechselausstellung "Bilder und Macht" gezeigt.

3 Statut der Macht
Macht ist ein faszinierendes Phänomen und immer wiederkehrendes Thema auch in einem zeithistorischen Museum. Ein Regelwerk der Macht ist die aufwändig gefertigte Ausgabe des "Besatzungsstatuts" aus dem Jahr 1949. Neben dem Grundgesetz ist es die "Geburtsurkunde" der Bundesrepublik Deutschland. Es legt den Einfluss der drei Westmächte auf die neu entstandene Bundesrepublik fest und gibt den Alliierten Hohen Kommissaren großen Einfluss auf die Außen- und Sicherheitspolitik des Weststaats. 40 Jahre galt das Besatzungsstatut als verschwunden, bis es 1999 in die Sammlungen des Hauses gelangte und in der Dauerausstellung gezeigt wird.

4 Geruchskonserven der Stasi
Fremd, obskur und widerwärtig erscheint uns eine Geruchsprobe der Stasi in einem Einmachglas. Solche "Geruchskonserven" sammelte die DDR-Staatssicherheit von "Staatsgegnern" bei Verhören. Diese Proben dienten bei Fahndungen dazu, "Geruchsdifferenzierungshunde" auf "Republikfeinde" anzusetzen. Die Geruchsprobe ist ein Beispiel für die vielfältigen Exponate, die das Thema "Repression in der DDR" visualisieren.

5 Könige und Bauern
Das Schachspiel "Koalition-Opposition" aus dem Jahre 1988 konfrontiert die politischen Protagonisten. Hans-Joachim Vogel und Helmut Kohl stehen sich als Könige gegenüber. Es ist ein Beispiel dafür, dass auch satirische Objekte zu Auseinandersetzungen mit der Zeitgeschichte anregen.

6 Terror dem System
Das Phänomen "Gewalt als Mittel der Politik" durchzieht die Geschichte. Terroristen erklärten dem "System" in den 1970er Jahren den Krieg. Für diese gewaltsame Herausforderung steht das "Flächenschussgerät" der Roten-Armee-Fraktion, das in Karlsruhe auf die Bundesanwaltschaft gerichtet war.

7 Von Jena nach Krasnogorsk
Zur Visualisierung der Wirtschaftsgeschichte sind Objekte aus dem Sammlungsbereich "Technisches Kulturgut" besonders geeignet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden aus Deutschland Maschinen zu Reparationszwecken in die Länder der Siegermächte befördert. So wurde beispielsweise aus den Carl- Zeiss-Werken in Jena eine Rundschleifmaschine der Firma Koenig und Bauer nach Krasnogorsk transportiert. Dort war sie bis 1994 im Einsatz, bis das Haus der Geschichte sie als Exponat nach Deutschland zurückholte.

8 Urpatrize des Erfolgs
Symbol für den wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik schlechthin ist die Deutsche Mark. Mit der Einführung des Euro erhielt das Haus der Geschichte 2002 die Urpatrize, das Positiv-Prägewerkzeug, das Grundlage für alle weiteren Prägestempel war.

9 Kleid aus Seide
Ausgewählte Objekte spiegeln Alltagsgeschichte wider. Kindheit, Schule, Freizeit und auch Hochzeiten sind in ihren zeittypischen Ausprägungen im Haus der Geschichte belegt. Eine Braut stand Ende 1944 vor der Frage, wie sie in den Kriegswirren weißen Stoff für ihr Hochzeitskleid beschaffen könnte. Fallschirmseide - ein Kriegsprodukt - half aus dieser Verlegenheit und ist in der Dauerausstellung ausgestellt.

 

Weiteres Fotomaterial in der Print-Ausgabe

10 Flower-Power im Gepäck
Zur Jugendkultur, zu Musik und Film sind viele Objekte in den Sammlungen, z. B. Plakate, Plattencover und Textilien. Wer vermutet schon, dass sich im Haus der Geschichte der Seesack von Elvis Presley, das T-Shirt von Jim Morrison oder das Jackett von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger von Jimmy Hendrix, findet? Mit diesem Jackett lässt sich eindrucksvoll der Einfluss der angloamerikanischen Musik auf Deutschland und die Welt der Flower-Power-Generation visualisieren. Allen Rockfans ist dieses Kleidungsstück von dem Cover des Albums "Are you experienced" bekannt. Und hier stellt sich die Frage, ob Objekte singen können.

Dietmar Preißler

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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