| Er war der wichtigste
außenpolitische Berater
von Helmut Kohl: Horst
Teltschik, der von 1982 bis
1990 im Bundeskanzleramt
die Abteilung "Auswärtige
und Innerdeutsche Beziehungen,
Entwicklungspolitik, Äußere Sicherheit" leitete.
Nach der Bundestagswahl
1990 wechselte er in die
Privatwirtschaft. Heute ist
der 64-Jährige Präsident
von Boeing Deutschland und
Tagungsleiter der Münchner
Konferenz für Sicherheitspolitik.
mm Herr Teltschik, Sie waren
im Juli 1990 beim Gipfeltreffen
zwischen Helmut Kohl
und Michail Gorbatschow im
Kaukasus dabei. Was ist Ihre
eindrücklichste Erinnerung?
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Teltschik Am eindrücklichsten
ist natürlich das Ergebnis.
Alle zu diesem Zeitpunkt
offenen Fragen - wie volle
Souveränität des wiedervereinigten
Deutschlands, wie
NATO-Beitritt, wie Truppenpräsenz - sind einvernehmlich
geregelt worden. Das war
sensationell und ist auch von
den Medien so verstanden
worden.
mm Wie war die Stimmung?
Teltschik Lassen Sie mich
dazu eine kurze Szene schildern: Präsident Gorbatschow
hat mit Bundeskanzler Kohl
und dem ganzen Tross am ersten
Abend einen kurzen Spaziergang
gemacht. Unser Weg
verlief entlang einer Almwiese,
die in voller Blüte stand. Plötzlich
lief Raisa Gorbatschowa
spontan in diese Wiese hinein,
um einen kleinen Blumenstrauß zu pflücken, den sie
Helmut Kohl überreichte. Eine
eindeutige Geste, wie überhaupt
der Ort der Veranstaltung
ein deutliches Signal war.
mm Der Ort der Verhandlungen
war Gorbatschows alte
Heimat. Wie kam es zu dieser
Einladung?
Teltschik Ich war im Mai
1990 zu Geheimgesprächen in
Moskau. In einem dieser Gespräche
habe ich Gorbatschow
daran erinnert, dass
er dem Bundeskanzler einmal
angeboten hat, ein Treffen in
seiner Heimat durchzuführen.
Und da habe ich ihm gesagt,
dass es doch eine gute Idee
wäre, wenn das nächste Zusammentreffen
dort stattfinden
könnte.
mm Nach dem Fall der Mauer
lehnte die Sowjetunion zunächst
die NATO-Mitgliedschaft
eines wiedervereinigten
Deutschlands ab. Wie haben
Sie auf die Veränderung dieser
Position hingearbeitet?
Teltschik Die Strategie des
Bundeskanzlers war, dass wir
ein Paket von Angeboten haben
müssen, um Präsident Gorbatschow diese Entscheidung
zu erleichtern. Dieses
Paket umfasste unter anderem
Lebensmittellieferungen
und Kreditzusagen in Höhe
von fünf Milliarden D-Mark.
Der entscheidende Durchbruch
erfolgte aber durch das Angebot
des Bundeskanzlers, mit
der Sowjetunion einen bilateralen
Vertrag über Partnerschaft
und Zusammenarbeit
zu verhandeln und diesen
direkt nach der Wiedervereinigung
zu unterzeichnen.
Außenminister Schewardnadse
sagte damals: "Herr Bundeskanzler,
das war genau das,
was wir noch brauchten, um
im Obersten Sowjet den Durchbruch
zu erzielen."
mm Gorbatschow hatte bereits
Ende Mai 1990 erklärt,
dass die Sowjetunion die
NATO-Mitgliedschaft eines
wiedervereinigten Deutschlands
akzeptieren würde. Warum
ging dennoch das Kaukasustreffen
vom Juli 1990
ins kollektive Gedächtnis ein?
Teltschik Ganz einfach, weil
Gorbatschows Äußerung im
Mai 1990 in einer Pressekonferenz
erfolgt ist, aber
nicht gegenüber der Bundesregierung.
Und entscheidend
war die Aussage uns gegenüber.
Die Pressekonferenz in
Washington war ein Signal
aber keine offizielle Stellungnahme.
Interview: Martin Ludwig Hofmann
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