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Mit Einweisung der RAF-Terroristen
wurde ein Teil der
Justizvollzugsanstalt (JVA)
Stuttgart-Stammheim zu
einem Hochsicherheitsgefängnis
ausgebaut.
Der Name des kleinen
Stuttgarter Vorortes steht seither
für die international
Aufsehen erregenden
Prozesse und Selbstmorde
der so genannten ersten
Generation der RAF-Terroristen.
mm Wie hat sich Stammheim
mit Einweisung der ersten
Terroristen aus der Roten-Armee-Fraktion (RAF) verändert?
Nusser Stammheim war für
Untersuchungshäftlinge und
Straftäter ausgelegt. Die inhaftierten
RAF-Mitglieder waren
allerdings eine ganz besondere
Spezies, mit der man damals
noch gar keine Erfahrungen
hatte. Sie gaben vor, aus politischen
Motiven heraus zu handeln,
Kriegsgefangene zu sein.
Der Sicherheitsstandard war
ein viel größerer. Also der Teil
der JVA, in dem sie untergebracht
wurden, der 7. Stock,
wurde schon eine kleine
Festung.
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Hans Nusser, Oberstaatsanwalt und Anstaltsleiter von Stammheim 1975 bis 1977 |
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mm Wie verhinderte man den
Kontakt zwischen den
Gefangenen?
Nusser Anfangs hatten die
Gefangenen ständige, permanente
Kontakte. Auf diese
Weise planten Baader und seine
Leute eine Reihe von
Aktionen. über ihre Anwälte
gingen die Direktiven nach
draußen und gelangten
Waffen ins Gefängnis. In der
heißen Phase während der
Schleyer-Entführung versuchte
man, die Kontaktsperre
umzusetzen,
was jedoch schon aus
bautechnischen Gründen
kaum möglich war. Außerdem
gelang es Raspe, der technisch
begabt war, ein Radio zu
präparieren, mit dem man
Nachrichten übermitteln konnte.
mm Hatten Sie Kontakt zu den
Menschen hinter den
Terroristen?
Nusser Ich hatte oft Kontakt
mit ihnen. Sie trugen mir vielfach
Bitten, Wünsche,
Beschwerden und Anliegen
vor. Die Frauen haben sich
nicht auf Gespräche mit uns
eingelassen. Sie haben ihre
Anliegen in kurzer, knapper
Form mitgeteilt. Mit Raspe
konnte man durchaus mal über
Dinge des täglichen Lebens
reden. Kam jedoch Baader
dazu, hat Raspe nichts mehr
gesagt. Baader dominierte die
Gruppe. über Politik haben sie
mit uns nie gesprochen. Da
haben sie uns klar zu erkennen
gegeben, dass wir das eh
nicht verstehen würden.
mm Was passierte in der Nacht
vom 17. auf den 18. Oktober
1977?
Nusser Ein kollektiver Selbstmord.
Wobei Baader sich die
Waffe im Genick so ansetzte,
dass es zu weiteren Mythen
und Thesen in der Szene beitrug.
Internationale Experten
für Gerichtsmedizin haben die
Selbstmorde jedoch eindeutig
bestätigt.
mm Ulrike Meinhof
behauptete,
dass die Bundesrepublik
nach Stammheim nicht mehr
derselbe Staat sein werde.
Stimmen Sie dem zu?
Nusser Stammheim hat die
Republik aufgewühlt. Nicht
zuletzt durch den großen
Sympathisantenkreis und eine
ausgezeichnete Öffentlichkeitsarbeit.
Das ungeheure
Aufsehen, das sie erregten, hat
die Stimmung des gesamten
Landes beeinflusst. Doch
inzwischen ist es lange her.
mm Welcher Gefahr waren Sie
damals ausgesetzt?
Nusser Ich gehörte nach polizeilicher
Einschätzung zum
Kreis der gefährdeten
Personen. Anfangs sagte
Baader auch einmal zu mir:
"Nusser, das überlebst du
keine sechs Wochen." Meine
Familie und ich standen deshalb
unter Polizeischutz und
auch unser Haus wurde ständig
polizeilich bewacht. Die
Gesamtsituation war jedoch für
meine Familie, vor allem die
Kinder, schwieriger als für
mich.
mm Wie ordnen Sie die
Ereignisse in den Oktoberwochen
als Anstaltsleiter ein?
Nusser Wir hatten den Auftrag,
die Gefangenen zu bewachen.
In einem Punkt ist uns dies
nicht gelungen. Sie konnten
von ihren Schusswaffen
Gebrauch machen.
Interview:
Markus Stadtmüller
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