2/2004

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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

10 Jahre Stimmen

 

Ein Modell, das Schule macht

Zehn Stimmen zum Haus der Geschichte

Die Aufgaben eines Museums für Zeitgeschichte sind vielfältig. Wie es diesen gerecht wird, zeigen exemplarisch zehn Stimmen zum Haus der Geschichte. Sie nehmen dabei auf Darstellungsformen, die Art der Vermittlung zeitgeschichtlicher Ereignisse, auf langfristige Ziele und persönliche Erlebnisse Bezug.

Komplexes wird anschaulich
Geschichtsforschung und geschichtliche Darstellung müssen sich ihrer Gegenwärtigkeit stellen. Es reicht nicht, bloß abstrakte Strukturen und Prozesse zu vermitteln... Beeindruckt hat mich dabei die konsequente Besucherorientierung. Komplexe und komplizierte Sachverhalte werden in den Ausstellungen anschaulich präsentiert, ohne dass dabei auf wissenschaftliche Maßstäbe verzichtet wird... Das, was das Haus der Geschichte leistet - Komplexität anschaulich zu machen und damit Geschichte im guten Sinne des Wortes erfahrbar, anfassbar zu machen - das hilft vielen Menschen, sich mit Geschichte zu beschäftigen.

Gerhard Schröder, Bundeskanzler

Gegenwart verstehen, Zukunft gestalten
In einer Zeit der Nachrichten- und Informationsflut ist es wichtiger denn je, sich seiner Grundlagen, seiner eigenen Geschichte und Herkunft bewusst zu sein. Über die Hälfte unserer Bevölkerung ist nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren worden. Sie kennen die Anfänge unserer freiheitlichen Demokratie nicht mehr aus persönlichem Miterleben. Wir sind dafür verantwortlich, unsere Kinder und Enkel mit den Wurzeln unserer Demokratie und der Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland vertraut zu machen. Es bleibt wahr, wer seine Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.

Seit nunmehr zehn Jahren nimmt das Haus der Geschichte die wichtige Aufgabe der Grundlagenvermittlung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wahr. Es gibt keinen anderen Ort, an dem die jüngste deutsche Geschichte so umfassend und anschaulich dargestellt wird wie in diesem Museum.

Dr. Helmut Kohl,
Bundeskanzler von 1982 bis 1998

Feste Größe im historischen Diskurs
Vor zehn Jahren trat das Haus der Geschichte an, um - wie es im Stiftungsgesetz nüchtern heißt - "die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einschließlich der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik darzustellen und Kenntnisse hierüber zu vermitteln." Diese Aufgabe wurde höchst überzeugend und ansprechend gelöst, wie die Erfolge beim Publikum und bei Fachleuten beweisen.
Das Haus der Geschichte ist heute zu einem Maßstab in der internationalen Museumsszene geworden - dank der konsequenten Orientierung hin zum Besucher und einer großen Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Darstellungsformen und Medien, für die das Haus mit einer Reihe von internationalen Auszeichnungen bedacht wurde. Die hohe Kunst der Vermittlung hat das Museum zur Meisterschaft entwickelt, auch weil hier deutlich wird, dass Historie uns alle betrifft und unsere Gegenwart prägt. Durch die Einbindung privater Erinnerungen in die Dauerausstellung wird dies besonders anschaulich, Vertreter aller Generationen finden hier Bezüge zu ihrer individuellen Biografie.
So ist das Haus der Geschichte mit faszinierenden Wechselausstellungen und einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm nicht nur zu einer festen Größe im historischen Diskurs unseres Landes geworden. Es ist zugleich Teil unseres gesellschaftlichen Gedächtnisses in Deutschland.

