3/2002

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Ausstellungen

 

Die Meute

Film und Videoprints von Herlinde Koelbl

Sie warten, drängeln, schubsen, sind mit Schreibblock, Mikrofon oder Kamera ausgestattet und machen Jagd auf Politiker - die Journalisten. Herlinde Koelbl zeigt in ihrem Film "Die Meute: Macht und Ohnmacht der Medien" das spannungsreiche Verhältnis zwischen "Jägern" und "Gejagten". Ausschnitte und Videoprints aus ihrem Film sind ab sofort in der U-Bahn-Galerie zu sehen.

Politiker brauchen und gebrauchen die Massenmedien, um sich selbst, ihre Themen und Ziele der eigenen Partei, dem politischen Gegner, vor allem den Wählerinnen und Wählern bekannt zu machen. "Ich glaube, dass sich der Typus Politiker und der Typus Journalist in ihrer psychologischen Struktur manchmal sehr ähnlich sind. Deshalb verstehen sie einander auch so gut und brauchen sich gegenseitig als Gesprächspartner", meint Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Berliner "Tagesspiegel".

"Wegelagerer" und "Meute" - Herlinde Koelbl hat die Kamera um 180 Grad gewendet und richtet sie auf Journalisten, Fotografen und Kameraleute.

Dennoch bleibt das Verhältnis ambivalent: "Wegelagerer" nannte Bundeskanzler Helmut Schmidt Fernseh- und Pressereporter sowie Fotografen. Bundeskanzler Helmut Kohl erklärte, er lese nicht, was über ihn geschrieben wird. Manche Journalisten nehmen sich sehr wichtig und erliegen dabei der Versuchung, mit ihrer Berichterstattung politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Dieses spannungsreiche Mit- und Gegeneinander analysiert Herlinde Koelbl in ihrer vielbeachteten Fernsehdokumentation. Der Film zeigt die Medienszene in Berlin, verdeutlicht den Wandel der Medien auf dem hart umkämpften Nachrichtenmarkt in der neuen Bundeshauptstadt und untersucht das neuartige Beziehungsgeflecht von Politikern und Journalisten nach dem Umzug der Regierung vom Rhein an die Spree. Koelbl wirft einen Blick auf den Arbeitsalltag von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten, ihr lähmendes Warten auf einen Termin, ihren Kampf um die günstigste Position für "das" Foto, die Hast und Schnelllebigkeit der Nachrichten- und Gerüchtewelt. Deutlich wird, wie sehr die Person des Politikers Politik vermittelt, wie sich Politik- und Gesellschaftszene in Berlin vermischen. In zahlreichen Interviews sprechen Journalisten über ihr berufliches Selbstverständis, die Chancen und Gefahren ihrer Arbeit.

Die international bekannte und vielfach ausgezeichnete Fotografin Herlinde Koelbl realisierte in Zusammenarbeit mit dem Grimme-Preisträger Enno Hungerland den Film für den WDR 2001. Das Haus der Geschichte zeigt in seiner U-Bahn-Galerie vom 20. Juni 2002 bis Mai 2003 mehr als fünfzig Videoprints. Eine audio-visuelle Station präsentiert Ausschnitte aus Interviews mit Medienvertretern und drei Filme aus deren Arbeitsalltag.

Angela Stirken

Zwischen Warten und Erschöpfung

Zwischen Warten und Erschöpfung - Herlinde Koelbl beobachtete monatelang diejenigen, deren Profession es ist, andere zu beobachten.

Info

Die Ausstellung ist vom 20. Juni 2002 bis Anfang 2003 in der U-Bahn-Galerie zu sehen. Tag und Nacht geöffnet, Eintritt frei. Das Buch "Die Meute" ist im Museumsshop zum Preis von 19,90 € erhältlich. Weitere Informationen unter: www.hdg.de

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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