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Als am 17. Juni 1953
Hunderttausende in der DDR
gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen
protestierten
und freie Wahlen forderten,
versuchte das SED-Regime
mit allen Mitteln, eine freie
Berichterstattung über die
Vorgänge zu verhindern. Der
Risikobereitschaft eines West-
Berliner Fotografen ist es zu
verdanken, dass Aufnahmen
entstanden, welche die Dramatik
jener Tage in Ost-Berlin
dokumentierten und die
Legende vom „faschistischen
Putschversuch“ widerlegten.
Mit einer Geheimkamera
hielt der damalige Bildreporter
Richard Perlia die Ereignisse
dieses Tages fest. Aus
Angst vor der Stasi wurden
die Bilder zunächst unter dem
Decknamen „xyz“ veröffentlicht.
Die Motive aus der Fotoserie
Perlias, die den Volksaufstand
in Ost-Berlin und seine
gewaltsame Niederschlagung
zeigen, werden heute zusammen
mit seiner Geheimkamera
im Haus der Geschichte in
Bonn präsentiert.
mm
Wie kann man sich Ihre
„Geheimkamera“ vorstellen?
Perlia
Die „Geheimkamera“
war eine vollautomatische
Kleinbildkamera. Sie befand
sich in einem ausgehöhlten
Buch. Die Bilder wurden mittels
eines Fernauslösers, der
durch eine Öffnung im Buchrücken
läuft, gemacht. Die
Kamera arbeitete leider sehr
laut, so dass das Geräusch
durch ein „Hüsteln“ unterdrückt
werden musste.
mm
Unter welchen Bedingungen
haben Sie Ihre Fotos
angefertigt?
Perlia
Die Fotos wurden auf
Veranlassung von Ernst Lemmer,
Minister für Gesamtdeutsche
Fragen, erstellt, dem
auch die Geheimkamera bekannt
war. Die Bedingungen
waren für mich äußerst gefährlich.
Wäre das Buch mit
der Kamera entdeckt worden,
so wäre ich vielleicht für viele
Jahre nach Sibirien transportiert
worden.
mm
Wie bewerten Sie aus
heutiger Sicht die Ereignisse
des 17. Juni 1953?
Perlia
Ich finde es schade,
dass der Aufstand damals
nicht mehr erreicht hat und
von den Russen niedergeschlagen
wurde. Wäre der
Aufstand gelungen, so hätte
die DDR schon damals nicht
mehr bestanden.
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