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Reagans Vision
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Interview mit Eberhard Diepgen
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Eberhard Diepgen
war von 1984 bis 1989
und von 1991 bis 2001
Regierender Bürgermeister
von Berlin, wo er heute
als Rechtsanwalt tätig ist.
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Eberhard Diepgen
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mm
Wie haben Sie Ronald
Reagans Auftritt 1987 vor
dem Brandenburger Tor in
Erinnerung?
Diepgen
Die Rede war sorgfältig
vorbereitet. Ich erinnere
mich an Gespräche in
Washington und Berlin. Die
Amerikaner wollten eine stärker
offensive geistige Auseinandersetzung.
Mit seinen Vorschlägen,
beispielsweise für
systemübergreifende Olympische
Spiele, sowie der klaren
Aufforderung, die Mauer niederzureißen,
hat Reagan sich
deutlicher und viel politischer
engagiert als alle seine Vorgänger.
Kennedys Rede 1963
war ein psychologisches Meisterstück
gegenüber den verunsicherten
Berlinern, Reagan
hat Vision mit praktischer Politik
verbunden.
mm
Die Rede fand vor geladenen
Gästen statt. Wie reagierten
die Berliner außerhalb
der Veranstaltung auf die Rede?
Diepgen
Viele alte Berliner
waren begeistert: Der traut
sich, das Richtige zu sagen.
Gleichzeitig glaubten sie nicht
an schnelle Erfolge. In der
bundesdeutschen Öffentlichkeit
wurden die klaren Worte
des Präsidenten sehr zurückhaltend
kommentiert. Man las
das genaue Gegenteil von den
heute lobenden Worten über
die visionären Forderungen:
er wurde eher als „Kalter
Krieger“ angegriffen.
mm
Sie suchten auch das Gespräch
mit Erich Honecker,
unter anderem trafen Sie
ihn Anfang 1988. Haben die
Worte Reagans bei ihm einen
Eindruck hinterlassen?
Diepgen
Die Rede wurde von
Honecker angesprochen. Besonders
missfiel ihm die Tatsache,
dass in den wichtigen
politischen Punkten nicht er,
sondern Gorbatschow und die
Sowjetunion angesprochen
worden waren.
mm
Viele deutsche Politiker
hielten Reagans Appell für
eine Fantasterei. Hätten Sie
damals gedacht, dass nur
zwei Jahre später die Mauer
tatsächlich fallen würde?
Diepgen
Nein, natürlich
nicht. Die DDR feierte 1987
mit dem Besuch Honeckers
in Bonn einen großen Erfolg
auf ihrem Weg zur internationalen
Anerkennung. Mit der
750-Jahr-Feier in Ost-Berlin
demonstrierte das System
auch seine Stabilität. Die Opposition
wurde erst langsam
immer mutiger und ließ sich
von Glasnost und Perestroika
beflügeln. Auch 1987 wurde
ich noch angegriffen und bestenfalls
belächelt mit meiner
These, die Wiedervereinigung
komme, ich wisse nur nicht,
wann.
mm
Welche Rolle spielt Berlin
im vereinigten Deutschland?
Diepgen
In den 1990er Jahren
war Berlin der Motor der
Vereinigung, nicht immer
geliebt in dieser Rolle. Die
Hauptstadtdiskussion hat an
der Glaubwürdigkeit nationaler
Politik zweifeln lassen.
Aber die Zeit heilt Wunden.
Als Hauptstadt ist Berlin immer
mehr anerkannt, die verbliebenen
„Bonner“ Ministerien
werden auch irgendwann
nach Berlin umziehen.
Interview: Magdalena Zeller
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