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Sie bahnte als eine der ersten Karikaturistinnen den Weg in einer männerbestimmten Karikaturenwelt: Die Heidelberger Künstlerin Marie Marcks kommentiert
seit den 1960er Jahren die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Das Haus der Geschichte hat
jetzt ein Konvolut ihrer Arbeiten in die Sammlungen übernommen.
Marie Marcks, am 25. August 1922 in Berlin geboren, arbeitete in der Nachkriegszeit als freie Malerin und Grafikerin. Erst 1963 begann ihre Karriere
als Karikaturistin. Sie veröffentlichte wissenschaftspolitische Karikaturen im „atomzeitalter“, einer aus der „Kampf dem Atomtod“-
und der Ostermarsch-Bewegung hervorgegangen Zeitschrift. 1965 wurde die „Süddeutsche Zeitung“ auf ihre Arbeit aufmerksam und engagierte sie als
Hauskarikaturistin. Die politische Karikatur war zu diesem Zeitpunkt eine reine Männerdomäne. Marie Marcks brach dieses Monopol auf und gehörte schon bald
zur internationalen Spitzenklasse. Die „World Encyclopedia of Cartoons“ bezeichnet sie als „one of the very few notable female cartoonists“.
Eigener Blickwinkel
Die Emanzipation der Frau war von Anfang an ein zentrales Thema der Karikaturistin. Marie Marcks versteht „private“ Themen politisch und trägt sie
mit ihren Karikaturen in die öffentliche Diskussion. Die Doppelbelastung der Frau in Haushalt und Beruf, Sexismus, veraltete Rollenmuster und wirtschaftliche
Diskriminierung am Arbeitsplatz setzt die Karikaturistin satirisch in Szene.
Auch Fragen der Weltpolitik kommentiert sie aus ihrem ganz eigenen Blickwinkel. Bereits Anfang der 1960er Jahre warnte Marcks vor den Gefahren der
Umweltverschmutzung und kritisierte die Unwirtlichkeit der Städte. Sie kommentierte das Wettrüsten im „Kalten Krieg“ und prangerte Rechtsextremismus
und Ausländerfeindlichkeit an.
„Ich habe einen ganz anderen Blick auf die politischen Ereignisse als ein Mann“, betonte Marcks in einem Interview. Die Unterschiede zeigen sich nicht
nur in der Themenwahl, sondern auch in den Bildwelten. Marie Marcks verzichtet häufig auf die übliche Personalisierung von Sachfragen. Die Hauptpersonen in ihren
Karikaturen sind selten Politiker oder Prominente. Die Szenenbilder entstammen vielmehr dem Alltag. Marcks zeichnet nicht aggressive „Kampfbilder“,
sondern „Denkbilder“, die Einsichten und Denkanstöße vermitteln sollen.
Ulrich Op de Hipt
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