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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Meinungen, Dialoge und Diskussionen

Leipziger Buchmesse im ZFL

Alljährlich im März wird Leipzig zur literarischen Hauptstadt Deutschlands: 126.000 Besucher, über 2.100 Verlage aus 30 Ländern und rund 1.800 Lesungen in vier Tagen. Wie jedes Jahr war auch das Zeitgeschichtliche Forum mit einem eigenen, hochkarätigen Veranstal-
tungsprogramm vertreten.

Podiumsteilnehmer der Veranstaltung "Für ein freies Land mit freien Menschen"

Der Veranstaltungsreigen begann parallel zur Eröffnung der Buchmesse am 15. März. Deutschlandfunk und Leipziger Volkszeitung organisierten gemeinsam mit dem Zeitgeschichtlichen Forum den "Ost-West-Dialog", in dem die Rockmusiker Heinz-Rudolf Kunze und André Herzberg, Sänger der Ost-Berliner Kultgruppe "Pankow" über ehemals musikalische Standorte und Entwicklungen in der Bundesrepublik und der DDR diskutierten.

Einen Tag später las mit Juri Andruchowytsch einer der wichtigsten Intellektuellen der Ukraine, der in diesem Jahr mit dem Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt wurde, aus seinem Buch "Zwölf Ringe". Seine Texte sind eine verspielte, verschlüsselte, oft absurde Zeitreise durch die Ukraine, bei der es dem Autor immer auch um Europa und die Europäische Union geht.

Mit Kernthemen des Zeitgeschichtlichen Forums setzten sich an den folgenden Tagen gleich mehrere Lesungen und Diskussionen auseinander. So präsentierten Bettina Effner und Helge Heidemeyer das von ihnen herausgegebene Buch "Flucht im geteilten Deutschland". Über den von Eckhard Jesse zusammengestellten Sammelband "Friedliche Revolution und deutsche Einheit. Bürgerrechtler ziehen Bilanz" diskutierten der Herausgeber, Rainer Eckert, Tobias Hollitzer, Martin Rößler, Christoph Links und Werner Schulz. Auf einer weiteren Veranstaltung wurde das Buch "Für ein freies Land mit freien Menschen", einer Sammlung von 73 Biografien ostdeutscher Systemgegner, vorgestellt.

Neben dem 10. Leipziger Europaforum sorgte auch die Präsentation des vierbändigen Werkes "Die Dresdner Bank im Dritten Reich" für große Resonanz, das die enge Beziehung der Großbank zu nationalsozialistischen Machthabern, besonders zur SS darstellt.

Mit einem anderen Thema beschäftigte sich Richard Wagner in seinem Buch "Der deutsche Horizont", das er auf dem Podium des Zeitgeschichtlichen Forums dem Publikum vorstellte. Er diagnostiziert am "Patienten Deutschland" nicht eine Krankheit des Körpers, sondern der Seele. Deutschland sei durch eine große Unsicherheit geprägt, da seit 1989 alle bisher tauglichen Werte scheinbar ihre Bedeutung verloren.

Mit der wirtschaftlichen Lage beschäftigten sich der Attac-Mitbegründer und Autor des Buches "Das Gesellschaftswunder", Harald Klimenta. Er stritt mit Friedrich Schorlemmer über die Gründe der scheinbaren Ohnmacht der Bürger in einer globalisierten Welt. Abschließend setzten sich Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff mit Gerüchten in der Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander. In ihrem Buch "Gerüchte machen Geschichte" beschreiben sie, dass falsche Behauptungen gravierende politische und militärische Folgen hatten. Das Spektrum erstreckt sich von der "Dolchstoßlegende" bis zur angeblich vor 1989 aufgegebenen Orientierung der bundesdeutschen Deutschlandpolitik auf die Wiedervereinigung.

Rainer Eckert/Johanna von Münchhausen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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