|
Der Veranstaltungsreigen begann parallel
zur Eröffnung der Buchmesse am 15. März.
Deutschlandfunk und Leipziger Volkszeitung
organisierten gemeinsam mit dem Zeitgeschichtlichen
Forum den "Ost-West-Dialog", in
dem die Rockmusiker Heinz-Rudolf Kunze und
André Herzberg, Sänger der Ost-Berliner Kultgruppe "Pankow" über ehemals musikalische
Standorte und Entwicklungen in der Bundesrepublik
und der DDR diskutierten.
Einen Tag später las mit Juri Andruchowytsch
einer der wichtigsten Intellektuellen der
Ukraine, der in diesem Jahr mit dem Buchpreis
zur Europäischen Verständigung geehrt
wurde, aus seinem Buch "Zwölf Ringe". Seine
Texte sind eine verspielte, verschlüsselte, oft
absurde Zeitreise durch die Ukraine, bei der
es dem Autor immer auch um Europa und die
Europäische Union geht.
Mit Kernthemen des Zeitgeschichtlichen
Forums setzten sich an den folgenden Tagen
gleich mehrere Lesungen und Diskussionen
auseinander. So präsentierten Bettina Effner
und Helge Heidemeyer das von ihnen herausgegebene
Buch "Flucht im geteilten Deutschland". Über den von Eckhard Jesse zusammengestellten Sammelband "Friedliche Revolution
und deutsche Einheit. Bürgerrechtler ziehen
Bilanz" diskutierten der Herausgeber, Rainer
Eckert, Tobias Hollitzer, Martin Rößler, Christoph
Links und Werner Schulz. Auf einer weiteren
Veranstaltung wurde das Buch "Für ein
freies Land mit freien Menschen", einer Sammlung
von 73 Biografien ostdeutscher Systemgegner,
vorgestellt.
Neben dem 10. Leipziger Europaforum
sorgte auch die Präsentation des vierbändigen
Werkes "Die Dresdner Bank im Dritten Reich"
für große Resonanz, das die enge Beziehung
der Großbank zu nationalsozialistischen Machthabern,
besonders zur SS darstellt.
Mit einem anderen Thema beschäftigte sich
Richard Wagner in seinem Buch "Der deutsche
Horizont", das er auf dem Podium des Zeitgeschichtlichen
Forums dem Publikum vorstellte.
Er diagnostiziert am "Patienten Deutschland"
nicht eine Krankheit des Körpers,
sondern der Seele. Deutschland sei durch eine
große Unsicherheit geprägt, da seit 1989 alle
bisher tauglichen Werte scheinbar ihre Bedeutung
verloren.
Mit der wirtschaftlichen Lage beschäftigten
sich der Attac-Mitbegründer und Autor des
Buches "Das Gesellschaftswunder", Harald
Klimenta. Er stritt mit Friedrich Schorlemmer über die Gründe der scheinbaren Ohnmacht
der Bürger in einer globalisierten Welt. Abschließend
setzten sich Lars-Broder Keil und
Sven Felix Kellerhoff mit Gerüchten in der
Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander.
In ihrem Buch "Gerüchte machen Geschichte"
beschreiben sie, dass falsche Behauptungen
gravierende politische und militärische Folgen
hatten. Das Spektrum erstreckt sich von der "Dolchstoßlegende" bis zur angeblich vor 1989
aufgegebenen Orientierung der bundesdeutschen
Deutschlandpolitik auf die Wiedervereinigung.
Rainer Eckert/Johanna von Münchhausen
|