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Psychogramm der späten DDR

Freya Klier eröffnet "Foto-Anschlag"

Atmosphärisch dicht und unspektakulär - so beschrieb die ostdeutsche Autorin und Bürgerrechtlerin Freya Klier die ausgestellten Fotografien, die Alltag und Geschichte der DDR dokumentieren. Sie selbst war ein Teil dieser Geschichte.

Freiwillig verließ sie ihre Heimat nicht. Eine persönliche Erklärung zeugt davon in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte. Zusammen mit ihrem Mann, dem Liedermacher Stephan Krawczyk, war Freya Klier wegen des Verdachts auf "landesverräterische Beziehungen" im Januar 1988 vom SED-Regime verhaftet und einen Monat später aus dem Gefängnis in die Bundesrepublik abgeschoben worden. Im Westen wurde die Schauspielerin, Regisseurin und Mitbegründerin der Friedensbewegung in der DDR durch zwei Prozesse bekannt, die Gregor Gysi gegen sie angestrengt hatte. Freya Klier siegte und durfte den PDS Spitzenpolitiker weiterhin als "Handlanger des alten Systems" bezeichnen, der frühere Bürgerrechtler bespitzelt habe. In zahlreichen Essays hat sie den Alltag der zweiten deutschen Diktatur beschrieben.

V. l. n. r. Helga Paris, Ulrich Kneise, Bernd Lindner, Freya Klier, Hermann Schäfer und Evelyn Richter bei der Ausstellungseröffnung

V. l. n. r. Helga Paris, Ulrich Kneise, Bernd Lindner, Freya Klier, Hermann Schäfer und Evelyn Richter bei der Ausstellungseröffnung

Da Bilder jedoch oft mehr sagen als Worte, war Freya Klier als Referentin zur Eröffnung der Wechselausstellung "Foto-Anschlag. Vier Generationen ostdeutscher Fotografen" am 14. Mai 2002 in Bonn. In wenigen Sätzen skizzierte sie anhand der Fotografien ein Psychogramm der späten DDR: "Das Scheue, das Tasten und Nach-Orientierung-Suchen der 50er Jahre ist aus den Gesichtern verschwunden. Verschwunden der Schock und das Verstörtsein der plötzlich Eingeschlossenen im Jahrzehnt nach dem Mauerbau. Verschwunden auch die wie Beton wirkende Erstarrung der DDR-Bürger in den 70er Jahren. Die Verkapselung ist der Gewohnheit gewichen, dem Alltag, man wurstelt sich so durch." Und die 80er, die heute ihre Renaissance erleben? Für Freya Klier sind das "erschöpfte Soldaten auf Panzern, Dissidenten auf heimlichen Vernissagen, Punker in ihrem Outfit". Eine Wirklichkeit, eine fremde Welt, die es für den Westen zu erschließen gilt.

Thomas Speckmann

Info:

Die Ausstellung ist noch bis zum 25. August 2002 in Bonn zu sehen. Di.-So. 9-19 Uhr, Eintritt frei.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zur Person von Freya Klier unter:
www.hdg.de/index 1000.html
www.freya-klier.de

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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