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In einer Kombination aus Lebensgeschichten und visueller Annäherung setzt sich die Berliner Fotografin Franziska Vu
mit der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen und den Erlebnissen ehemaliger
Häftlinge auseinander. Eine Dokumentation des Projektes präsentiert das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig nun in einer Ausstellung.
Machtlosigkeit, Angst und Einsamkeit prägten den Alltag der Gefangenen in Hohenschönhausen. „Inhaftiert“ beschreibt das
Leben in der Untersuchungshaftanstalt aus zwei Blickwinkeln: Großformatige Aufnahmen zeigen die heutige Spurensuche an jenem Ort,
der zu Zeiten der SED-Diktatur in einem geheimen Sperrbezirk lag und in keinem Stadtplan verzeichnet war. Interviews mit ehemaligen
Häftlingen führen die Fotografien mit realen Lebensgeschichten zusammen und berichten eindringlich vom Schicksal der Gefangenen.
Streng abgeschirmt
Die Mehrzahl der Häftlinge in Hohenschönhausen waren so genannte „Staatsgegner“, die das diktatorische SED-Regime verfolgt hatte.
Sie wurden wegen Republikflucht oder anderer vermeintlicher politischer Vergehen gegen die „sozialistische Gesetzlichkeit“
festgehalten und von der Staatssicherheit mit physischen und psychischen Methoden systematisch gequält. Streng abgeschirmt und in monatelangen
Verhören zermürbt, ließ man sie im Unklaren darüber, wo sie sich überhaupt befanden. Von der Bundesrepublik freigekauft, gelangten einige
nach der Haft in den Westen.
Betonwände
In ihren Bildern spürt Franziska Vu dem Haftalltag nach und fängt mit ihrer Kamera Szenerien ein, die die Inhaftierten während
ihrer Haftzeit tagtäglich vor Augen hatten: kahle Betonwände, Zellentüren, Gitter und Absperrungen. Was jedem Einzelnen dort
widerfuhr, können die Fotografien nicht dokumentieren. Es sind die Zeitzeugen selber, die in sieben Einzelinterviews, die in der
Ausstellung auf Textilbannern wiedergegeben sind, über ihre traumatische Haftzeit und die Auswirkungen auf ihr Leben damals und
heute berichten.
Gegen Ostalgie
Franziska Vu ist freischaffende Fotografin in Berlin und Dozentin an der Fotoschule Potsdam. Mit ihrem Projekt will sie der vor
einigen Jahren aufkommenden „Ostalgiewelle“ bewusst entgegenwirken. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem
DDR-Unrechtsregime in einem Buch sowie in einer Ausstellung erschien ihr dazu am besten geeignet. Als Ort für ihre Arbeit wählte
sie die heutige Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die in den Mauern des ehemaligen Stasi-Gefängnisses an die politische
Verfolgung in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR erinnert.
Franziska Vu gelingt es, den Besuchern eine Vorstellung davon zu vermitteln, was es bedeutete, einem allmächtigen Staat
ausgeliefert zu sein. Mit ihrem Ansatz, Fotokunst und Zeitgeschichte zu verbinden, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur
Diskussion über den Umgang mit DDR-Geschichte und schafft ein öffentliches Forum, um Unrecht und Unterdrückung im Kontext
individueller Biografien zu thematisieren.
Christina Reinsch
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Ort des Grauens: Das ehemalige Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit in Berlin- Hohenschönhausen ist heute Gedenkstätte.
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„Inhaftiert. Fotografien und Berichte aus der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit“
Fotografien und Interviews von Franziska Vu
11. April bis 18. Mai 2008 Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Foyer
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