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Ausgewählt

In der Rubrik "Ausgewählt" stellen Prominente ein Exponat vor, mit dem sie persönliche Erinnerungen verbinden.

 
 

Ein Stück heile Welt

Bambi-Preis von 1950

Ihre ersten Auftritte hat die gelernte Ballerina als Tänzerin in den 1940er Jahren in Berlin. Später kommen auch kleinere Filmrollen dazu. Schlagartig berühmt wird Sonja Ziemann in den 1950er Jahren durch Filme wie "Schwarzwaldmädel" oder "Grün ist die Heide". Meist spielt sie darin das nette Mädchen von nebenan, heiter und unbeschwert.

Ein kleines, braunes Rehkitz, etwas unsicher auf den Beinen, wird im Haus der Geschichte im Schaufenster eines ehemaligen Lichtspieltheaters der 1950er Jahre präsentiert. Der Filmpreis "Bambi" ist damals noch aus Holz und Keramik, heute aus vergoldeter Bronze. Ich habe meinen "Bambi" 1950 für "Schwarzwaldmädel" erhalten, den ersten deutschen Farbfilm nach dem Krieg.

Er wurde ein Kassenschlager und Klassiker, der eine Welle von Heimatfilmen auslöste. Die Filme spielten oft in schönen Landschaften, zeigten ein Stück heile Welt mit Liebe und Glück und hatten immer ein harmonisches Ende. Der Preis kennzeichnet die Anfänge des deutschen Films nach 1945, eine Zeit, in der die jüngste Vergangenheit Deutschlands nur sehr zaghaft thematisiert wird. Eine Zeit auch, in der die deutsche Filmindustrie langsam wieder erste Schritte unternimmt, um ihren Weg und ein eigenständiges Profil zu finden.

Sonja Ziemann

mm Frau Ziemann, welche Bedeutung hat der Preis heute noch für Sie?

Ziemann Damals war er eine unverhoffte Auszeichnung durch das Kinopublikum. Heute bedeutet es mir sehr viel, dass er in die Sammlung des Hauses der Geschichte aufgenommen wurde.

mm Wie würden Sie den deutschen Film der 1950er Jahre beschreiben?

Ziemann Vor allem als unterhaltend und publikumswirksam. Experimente waren zu dieser Zeit leider nicht möglich, was daran lag, dass die Filme alle privat finanziert wurden und sich natürlich tragen mussten.

Sonja Zieman heute (o.), Filmausschnitt "Schwarzwaldmädel" (M.) und Lichtspiel-
theater im Haus der Geschichte (u.)

mm Wieso tat man sich in den 1950er Jahren mit der filmischen Auseinandersetzung mit der Zeit vor 1945 so schwer?

Ziemann In Trümmerfilme ging damals niemand. Wenn die Menschen ausgingen, dann wollten Sie unterhalten und nicht schon wieder mit ihrer häufig sehr harten Realität konfrontiert werden.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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