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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Nähe und Ferne zugleich

Ausstellung „drüben“ in Leipzig

Zwei Chronisten deutsch-deutscher Entwicklungen und Stimmungslagen, Dieter Zimmer und Wolfgang Menge, brachten Ende Mai im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig als Eröffnungsredner der Ausstellung „drüben. Deutsche Blickwechsel“ ihren persönlichen Bezug zum Thema zum Ausdruck.

Die Widersprüchlichkeit aus Zusammenhalt und Abgrenzung bildet den Spannungsbogen der Ausstellung, die auch die Zeit der deutsch-deutschen Beziehungen zwischen 1949 und 1989 sowie das Leben von Zimmer und Menge bestimmte. Nun wird die Ausstellung in Leipzig präsentiert, nachdem sie in Bonn seit Anfang Dezember 2006 zu sehen war.

Neuanfang im Westen

Der bekannte Fernsehjournalist und Schriftsteller Dieter Zimmer ist in besonderer Weise mit der Stadt Leipzig verbunden. Hier, im Stadtteil Gohlis, verbrachte er seine frühe Kindheit. Als 13-Jähriger floh er im Januar 1953 zusammen mit seiner Mutter über West-Berlin in die Bundesrepublik, als einer von fast drei Millionen, die in den Jahren vor dem Mauerbau dem „Arbeiter- und Bauernstaat“ den Rücken kehrten. Unmittelbarer Anlass, einen Neuanfang im Westen zu wagen, war im Falle der Zimmers die Enteignung ihres kleinen Familienbetriebs, seine Umwandlung in einen VEB, einen volkseigenen Betrieb. Zimmer fiel damals der Abschied sehr schwer, von den Großeltern, von Freunden und von seinem Fußballverein Chemie Leipzig – Verluste, für die ihn der „goldene Westen“ so schnell nicht entschädigen konnte. Fast 30 Jahre später hat er die Erinnerungen an seine Leipziger Zeit in einem erfolgreichen Roman verarbeitet: „Für’n Groschen Brause“ war in der DDR zwar nur illegal zu erhalten, fand aber auch dort viele begeisterte Leser.

Zimmer hatte sich zu dieser Zeit mit Filmen und Dokumentationen über die DDR bereits einen Namen gemacht. 1980 drehte er beispielsweise für das ZDF „Mein Leipzig – lob ich’s mir?“ – und erhielt daraufhin Arbeitsverbot in seiner alten Heimatstadt. Umso stärker für ihn das Glücksgefühl, dass er seit Mauerfall und Wiedervereinigung dort wieder journalistisch tätig sein kann. So moderiert er unter anderem seit über zehn Jahren die „Leipziger Gespräche“ im Gewandhaus. Mit besonderem Interesse hat er die Vorbereitung der Ausstellung „drüben. Deutsche Blickwechsel“ begleitet.

Satirische Auseinandersetzung

Der westdeutsche Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Menge hat sich immer wieder in satirischer Form mit deutsch-deutschen Vorurteilen und Klischees auseinandergesetzt. Mit der beim Publikum bis heute sehr beliebten Serie „Ein Herz und eine Seele“ hat er in den 1970er Jahren Fernsehgeschichte geschrieben. Eine der bekanntesten Folgen um „Ekel Alfred“, von der Ausschnitte auf einer Großleinwand in der Ausstellung zu sehen sind, kommentiert mit viel Witz das deutsch-deutsche Fußballduell von 1974, bei dem die DDR wider Erwarten durch das legendäre Sparwasser-Tor triumphierte.

Anne Martin

Der Journalist Dieter Zimmer präsentierte fast 20 Jahre lang im ZDF die Wahlergebnisse und -analysen.

 

Die Ausstellung „drüben. Deutsche Blickwechsel“ ist vom 31. Mai bis 9. Oktober 2007 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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