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mm Herr Wegener, Sie leiteten
die Geiselbefreiung in
Mogadischu 1977. Wie sah Ihr
Einsatzplan und dessen
Ausführung aus?
Wegener über Verhandlungen
versuchten wir die Terroristen
hinzuhalten. Der Angriff war für
die zweite Nachthälfte vorgesehen.
Um null Uhr bekam ich
vom Staatsminister
Wischnewski den
Einsatzbefehl. Ich führte
Sturmtrupps an das Flugzeug
heran. über die Zugänge drangen
wir in die Maschine ein. Es
kam sofort zu einem schweren
Feuergefecht. Der Anführer
und die Nummer zwei, die
überlebte, wurden sofort außer
Gefecht gesetzt. Nummer drei
überwältigten wir in der ersten
Klasse und die Nummer vier
auf der Toilette. Das war das
Ende des Einsatzes. Das
Ganze dauerte nur sieben
Minuten, dann war das
Flugzeug leer und die Geiseln
in Sicherheit.
mm Warum ging der Mythos
der "Helden von Mogadischu"
verloren?
Wegener Mir war der so
genannte Mythos nie recht.
Den bauten die Medien auf.
Doch nach den Niederlagen
des Staates in der Terrorbekämpfung war Mogadischu
eine Befreiung, ein Erfolg.
mm Nach den Vorfällen in Bad
Kleinen 1993 kam die GSG 9 in
die Schlagzeilen. Vom
Killerkommando bis zum besseren
Schlüsseldienst reichten
die Meinungen über die
Spezialeinheit.
Wegener Das ist absoluter
Blödsinn, was da behauptet
wurde. Bad Kleinen ist geklärt.
Grams hat sich selbst erschossen.
Die GSG 9 trifft keine
Schuld. Ein unabhängiges
Schweizer Gutachten stellt das
eindeutig fest. Außerdem war
die GSG 9 in den letzten
Jahren in über 1.000 Einsätzen
sehr erfolgreich. Sie tut heute
ihre Pflicht besser denn je und
ist auch international als eine
der besten Spezialeinheiten
anerkannt.
mm Der GSG 9 fehlt es seit
Jahren an Nachwuchs. Woran
liegt das?
Wegener Das geht allen
Spezialeinheiten auf der ganzen
Welt so. Die Jugend lebt
heute in einer Fun-Gesellschaft.
Dass man etwas für
Freiheit und demokratische
Grundordnung tun muss,
scheint vergessen. Leistung
und Dienen in einer Spezialeinheit
sind keine große Ehre
mehr, sollten aber wieder eine
Verpflichtung werden.
mm Wo lagen die Ursachen
des damaligen Terrorismus
und was konnte man ihm entgegnen?
Wegener Die Ursachen des
Terrorismus waren und sind
vielfältig. Wir haben leidvolle
Erfahrungen gemacht: München
1972, Peter Lorenz 1975
oder Jürgen Ponto 1977. Ein
Nachgeben des Staates hilft
jedenfalls nicht.
mm Wie kann eine Demokratie
auf terroristische Gewaltakte
reagieren?
Wegener Eine streitbare
Demokratie muss sich verteidigen,
wenn sie angegriffen wird.
Sie muss ihre Staatsbürger
schützen. Natürlich sind friedliche
Mittel bis zu einem gewissen
Grad sinnvoll. Doch wer
Gewalt anwendet, dem muss
man mit Gewalt antworten.
Interview:
Markus Stadtmüller
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