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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Blick ins Leben der Anderen

Neue Zeitzeugeninterviews in Leipzig

Ausgewählte Zeitzeugen haben für das Zeitgeschichtliche Forum nicht nur über ihr Leben in der DDR berichtet, sondern auch ihre Familienalben geöffnet, Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt. Mit Wiedereröffnung der überarbeiteten und aktualisierten Dauerausstellung am 9. Oktober 2007 werden die ersten 30 dieser Biografien audiovisuell zu sehen sein.

Die DDR ist Geschichte. Die großen innenpolitischen Zäsuren der 40 Jahre von der Staatsgründung 1949 bis zur friedlichen Revolution 1989 sind unumstritten. Oft sind sie beschrieben worden, auch die Dauerausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig orientiert sich bei ihrer Darstellung von Diktatur, Opposition und Widerstand in der DDR an diesen Daten.

Doch wie wurden diese Ereignisse von den Menschen in der DDR erlebt, wie haben sie ihr Leben gestaltet oder verändert? Und wie sah ihr Alltag jenseits dieser politischen Einschnitte aus? Fragen, die von der bisherigen Dauerausstellung nur in Ansätzen beantwortet wurden. Daher wird in die neue Dauerausstellung, die im Herbst 2007 fertig gestellt sein wird, eine individuelle Kommentarspur eingefügt. An sechs einheitlich gestalteten Terminals, die an den zentralen Bruchstellen der DDR-Geschichte verortet sind, können die Besucher die Biografie eines ihnen per Zufall zugewiesenen Zeitzeugen in Wort und Bild nachvollziehen.

Dafür wurden lebensgeschichtliche Interviews mit 65 ausgewählten Zeitzeugen geführt, die den größten Teil ihres Lebens in der DDR verbracht haben. Geboren zwischen 1925 und 1975, repräsentieren sie ein breites Spektrum unterschiedlichster Herkunft. Nicht wenige kamen als Flüchtlinge und Vertriebene in die damalige SBZ. Unter den befragten Zeitzeugen sind Menschen, die in Opposition zur DDR standen, wie auch ehemalige Diener dieses Staates. Die Mehrzahl der Zeitzeugen aber steht für eine Normalbiografie in der DDR.

Verlorene Jahre

Einer der Zeitzeugen ist der Chemiker Siegfried Huneck, 1928 in Thüringen geboren. Aus bürgerlichem Elternhaus stammend, der Vater war Heilpraktiker mit eigener Praxis, gestaltete sich sein Bildungsweg schwierig. Er musste erst eine Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten absolvieren, bevor er zum Studium in Jena zugelassen wurde. Dort erlebte er am 17. Juni 1953 auch den Volksaufstand, den sowjetische Truppen in dieser Stadt besonders blutig niederschlugen. Siegfried Huneck ging auf innere Distanz zur DDR. Sein mangelndes gesellschaftliches Engagement hatte Folgen: Dem hoch qualifizierten Biochemiker wurde durch Staat und SED unter anderem viele Jahre die Teilnahme an internationalen Kongressen verwehrt. Erst 1988 durfte er in den Westen reisen. Gern erinnert er sich noch heute an die „sagenhafte Aufbruchstimmung“ auf den Demonstrationen im Herbst 1989. Er hat es „außerordentlich begrüßt, dass dieses Regime zu Ende ging.“ Aber doch kam es für seine Generation reichlich spät. „Die vielen Jahre, die wir in der DDR eingesperrt waren“, sind für ihn verloren.

Sorgenfrei und sicher

Anders empfindet die 1947 geborene, ehemalige Lehrerin Christa Schuldt. Als Tochter von Landarbeitern „mit der DDR groß geworden“, erinnert sie sich: „Ich habe keine Sorgen gehabt, überhaupt keine. Ich habe alles gehabt: einen Kindergartenplatz, mein Mann hatte Arbeit, wir haben beide gut verdient, unsere Tochter kam in die Schule, (…) wir konnten uns was aufbauen. Das war Sicherheit für uns.“

Anhand solch unterschiedlicher Lebenswege und widersprüchlich erlebten gesellschaftlichen Verhältnissen können die Besucher der neuen Dauerausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum die Verschränkung von Alltag und Herrschaft in der DDR künftig besser nachvollziehen.

Bernd Lindner

„Mit der DDR groß geworden“ – Christa Schuldt als junges Mädchen in der DDR

Ging auf innere Distanz zur DDR – der Zeitzeuge Siegfried Huneck heute

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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