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Weltpolitik unter Freunden

Diplomatisches Ringen um die deutsche Einheit

Bildikone der deutschen Zeitgeschichte. Das legendäre Treffen Gorbatschows mit Kohl im Kaukasus Mitte Juli 1990 gehört zu den wichtigen Meilensteinen auf dem Weg zur deutschen Einheit.

Selten hat man den mächtigsten Mann der Sowjetunion in der Öffentlichkeit so entspannt gesehen. In Wollpulli statt Anzug gekleidet sitzt Michail Gorbatschow auf einem groben Holzstuhl und unterhält sich mit seinem Gast Helmut Kohl. Die Bilder des Gipfeltreffens im Kaukasus im Juli 1990 sind inzwischen Ikonen des kollektiven Gedächtnisses.

Kaukasischer Freundeskreis: Sitzgruppe des Treffens zwischen Gorbatschow und Kohl 1990, Haus der Geschichte

Neun Monate zuvor war in Berlin die Mauer gefallen. Und während die Menschen auf der Straße tanzten, begann hinter den Kulissen bereits das diplomatische Ringen.

Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs beziehen ihre Positionen. Während die Vereinigten Staaten von Amerika unter dem PräsidentenGeorge Bush Senior die Wiedervereinigung Deutschlands befürworten und aktiv unterstützen, blicken Frankreich und vor allem Großbritannien äußerst skeptisch auf ein vergrößertes Deutschland im Herzen Europas. Die Sowjetunion macht anfangs aus ihrer Ablehnung eines wie auch immer gearteten Zusammenschlusses beider deutscher Teilstaaten keinen Hehl.

Helmut Kohl setzt in enger Absprache mit den amerikanischen Verbündeten auf eine rasche Wiedervereinigung. Er nutzt einerseits seine guten persönlichen Beziehungen zum sowjetischen Staatschef und flankiert andererseits seine Vorstöße mit dem Versprechen großzügiger Finanzhilfen. Es verwundert allerdings nicht, dass Gorbatschow seine letztlich entscheidende Einwilligung in die vollständige NATO-Mitgliedschaft eines wiedervereinigten Deutschlands Ende Mai 1990 gegenüber dem Präsidenten der anderen Supermacht in Washington gibt.

Doch trotz dieser Zustimmung bleiben die folgenden Wochen spannungsreich. Denn Anfang Juli 1990 findet in Moskau der XXVIII. Parteitag der KPdSU statt. Ein Forum, auf dem über das Schicksal Gorbatschows entschieden wird. Zugleich erhalten er und sein Außenminister Eduard Schewardnadse flankierende Unterstützung von der NATO: Auf einer Gipfelkonferenz in London verabschieden deren Mitgliedstaaten eine Erklärung, in der ein grundlegender Wandel der Allianz angekündigt wird - alte Feindbilder bröckeln.

Außenminister Schewardnadse bemerkt später, dass diese Erklärung seine Politik "gerettet" habe. Am 10. Juli 1990 wird Gorbatschow mit klarer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Und unmittelbar nach seiner Wiederwahl lädt er Bundeskanzler Kohl nach Moskau und anschließend in seinen Heimatort Stawropol im Kaukasus ein.

"Ich habe diese Einladung in seine Heimat als eine ganz besondere Geste verstanden" erinnert sich Kohl. "Unsere Gespräche waren von größter Offenheit und ... von persönlicher Sympathie geprägt. Mit dazu beigetragen hat das Umfeld, das wir vorgefunden haben, die herzlichen Begegnungen mit den Menschen in Stawropol oder mit jenen Bauern auf einem Getreidefeld, die wir nach einer Zwischenlandung mit dem Hubschrauber aufgesucht haben. Aber das Besondere und die Bedeutung unseres Zusammentreffens liegt in den Ergebnissen." Gorbatschow unterstreicht erneut, dass die Sowjetunion mit der Vollmitgliedschaft des vereinten Deutschlands in der NATO einverstanden ist. Damit ist der Weg zur deutschen Einheit frei.

Martin Ludwig Hofmann

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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