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Erfolg eines Träumers

30 Jahre Zirkus Roncalli

Am 18.Mai 1976 spielten die Clowns in der Manege des Zirkus Roncalli zum ersten Mal. Durch seinen Erfolg brachte das Projekt des Wiener Grafikers Bernhard Paul den Zirkus zurück in die Innenstädte und rettete eine sterbende Kultur.

"Die größte Poesie des Universums" - so lautete der Titel des ersten Programms, das der Wiener Zirkusnarr Bernhard Paul zusammen mit dem Künstler André Heller zusammenstellte und während des Bonner Sommers 1976 auf der Hofgartenwiese einem begeisterten Publikum vorstellte. Ein Jahr zuvor hatte Bernhard Paul seinen Job als Art-Direktor eines Wiener Nachrichtenmagazins gekündigt und einen alten Zirkuswagen gekauft.

Doch schon bald nach den ersten Triumphen gerät das Projekt in eine Krise. Nach Streitigkeiten trennen sich Paul und Heller. Das Geld wird knapp und 1977 ist der Zirkus am Ende. So scheint es wenigstens. Um sich selber finanziell über Wasser zu halten, tingelt Paul als Clown durch Kaufhäuser, Ausstellungen und Festivals. In Köln findet der Zirkus in einer alten Schokoladenfabrik schließlich eine Basis und in dem Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger auch einen Finanzier. Am 4. Juni 1980 heißt es wieder "Manage Frei" für den Zirkus Roncalli.

Und ab jetzt ist das Projekt erfolgreich. Bernhard Paul expandiert. Die Zirkuswagen werden schöner und bunter. Der Zirkus wandelt sich zum Gesamtkunstwerk, in dem nichts dem Zufall überlassen ist - angefangen von der aufwändig gestalteten Eintrittskarte über die Platzgestaltung bis zum Einlass. Folge: Die Schlangen vor den Kassenwagen werden immer länger. In den ersten drei Jahren besuchen 1,6 Millionen Besucher das historische Roncalli-Stoffzelt in den Innenstädten. Und auch viele Stars wie Heinz Rühmann oder Freddy Knie jr. sind dabei. 1984 überträgt das ZDF seine Show zu Heiligabend live aus den Roncalli-Festzelt. Der Zirkus, dessen Niedergang durch den Siegeszug des Fernsehen besiegelt schien, wird durch Roncalli in der Bundesrepublik wieder gesellschaftsfähig.

Zehn Jahre nach der ersten Vorstellung überwindet der Zirkus Roncalli, als Kulturbotschafter und auf Initiative des damaligen NRWMinisterpräsidenten Johannes Rau, den eisernen Vorhang und gastiert in Moskau.

Nicht nur räumlich geht es aufwärts. Seit Anfang der 1990er Jahre des vergangenen Jahrhunderts expandiert Bernhard Paul mit Roncalli auch inhaltlich. In der Frankfurter Alten Oper entsteht ein "Varieté Roncalli". Und zusammen mit den Starköchen Hans-Peter Wodarz und Alfons Schubeck realisiert Paul in einem alten Spiegelzelt die Erlebnis-Gastronomie "Panem et Circenses". In Düsseldorf und Berlin entstehen eigene Varietés.

Im 30-jährigen Jubiläumsjahr ist aus Roncalli ein kleiner Zirkus-Konzern geworden. Dazu gehören einhundert originalgetreu restaurierte Zirkuswagen aus der Jahrhundertwende, ein nach dem Vorbild der Mailänder Scala gestalteter Zeltpalast und Uniformen vom Schneider der englischen Königin.

Geert Schmelzer

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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