Udo Lindenberg und die innerdeutschen Beziehungen |
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Udo Lindenbergs Lieder und
Aktionen kommentieren seit
Beginn der 1970er Jahre
gesellschaftliche und
politische Entwicklungen.
Häufig ist der Künstler
dabei der Zeit ein Stück
voraus. Im Werk und im
Leben Lindenbergs verdichtet
sich dabei die Beziehung
zwischen Rockmusik und
Politik.
Als Udo Lindenberg beginnt, Rockmusik-Texte in deutscher Sprache zu verfassen, gibt
es dafür kaum Vorbilder. Im Sommer 1973 gelingt
ihm mit seinem "Panik-Orchester" der
Durchbruch. Lindenberg singt nicht - wie die
meisten deutschen Schlagersänger - über Herz
und Schmerz. Sein jugendlicher Jargon trifft
das Gefühl der Zeit. Berühmt wird seine
Hymne an die Reeperbahn-Kneipe "Onkel Pö",
in der er das Rotlichtmilieu besingt, ohne
schlüpfrig oder abwertend zu werden.
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Metropole an der Spree: "Quadriga", Mischtechnik auf Leinwand, 2002
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Rock gegen Rechts
Nach den ersten Erfolgen beginnt er sich
zunehmend politisch zu engagieren. Im
Februar 1980 tritt er in Frankfurt am Main auf
einem Festival unter dem Motto "Rock gegen
rechts" auf. Er singt nicht nur gegen Neo-Nazis, sondern engagiert sich überdies bei vielen
Konzertveranstaltungen gegen rechte Gewalt
und unterstützt lokale Initiativen.
Auf dem Album "Bunte Republik Deutschland" bezieht Udo Lindenberg 1989 Stellung für eine multikulturelle Gesellschaft. Das Abschlusskonzert der Hannoveraner Weltausstellung bildet im September 2000 den Auftakt für die Aktion "Rock gegen rechte Gewalt".
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Gemeinsam mit ihm spielen so unterschiedliche Protagonisten deutscher Pop-Musik wie Peter Maffay, "Pur" oder die "Scorpions". An einer Tournee, die gleichzeitig propagandistische Wirkung entfalten und Geld zusammenbringen soll, nehmen auch Xavier Naidoo, Nena und die "Söhne Mannheims" teil. Auch durch Morddrohungen von Rechtsradikalen lässt sich Udo Lindenberg nicht in seinem Engagement beirren - Personenschutz nimmt er dafür in Kauf.
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Haltung der DDR-Führung
Lange hegte Udo Lindenberg den Wunsch, vor seinen Anhängern in der
DDR zu spielen. Bereits 1973 singt er sein "Wir wollen doch einfach nur
zusammen sein" an ein anonym bleibendes "Mädchen aus Ostberlin",
in dem er von offenen Grenzen und "von einem Rock-Festival auf dem Alexanderplatz
mit den Rolling Stones und ‘ner Band aus Moskau" träumt. Udo
Lindenberg will das "Mädchen aus Ostberlin" - in seinen Erinnerungen
nennt er es Manu - von professionellen Schleusern aus der DDR befreien lassen.
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Die Likörelle von Udo Lindenberg wurden
in einer Präsentation des Bundeskanzleramts vom 14. bis
26. April 2005 im Palais Schaumburg gezeigt.
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Was er nicht weiß: Manu ist mit einem Offizier der Nationalen Volksarmee
verheiratet und informiert die Staatssicherheit über ihre Treffen mit dem
westlichen "Schlagersänger". Als Lindenberg noch vor der Flucht
mit seiner Geliebten in der DDR Verlobung feiern will, nimmt ihn die Stasi vorübergehend
fest. Dem verliebten Künstler bleibt nichts anderes übrig, als klein
beizugeben.
In den 1970er Jahren arrangieren sich die meisten Westdeutschen mit der Teilung
Deutschlands. Sie akzeptieren die Berliner Mauer zwar nicht, finden sich aber
doch mit ihrer Existenz ab, weil sie das SED-Regime für stabiler halten
als es ist. Udo Lindenberg jedoch verkündet 1977 in seinem Song "Rock ’n’ Roll-Arena
in Jena" den Wunsch nach einer "Panik-Tournee" durch die DDR.
Aber SED und Staatssicherheit nähren dem Sänger gegenüber tiefes
Misstrauen, zumal Udo Lindenberg bei den Jugendlichen in der DDR immer populärer
wird.
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Lindenberg steht am
25. Oktober 1983 auf der
Bühne des "Palastes der
Republik". Er darf vor
einem handverlesenen
Publikum von FDJ-Blauhemden
und Nachwuchskadern
singen.
Die Fans müssen draußen
bleiben. Das offizielle Programm
sieht keinerlei
Kontakt zwischen Lindenberg
und seinen
Fans vor. Deshalb stiehlt
sich der Künstler unter einem Vorwand nach draußen und löst damit
Hysterie unter den dort wartenden jungen Leuten
aus.
Eine Äußerung während des Konzertes steigert die Verstimmung der SED-Bonzen: "Weg mit allem Raketenschrott - in
der Bundesrepublik und in der DDR! Nirgendwo wollen wir auch nur eine einzige Rakete sehen, keine Pershings und keine SS 20."
Lindenbergs nonkonformistisches Verhalten führt bei den SED-Oberen zu einem Meinungsumschwung. Im Februar 1984 sagen sie die DDR-Tournee
endgültig ab.
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Schalmei und Lederjacke
Als sich Pfingsten 1987 Tausende von
Jugendlichen in der Nähe des Reichstags an
der Mauer versammeln, um ein Pop-Konzert
im Westen zu verfolgen, treibt die Volkspolizei
sie auseinander. Udo Lindenberg schickt daraufhin
einen offenen Brief und eine Lederjacke
an Erich Honecker: "Die Kids sind keine
Krawallisten und Randaleure, die stehen genauso
wie Du auf Rock ’n’ Roll und Lockerdrauf
sein. Den Trouble gab’s doch erst durch
das hirnlose Vorgehen der Rudi-Ratlos-Gangs
von der Vopo!" Der Staatschef antwortet - um
betont lockere Haltung bemüht - mit einer
Schalmei und behauptet über die Jacke: "Sie
paßt".
Als Erich Honecker im September 1987
die Bundesrepublik besucht, überreicht ihm der Künstler eine
E-Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren". |
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"Rocker" Erich bedankt sich bei
Lindenberg für die Jacke und behauptet: "Sie passt".
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Honecker sichert zu,
noch einmal prüfen zu lassen, ob Lindenberg
in der DDR auftreten darf. Doch die Furcht der
Funktionäre vor unkontrollierbaren Jugendlichen
verhindert einen Auftritt. Erst nach dem Fall der Mauer kann Lindenberg für seine "Freunde in der DDR", wie es im Lied vom "Sonderzug" heißt, singen. Seine Lieder jedoch
machen vielen Menschen in der DDR über die
Jahre hinweg deutlich, dass sie im Westen
nicht abgeschrieben sind.
Ingo Grabowsky
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