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Jedes Jahr trafen sich
in Wolf Biermanns Wohnung
in Berlin-Mitte Künstler,
Literaten, Freunde und andere
Gäste zu seinem
Geburtstag. Bei Schweinefilet
aus dem Osten, Bananen und
Bordeaux
aus dem Westen diskutierte
die Runde Strategien gegen
das Regime.
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Biermanns Schweinefilet |
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Es war in den siebziger
Jahren in Ost-Berlin. Es war
Mitte November und kalt. Da
brach die ohnehin nie üppige
Versorgung der Bevölkerung
von Berlin-Mitte mit
frischem Schweinefilet auf geheimnisvolle
Weise wieder einmal restlos
zusammen, genauso, wie
schon in den Jahren davor.
Aber auch diesmal tauchten
die edlen Fleischstücke pünktlich
am 15. November wieder
auf: und zwar ebenfalls in Berlin-
Mitte, in der Wohnung von
Wolf Biermann, wo Jahr für
Jahr 60 geladene Gäste an
Biermanns Geburtstags-Gelage
teilhaben durften. Hier verband
sich stets eine politische
Diskussion mit einem kulinarischen
Hochgenuss: bei Biermanns
Schweinefilet. Und so,
wie Biermann seine Metzger
und Obsthändler kannte, die
für ihn das rare Fleisch und die
noch rareren Bananen in den
benötigten Mengen und mit einem
Augenzwinkern beschafften,
so hatte auch er etliche
Flaschen Bordeaux aufgetrieben,
die das Festmahl komplett
machten.
Während sich Künstler, Literaten
und andere Menschen
mit kritischem politischem Verstand
zwischen Fleisch und
Bohnengemüse die intellektuellen
Bälle zuspielten, kapierten
die Stasi-Spitzel, die
sich natürlich auch eingeschlichen
hatten und mit am
Tisch saßen, mal wieder gar
nichts: dass nämlich hier, zwischen
den dampfenden Töpfen,
für den Kampf gegen das
SED-Regime entscheidende
Weichenstellungen getroffen
wurden.
Zutaten für vier Personen:
1,2 kg Schweinefilet
2 Bananen
1 gehäufter EL Currypulver
100 g Butter
2 EL Honig
Salz, Pfeffer
öl zum Anbraten
Zubereitung:
Das Schweinefilet würfeln (etwa Gulaschgröße)
und in einer Pfanne in heißem öl von allen
Seiten kurz und scharf anbraten, sodass die
Fleischwürfel innen noch rosa sind und somit
saftig bleiben. Wichtig: das Fleisch vor dem Anbraten
nicht salzen, da das Salz dem Fleisch
Saft entzieht und es trocken macht. Die angebratenen
Fleischwürfel sodann in eine Kasserolle
geben, salzen, pfeffern und mit dem Currypulver
vermengen.
Den Bratensatz in der Pfanne
mit einem Schuss Rotwein ablöschen und über
die Fleischstücke gießen. Die Butter in kleinen
Stücken über das Fleisch verteilen, den Honig
darüber träufeln und zum Schluss alles mit den
längs halbierten Bananen bedecken. Den Deckel
auf die Kasserolle geben und alles zusammen
bei mittlerer Hitze 20 Minuten auf dem Herd
dünsten lassen.
Der geschmackliche Reiz dieses Gerichts
liegt nicht zuletzt in dem Kontrast von Salzigem
und fruchtiger Süße sowie dem scharfen Curry,
der beides harmonisch verbindet und abrundet.
Als Beilage gab es bei Biermanns immer Gemüse
aus grünen Bohnen, Brot und Salat.
Hans-Albert Stechl
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