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Leipzig brummt: das zeigte
zumindest die diesjährige
Buchmesse. Auch 2007
öffnete das Zeitgeschichtliche
Forum Leipzig seine Räume
für Lesungen, Vorträge und
Diskussionen im Rahmen der
Messeveranstaltung.
Zum dritten Mal wurde auf der Buchmesse
der Preis zur Europäischen Verständigung
verliehen. Die diesjährigen Preisträger, Gerd
Koenen für sein Buch „Der Russland-Komplex“
und der russische Philosoph Michail Rykin für
die Arbeit „Mit dem Recht des Stärkeren“, leiteten
mit einer Lesung die vielfältigen Veranstaltungen
im Zeitgeschichtlichen Forum ein:
Sie reichten von Gunnar Hincks Studie über
die „Eliten in Ostdeutschland“ bis zur gelungenen
synthetischen Sicht Peter Benders auf die
deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte.
Für Überraschung sorgte der Ansatz des
ehemaligen sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten
Reinhard Höppner, der darauf verwies,
dass die friedliche Revolution aktiv nur
von einer geringen Anzahl Ostdeutscher getragen
worden sei. Die Westdeutschen hätten nach
der Wiedervereinigung ihre alten Diskurse unbeeinflusst
von diesem Ereignis fortgeführt.
In weiteren Diskussionen und Vorträgen
schilderten Mike Schmeitzner und Andreas
Wagner das Schicksal der elf sächsischen Ministerpräsidenten
in der Zeit der Extreme zwischen
1919 und 1952, Gerda und Hermann
Weber berichteten über ihre bis heute dauernde
Suche nach einem Lebensweg unter dem Motto
„Das Prinzip Links“ und Jens-Fietje Dwars
stellte die erste Biografie vor, die das Leben von
Peter Weiß in seiner ganzen Komplexität zu erfassen
sucht.
Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltungen
stand in engem Bezug zur Ausstellung
„Flucht-Vertreibung-Integration“ und dem geplanten
„sichtbaren Zeichen“ gegen Vertreibung.
Helga Hirsch richtete ihren Blick auf die
Menschen, die ihre Heimat zwischen Oder und
Bug oft mehrfach verloren haben und gab zu
bedenken, dass Flucht und Vertreibung nur jeweils
mit den Augen des anderen zu begreifen
seien. In der neuen Sendefolge von Deutschlandfunk,
Leipziger Volkszeitung und Zeitgeschichtlichem
Forum „Politik und Zeitgeschichte
im Gespräch“ konzentrierte sich die Diskussion
auf den Zeitpunkt, an dem in Berlin ein „Zentrum
gegen Vertreibungen“ entstehen wird.
Auch die polnischen Vorbehalte gegen dieses
Projekt und die Zielsetzungen des „Bundes der
Vertriebenen“ wurden thematisiert. Dabei argumentierte
Erika Steinbach, dass es dem Bund
der Vertriebenen um die Versöhnung zwischen
allen Opfern der Vertreibung gehen würde.
Ebenfalls dieser Thematik widmete sich
das 12. Leipziger Europaforum. Mit der Frage
„Flucht und Vertreibung europäisch erinnern?“
fächerte es die Diskussion weiter auf. Es wurde
deutlich, dass in der Tschechischen Republik
das Thema keine derartige Brisanz wie in Polen
besitzt. Gleichzeitig zeigten die Gespräche deutscher
und polnischer Wissenschaftler, dass die
Kontakte zwischen den Nachbarstaaten weiter
vorangeschritten sind als es der immer wieder
aufflammende öffentliche Schlagabtausch vermuten
lässt.
Rainer Eckert
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