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"Kunst kann verändern"
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Interview mit Wolfgang Niedecken |
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Wolfgang Niedecken gründete 1976 die Kölner Band BAP,
eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Mit ihren
ersten Schallplatten eroberte sie sofort die deutschen Charts.
In den 1980er Jahren engagierte sich die Band für politische
und gesellschaftliche Themen: Sie trat unter anderem auf dem
Festival gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage in
Wackersdorf und im Bundestagswahlkampf der Grünen auf.
Die Ausstellung "Mauersprünge" zeigt Exponate von der
geplanten Tournee durch die DDR 1984.
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Wolfgang Niedecken |
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mm Herr Niedecken, wie war
es zu der in der DDR geplanten
Tournee von 1984 gekommen?
Niedecken Wir bekamen eine
offizielle Anfrage, ob wir nicht
eine Tour durch die DDR
machen wollten. Es wurde uns
absolute Freiheit in Sachen
Programmgestaltung zugesichert,
insofern auch alle Songs
von der Platte "Vun drinne noh
drusse", die auf dem offiziellen
DDR-Label Amiga erschienen
war. In wenigen Wochen
waren alle Konzerte in 14
Städten ausverkauft.
mm Warum wurde dann die
Tournee abgebrochen?
Niedecken Bevor die Tournee
losging, traten wir in
Magdeburg in der Fernsehshow
"Rund" auf, in der uns
sehr schnell klar wurde, dass
man uns vor den Karren spannen
wollte. In einem Marathon
von Interviewproben, sollten
wir uns der Meinung anschließen, SS-20 seien
Friedensraketen. Als Leute
von der FDJ uns am Vorabend
des Konzerts in Ost-Berlin im
Hotel aufsuchten und den Text
von "Deshalb spielen wir hier"
sehen wollten, in dem wir unter
anderem unsere Sympathie für
die inoffizielle Friedensbewegung
"Schwerter zu
Pflugscharen" zum Ausdruck
brachten, war die Tournee zu
Ende, bevor sie angefangen
hatte.
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mm Wie reagierten die Fans
auf die Absage?
Niedecken Enttäuscht bis
zustimmend. Wir erhielten
viele Briefe und auch ganz
unterschiedliche Reaktionen.
1989 reisten viele Fans aus
der DDR nach Moskau, um
unsere Konzerte zu besuchen,
die wir anlässlich unserer
Sowjetunion-Tour gaben.
mm Welche Rolle spielten für
Sie DDR-Künstler?
Niedecken Stark beeinflusst
hat mich Wolf Biermann. Ich
hörte sein Konzert in der
Kölner Sporthalle 1976 im
Radio. Sein Auftritt und das
Lied "Vom donnernden Leben"
regten mich an, selber Lieder
in meiner Muttersprache zu
schreiben. Auch A. R. Penck,
der für uns das Plakat für das
Konzert "Leipzig zeigt Courage"
gestaltete, schätze ich
als Maler sehr.
mm Wie wichtig ist künstlerischer
Austausch über Grenzen
hinweg?
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Tourpass, Aufkleber, T-Shirt und LP der geplatzten DDR-Tour |
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Niedecken Absolut. Kunst
kann verändern, darf nicht reguliert
werden, sondern muss
Wildwuchs sein. Jedoch darf
man sich nicht allein auf Kunst
verlassen. Sie ist nur ein
Mosaikstein, wenn man gesellschaftliche
oder politische
Veränderungen erreichen
möchte.
Interview:
Markus Stadtmüller
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