Dr. Christina Weiss,
Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

In der Wiege der Demokratie
Wo, wenn nicht in Bonn, sollte das Haus der Geschichte stehen? Das Museum mitten in der Wiege der Deutschen Demokratie schafft es, Jung und Alt zu begeistern, weil es Geschichte anschaulich aufbereitet. Für Bonn ist das Haus der Geschichte ein großer Gewinn, auch weil es den Namen der Stadt durch seine bundes-, ja weltweiten Aktivitäten über die Grenzen der Stadt hinaus trägt. Als "Meilenstein" der Bonner Museumsmeile erhöht es die Attraktivität der Stadt für Einwohner wie für Gäste gleichermaßen. Ich freue mich auf das Programm des nächsten Jahrzehnts!

Bärbel Dieckmann,
Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn

Offen und durchaus kontrovers
Nur ein Jahr nach seiner Eröffnung erhielt das Haus der Geschichte 1995 den Museumspreis des Europarats. Damit ausgezeichnet werden Museen, die "im europäischen Rahmen einen herausragenden Beitrag zum Verständnis der europäischen Kultur und zur Auseinandersetzung mit der Geschichte" leisten. Ein weiteres Jahr später hat der Europarat 1996 seinen Mitgliedsstaaten empfohlen, "nationale Geschichtsmuseen nach dem Vorbild des Hauses der Geschichte in Bonn zu errichten." Damit wurde ein wesentlicher Grundzug des Hauses der Geschichte gewürdigt: nationale Geschichte wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil der Geschichte Europas präsentiert. Der Erfolg des Hauses beim Publikum und in der Fachwelt ist auch zurückzuführen auf das erfolgreiche Zusammenwirken der Gremien des Hauses. Offen und durchaus kontrovers werden im Kuratorium, im Wissenschaftlichen Beirat und im Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen die Arbeiten und Planungen des Hauses mit dem Präsidenten und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diskutiert. So ist ein wissenschaftlich fundiertes, pluralistisch getragenes und europäisch orientiertes Museum zur Zeitgeschichte entstanden.

Dr. Knut Nevermann,
Vorsitzender des Kuratoriums Stiftung Haus der Geschichte

Modernste Mittel und Möglichkeiten
Mit dem Haus der Geschichte in Bonn wurde ein ebenso zentraler wie neuartiger Ort deutscher Erinnerungskultur geschaffen. Hier wird mit den modernsten Mitteln und Möglichkeiten der Museumswissenschaft und der Ausstellungsgestaltung gezeigt, wie das freie Deutschland nach 1945 seinen Weg in die Gemeinschaft der freien Völker zurückgefunden hat, wie die Deutschen im Westen die demokratische Staatsform als eine Chance ergriffen, soziale Sicherheit, wirtschaftlichen Wohlstand und neue kulturelle Werke zu schaffen, während die SED in der DDR eine Diktatur errichtete und den freien Willen der Ostdeutschen unterdrückte. Die Jugend erfährt hier, was ihre Eltern und Großeltern geleistet haben.

Dr. Oscar Schneider,
Bundesminister a.D. und Vorsitzender des Kuratoriums
der Stiftung Haus der Geschichte von 1986 bis 1999

Klug, umfangreich, lebendig und intensiv
Der außerordentliche Erfolg des Hauses der Geschichte war zunächst, vor der Eröffnung, noch nicht abzusehen. Sicher glaubten damals alle an dem Projekt Beteiligten, dass die konzeptionellen Vorarbeiten des Gründungsdirektoriums sowie die intensive Aufbauleistung des Mitarbeiterstabs ein festes Fundament für das Gedeihen der Institution gelegt hatten. Doch sowohl der Besucheransturm als auch das äußerst positive Echo in Fachwelt und breiter Öffentlichkeit haben unsere Erwartungen weit übertroffen.

Das Haus der Geschichte in Bonn ist ein lebendiger Ort, an dem die Geschichte der letzten 60 Jahre unmittelbar erfahrbar wird. Die intensive Weiterentwicklung der Dauerausstellung, die kluge Programmgestaltung der Wechselausstellungen, das umfangreiche Veranstaltungsangebot sowie die vielfältigen Aktivitäten des Museums bei der Weitergabe von Ausstellungen im In- und Ausland sind wichtige Bestandteile des Erfolgs. Über die Jahre ist das Haus der Geschichte nicht davor zurückgescheut, auch heikle Themen aufzugreifen und für ein größeres Publikum aufzubereiten.

