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Titel

 

„Fast keiner wollte wieder zurück.“

Werner Michael Blumenthal im Gespräch

„Werner Michael Blumenthal musste als 13-Jähriger aus Deutschland fliehen. Er suchte mit seiner Familie Zuflucht in der chinesischen Hafenstadt Shanghai, einem der ungewöhnlichsten Emigrationsorte. Heute ist der ehemalige amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal Direktor des Jüdischen Museums in Berlin und findet in der Ausstellung „Heimat und Exil“ auch seine eigene Geschichte wieder.

Werner Michael Blumenthal

mm Herr Blumenthal, was verbindet Sie persönlich mit der Ausstellung „Heimat und Exil“?
Blumenthal Meine Familie und ich gehören zu den deutschen Juden, die noch kurz vor Kriegsausbruch ins Ausland flüchten konnten. Die Erfahrungen dieser Gruppe von Menschen, die diese Ausstellung zeigt, haben auch die Blumenthals gemacht.

mm Wohin führte Ihr Weg nach Ihrem Aufenthalt in Shanghai?
Blumenthal Nach über acht Jahren in Shanghai, inklusive der Kriegsjahre, wanderte ich 1947 nach Amerika ein, und 1952 wurde ich amerikanischer Staatsbürger. Seitdem sind die USA meine Heimat.

mm Hätten Sie sich 1945 vorstellen können, nach Deutschland zurückzukehren?
Blumenthal Nein, das war mir und uns allen unvorstellbar. Selbst für die ältere Generation meiner Eltern war die Erinnerung an dieses Land so unerfreulich, dass fast keiner wieder zurück wollte.

mm Gab es einen besonderen Grund, die Ausstellung „Heimat und Exil“ zum jetzigen Zeitpunkt zu konzipieren und vorzubereiten?
Blumenthal Es ist das erste Mal, dass eine Ausstellung den Versuch macht, das Leben und die Erfahrung dieser Gruppe von deutschen Juden zu zeigen. Dafür war viel Zeit notwendig, und vieles musste minutiös vorbereitet werden. Hätten wir länger gewartet, wäre vielleicht manches Material nicht mehr vorhanden gewesen.

mm Welches Ziel verfolgt die Ausstellung?
Blumenthal Die Ausstellung soll zeigen, wie die deutschen Juden misshandelt und ausgeraubt wurden, wie schwierig es war, irgendwo auf der Welt eine Unterkunft zu finden und mit welchen Problemen diese Deutschen zu kämpfen hatten, um sich fern von ihrer Heimat in eine andere Kultur einzuleben.

mm Welches Objekt berührt Sie am stärksten, wenn Sie heute durch die Ausstellung gehen?
Blumenthal Es ist für mich die Fotografie-Montagewand am Anfang der Ausstellung, die so viel zeigt und so vieles anschaulich dokumentiert.

Jüdische Flüchtlinge in Shanghai fahren mit einer Rikscha, um 1940.

mm Wie hat aus Ihrer Sicht die Kooperation zwischen dem Jüdischen Museum in Berlin und dem Haus der Geschichte in Bonn funktioniert?
Blumenthal Es war in jeder Beziehung eine ausgezeichnete und fruchtbare Zusammenarbeit. Deutsch-jüdische Geschichte ist auch immer ein Teil deutscher Geschichte. Insofern überschneiden sich die Missionen beider Häuser. Wir freuen uns, dass diese wichtige Ausstellung nun auch in Bonn für das Publikum bereitsteht.

Interview: Ulrike Zander

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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