|
Vor 40 Jahren starb Konrad Adenauer
Am 19. April 1967 verstarb
Konrad Adenauer in seinem
Rhöndorfer Wohnhaus. Sein
Leben und Wirken durchzog
vier Epochen wechselvoller
deutscher Geschichte.
1876 in einfachen Verhältnissen eines
kleinbürgerlichen Beamtenhaushalts in Köln
geboren, wuchs Adenauer im Kaiserreich
Bismarcks und Wilhelms II. auf. Nach dem
Studium der Rechtswissenschaften und eher
bescheidenen beruflichen Anfängen übernahm
er 1906 eine Stelle als Beigeordneter in seiner
Heimatstadt. Damit begann eine steile kommunalpolitische
Karriere, die ihn 1917 als
Kandidat der katholischen Zentrumspartei in
das Amt des Oberbürgermeisters führte.
In den Jahren der Weimarer Republik
setzte Adenauer darauf, Köln zur modernen
Großstadt und kulturellen Metropole im Westen
des Reiches und handelspolitischen Drehscheibe
des westlichen Europa auszubauen.
Vor diesem Hintergrund realisierte er Projekte
wie den Grüngürtel, die Messe, die Wiedergründung
der Universität oder die Ansiedlung
der Ford-Werke, die die Domstadt bis heute
prägen. Adenauers Karriere als Oberbürgermeister
nahm 1933 ein jähes Ende. Der gläubige
Christ und überzeugte Demokrat musste
nach Hitlers Machtübernahme um sein Leben
fürchten. In der Abtei Maria Laach fand er Zuflucht,
während ihn die neuen Machthaber aus
dem Amt entließen.
Von Köln nach Bonn – die zweite politische Karriere
Ins Privatleben zurückgezogen überstand
Adenauer, trotz zweier Verhaftungen, das
so genannte Dritte Reich. Nach Kriegsende
– Adenauer war bereits 69 Jahre alt – setzte
seine zweite politische Karriere ein, die
Adenauer 1949 ins Bonner Kanzleramt und
im Jahr darauf zum Vorsitz der neu gegründeten
CDU-Bundespartei führte. Westintegration
und Wiederbewaffnung, Aussöhnung und
europäische Integration, Wiederaufbau und
Wirtschaftswunder prägten die Ära der Jahre
1949–1963, die Adenauers Namen trägt. Dabei
war seine Politik ebenso umstritten wie der
Kanzler selbst. 1963 drängte die eigene Partei
den 87-Jährigen aus dem Amt. Dem Deutschen
Bundestag gehörte er weiterhin als Abgeordneter
an; vor allem aber widmete sich der
Altkanzler fortan daheim in Rhöndorf oder im
oberitalienischen Urlaubsort Cadenabbia der
Arbeit an seinen „Erinnerungen“, die er nicht
mehr in Gänze selbst abschließen konnte.
Die Rhöndorfer Gedenkstätte
Noch im Todesjahr des Kanzlers, 1967,
schenkten Adenauers sieben Töchter und Söhne
der Bundesrepublik Deutschland das Haus
mit allem Inventar, dem großen Garten und
auch dem privaten schriftlichen Nachlass des
Vaters. Der Bund errichtete im Gegenzug mit
der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus
eine Gedenkstätte. Fast drei Millionen Besucher
aus aller Welt sind seither nach Rhöndorf
gekommen, um zu sehen, wo und wie
der Kanzler wohnte, der längst politischem
Gezänk entrückt ist und von den Deutschen
2003 in einer ZDF-Umfrage zu „Unserem Besten“
bestimmt wurde. Dabei gibt es nicht nur
den Politiker, sondern auch den Privatmann
Konrad Adenauer, den Familienmenschen und
Gartenfreund, den Tüftler und Erfinder, den
Liebhaber von Kunst und klassischer Musik,
den begeisterten Krimileser und leidenschaftlichen
Boccia-Spieler zu entdecken. Alles ist
noch so erhalten, wie Adenauer es 1967 verlassen
hat, und wirkt auf eine Art und Weise
lebendig, dass man nicht ausschließen möchte,
„der alte Herr“ könne gleich persönlich zur
Tür hereinkommen.
Corinna Franz
|