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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Zaunwelten

Präsentation im Zeitgeschichtlichen Forum

Sie sind bunt, individuell, skurril und schön. Sie sind aus Moniereisen, Zahnrädern oder Bremsscheiben gebaut - die Gartenzäune "Marke Eigenbau", in der DDR gefertigt von 1960 bis 1989. Die Präsentation war vom 4. März bis 3. April 2005 im Foyer des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig zu sehen.

In der Ausstellung "Zaunwelten. Geschichten zur Alltagskultur der DDR" warfen die Berliner Kulturwissenschaftlerinnen Majken Rehder und Nicole Andries einen Blick durch, über und hinter den Gartenzaun und dokumentierten damit ein Stück DDR-Alltagskultur.

Zaunkultur hinter dem größten Zaun der DDR - der Mauer

Eigenbau war die kreative Antwort der Bevölkerung auf den allgegenwärtigen Mangel an Waren. In Gesprächen mit Eigenheimbesitzern und Zaun-Erbauern sowie in fotografischen Porträts eröffnete sich ein Stück spannender Alltagswelt der DDR. Heimwerker wurden zu Zeitzeugen. Sie berichteten über ihre Eigenheime und Zäune, erzählten von kreativer Heimwerkkultur, privater Nachbarschaftshilfe und dem Wunsch nach Abgrenzung und Individualität.
Die Interviews machten deutlich, dass es um mehr ging als um die bloße Einfriedung eines Grundstücks: "Ja, die DDR war ein Land der Zäune.

Da waren Grenzen und Zäune rund um dein Leben. Das waren die vielen festgesetzten Regeln, die es gab … Ja, und dann war ja rund herum um die DDR ein Zaun, die Mauer eben," erinnert sich Karin Behrend als Zeitzeugin.

Mangelwirtschaft, ostdeutsche Heimwerkerkultur, Eigenheim- und Wohnungsbaupolitik sowie die Mauer als eine Art größter Zaun waren die Themen, die der Präsentation den Rahmen gaben: In der privaten Produktion von Gartenzäunen entstand eine eigenwillige Ästhetik, jenseits staatlich genormter Gestaltungsmuster.

Heimwerker entwarfen Skizzen, schweißten Zäune mit Initialen, Jahreszahlen, Blumen- und Tiermotiven. Vor den gleichförmigen Haustypen prangten die liebevoll gestalteten Zäune "Familienwappen" gleich und zeugten von bewusster Individualität im Einheitsstaat.

Eineinhalb Jahre durchstreiften Majken Rehder und Nicole Andries die Mark Brandenburg - Zäune und Zeitzeugen im Visier. Dreihundert herausragende Gartenzaun-Fundstücke haben sie auf ihren Touren fotografisch zusammengetragen. Die Fotos und die Zeitzeugen-Interviews sind ein eindrucksvoller Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Alltagskultur.

Nicht staatlich genormt: Gartenzäune in der DDR - fotografiert von Majken Rehder

Plakate, Karikaturen, Gemälde und weitere Objekte aus der Sammlung des Museums ergänzten die Präsentation.

Henrike Girmond

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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