Innerhalb der Stiftung herrscht eine Atmosphäre der zielgerichteten Kooperation. Auch die Zusammenarbeit der Stiftungsgremien muss in ihrer Offenheit und Transparenz als vorbildlich angesehen werden. Als einen der größten Erfolge dieser Kooperation sehe ich noch heute die Vereitelung der Übernahme der ersten inzwischen "eingestampften" "Wehrmachtsausstellung" in das Haus der Geschichte. Trotz massiven politischen Drucks folgte damals das Kuratorium den stark ablehnenden Voten des Direktors und des Wissenschaftlichen Beirats.

Das Haus der Geschichte ist für das nächste Jahrzehnt gut gerüstet. Ich wünsche dem Museum und seinen Mitarbeitern weiterhin Freude bei der Arbeit und den daraus resultierenden Erfolg.

Prof. Dr. Lothar Gall,
Ordinarius für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität in Frankfurt am Main und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Haus der Geschichte

Fördern und Vermitteln
Dem Haus der Geschichte gelingt es, Ereignisse der neueren Geschichte bis zur Gegenwart in ihrer Bedeutung sehr gut darzustellen. Das Ziel, das Geschichtsbewusstsein zu fördern und der jüngeren Generation zu vermitteln, ist in vollem Umfang erreicht. Die politischen Katastrophen der Vergangenheit werden dabei ebenso gezeigt wie der Neuanfang nach dem Krieg. Der Weg zur Wiedervereinigung und der Dialog mit den Nachbarstaaten hin zu einem vereinten Europa wird in der überarbeiteten Dauerausstellung berücksichtigt. Der Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen achtet besonders darauf, dass gesellschaftlich bedeutsame Themen in die Ausstellungen einfließen.

Prälat Paul Bocklet,
Vorsitzender des Arbeitskreises gesellschaftlicher Gruppen der Stiftung Haus der Geschichte

Vergnügen und Lernerlebnis
40 Jahre Besucherforschung tragen dazu bei, Vergnügen und Lernerlebnis eines Museumsbesuchs deutlich zu verbessern. Nicht immer war es leicht, Museumsleiter dazu zu bewegen, dieses Wissen in ihren eigenen Institutionen anzuwenden. Daher war es für mich eine besondere Freude, als Direktor Hermann Schäfer mich bat, ihn bei der Besucherforschung für die Entwicklung der Ausstellung im Haus der Geschichte zu unterstützen. Das Ergebnis war eine mehrjährige fruchtbare und angenehme Zusammenarbeit. Ich weiß, dass u. a. dieser Einsatz für die Bedürfnisse und Wünsche der Besucher zu dem hohen Besucherinteresse geführt hat, das das Haus der Geschichte in den vergangenen zehn Jahren kennzeichnete. Für diese Vision möchte ich Hermann Schäfer meine große Bewunderung aussprechen.

Harris H. Shettel,
Präsident der Visitor Studies Association, USA

Ein Modell, das Schule machte
Das narrative Ausstellungskonzept des Hauses der Geschichte hat Schule gemacht und die Bekanntheit des Museums weit über die Landesgrenzen hinausgetragen: Zahlreiche - vor allem historische - Museen haben sich von dem Modell, mit dem breite Bevölkerungsschichten angesprochen werden, inspirieren lassen und es erfolgreich übernommen. Im Haus der Geschichte wird ein Museumsbesuch zum anregenden Lern-Erlebnis. Wir alle hoffen, dass mit dieser positiven Museumserfahrung viele neue Besucherinnen und Besucher für die Museumswelt gewonnen werden können!

Dr. Michael Eissenhauer,
Präsident des Deutschen Museumsbundes

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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