2/2004

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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Bücherfrühling

Neuerscheinungen in der Diskussion

Jedes Jahr im März präsentiert sich Leipzig als eine Metropole der Buchproduktion, der Buchkunst und des Lesens. Für das Zeitgeschichtliche Forum ein willkommener Anlass, in Kooperation mit Messe, Verlagen und anderen Einrichtungen ein attraktives Programm zu historischen Themen und aktuellen Fragen anzubieten.


Diskussionsrunde über die Literaturzeitschrift "Sinn und Form"

Das Spektrum der Themen erstreckte sich vom Bericht einer Polin über ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Warschau, über Erinnerungen an das Leben in der Tschechoslowakei nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 bis zur abenteuerlichen Flucht eines deutschen Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland. Mitreißend begannen die Diskussionen mit einem von Bernd Hilder, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, moderierten Streitgespräch zwischen der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Löffler und dem Kultursoziologen Wolfgang Engler über einen von vielen befürchteten Niedergang der deutschen Kulturnation. Letztlich blieben die Meinungen geteilt - österreichischer Optimismus sah die Zukunft Ostdeutschlands durch den Tourismus gesichert, ostdeutsche Skepsis befürchtete kulturelles Ausbluten durch rasanten Bevölkerungsverlust.

Viel Publikum zog die Lesung mit Vera Bohle an, der einzigen deutschen Minenräumerin. Sie schilderte überzeugend ihren Versuch, den Menschen in ehemaligen Kriegsgebieten ein sicheres Leben zu ermöglichen. Marianne Birthler, Mathias Braun und Fritz J. Raddatz ließen die Erinnerung an die ostdeutsche Literaturzeitschrift "Sinn und Form" aufleben, die zum einen Aushängeschild der SED-Kulturpolitik war, auf das auch die Staatssicherheit Einfluss nahm, zum anderen aber lange Zeit gesamtdeutsche Kulturdiskurse auf hohem Niveau ermöglichte.

Leidenschaftlich gestritten wurde über Hannes Heers Buch "Vom Verschwinden der Täter - Der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei", über die beiden Fassungen der Wehrmachtsaustellung und eine mögliche Änderung der deutschen Sicht auf das "Dritte Reich". Als Fazit bleibt: Mit jähen Wenden in der Interpretation der ersten deutschen Diktatur ist nicht zu rechnen.

Im Rahmen der Buchmesse fand ebenfalls das 6. Leipziger Europaforum statt, das vom Zeitgeschichtlichen Forum mit organisiert wurde. Dabei setzten sich Etienne François, Eberhard Jäckel und Witold Kulesza vom Warschauer Institut für Nationales Gedächtnis damit auseinander, ob Europa für eine gemeinsame Erinnerungskultur reif sei.

Rainer Eckert


Kooperationspartner:
Aufbau-Verlag, Krüger Verlag, Bertelsmann Verlag, Suhrkamp Verlag sowie Deutschlandfunk, Friedrich-Ebert-Stiftung, Heinrich-Böll- Stiftung, Deutsches Polen- Institut in Darmstadt, die Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und Leipziger Kultureinrichtungen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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