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Flucht- und Lebenswege

„Heimat und Exil“ im Haus der Geschichte

„Wohin gehst du?“ fragt der eine. „Nach Argentinien“, antwortet der andere. „Argentinien, das ist weit“, sagt der erste. Der andere erwidert: „Weit von wo?“ Das Bonmot über zwei Flüchtlinge macht deutlich, wie unwiderruflich sich das Leben der deutschen Juden nach ihrer Flucht und Vertreibung aus Deutschland veränderte.

Erstmalig werden die Erfahrungen der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland nach 1933 in einer großen Ausstellung thematisiert, die das Jüdische Museum in Berlin und das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn nach mehrjähriger Vorbereitungszeit präsentieren. Nachdem die Ausstellung „Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933“ seit September 2006 in Berlin zu sehen war, wird sie nun im Haus der Geschichte in Bonn gezeigt. Vor dem Hintergrund jüdischen Lebens in Deutschland in der Weimarer Republik sowie der Verfolgung, Flucht und Vertreibung während des Nationalsozialismus thematisiert die Ausstellung den schwierigen Neuanfang sowie das allmähliche Hineinwachsen in die Kultur und Gesellschaft des jeweiligen Aufnahmelandes.

Die biografisch ausgerichtete Ausstellung dokumentiert vielfältige Flucht- und Lebenswege. Fast 280.000 Juden verließen Deutschland zwischen 1933 und 1945 und suchten in über 90 Ländern auf fünf Kontinenten Zuflucht. In der Anfangszeit der nationalsozialistischen Herrschaft boten sich für die Emigranten zunächst die unmittelbaren Nachbarländer wie die Niederlande, Frankreich oder die Tschechoslowakei an. In der Hoffnung, bald wieder nach Deutschland zurückzukehren, fühlten sie sich hier vorübergehend in Sicherheit. Doch es handelte sich nur um eine Frage der Zeit, bis auch diese Länder von den deutschen Truppen besetzt wurden und eine erneute Flucht begann.

Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“

Das Auswanderungsland schlechthin stellten für viele Juden die Vereinigten Staaten von Amerika als westliche Nation mit europäischen Wurzeln dar. 120.000 bis 130.000 Immigranten aus Deutschland kamen zwischen 1933 und 1945 in die USA. Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ suchten jüdische Einwandererfamilien einen wirtschaftlichen Neuanfang und blieben zumeist – etwa zwei Drittel – in New York. Neben den USA waren Palästina und Großbritannien die Emigrationsländer, in denen die meisten deutschen Juden lebten. Circa 60.000 Flüchtlinge suchten und fanden zwischen 1933 bis 1941 allein in Palästina Aufnahme.

Für viele Emigranten wurde das Land, in dem ihnen Zuflucht gewährt wurde, zur neuen Heimat. Während nur wenige deutsch-jüdische Emigranten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehrten, stellte für die Mehrheit der zuvor Verfolgten und Vertriebenen das „Land der Täter“ kein Heimatland mehr dar. Viele deutsche Juden empfanden dennoch eine lebenslange Trauer über den Verlust ihrer einstigen Heimat.

Christian Peters / Ulrike Zander

Jüdische Emigranten reisten 1946 von Shanghai weiter in die USA oder nach Palästina.

 

Jüdische Kinder aus Deutschland an Bord der President Harding vor der Kulisse New Yorks, Juni 1939

 

Herbert und Ursula Lebram, Inhaber eines Berliner Modegeschäfts, lagerten für die Dauer ihres Exils in den Niederlanden bei einem Spediteur einen Schrankkoffer ein.

 
Die Ausstellung „Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933“ ist vom 25. Mai bis 7. Oktober 2007 im Haus der Geschichte in Bonn zu sehen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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