Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

 Übersicht                                 
 Titel                                            
 Ausstellungen                        
 Infothek                                    
 Brennpunkt                                
 Als nach dem Frühling
 der Winter kam
 Ein Amerikaner in Berlin
 Zeitgeschichtliches
 Forum Leipzig                         
 Das Historische Rezept        
 Editorial 3/2003                       
 Termine 3/2003                      
 Impressum 3/2003                
 Kontakt                
 Archiv                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Brennpunkt

 

Ein Amerikaner in Berlin

John F. Kennedy in Berlin 1963

Ein Berlin-Besuch amerikanischer Präsidenten hatte während des Kalten Kriegs immer einen besonderen Stellenwert. Die geteilte Stadt war jahrzehntelang ein sicheres Stimmungsbarometer für das Verhältnis zwischen den beiden Supermächten und für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Vor vierzig Jahren kam ein Präsident nach Berlin, der nicht nur eine geschichtsträchtige Rede, sondern auch begeisterte Bürger hinterließ.

Kennedy auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses

Bevor der amerikanische Präsident Georg W. Bush 2002 Berlin besuchte, sagte er: "Ich gehe gern in ein Land, in dem die Menschen frei ihre Meinung äußern." Der anschließende Empfang blieb kühl und die Meinungen zu seiner Koalition gegen den Terror, für die er vor dem Bundestag warb, kritisch. Ganz anders war die Stimmung am 26. Juni 1963: Begeistert bejubelten Hunderttausende John F. Kennedy, als er gemeinsam mit Konrad Adenauer und Willy Brandt, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, in einem offenen Lincoln zum Schöneberger Rathaus fuhr. Kennedy hatte im Januar 1961 seinen Vorgänger Dwight D. Eisenhower abgelöst. Der Demokrat galt als Hoffnungsträger für eine Abkehr von verknöcherten politischen Strukturen und versprach Dynamik und neue Ideen. Auch sein jugendliches Erscheinungsbild machte ihn zum Medienliebling und so war das öffentliche Interesse an seinem Besuch sehr groß. Er traf am 23. Juni in Deutschland ein und besuchte als erster amerikanischer Präsident West-Berlin, nachdem er bereits Bonn, Wiesbaden und Frankfurt bereist hatte. Mitten im Kalten Krieg, zwei Jahre nach dem Bau der Mauer, sprach Kennedy den Berliner Bürgern Mut zu. Vom Balkon des Rathauses aus hielt er vor über 300.000 Menschen seine berühmt gewordene Rede.

Die Mauer, sagte Kennedy, sei "die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems". Ein Leben in Freiheit und Demokratie sei auch nicht immer leicht, aber: "Wir hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten". Er lobte West-Berlin für seinen Kampf- und Widerstandsgeist, vor allem für den starken Willen, Demokratie und Freiheit zu schützen. Mit dem "stolzesten Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann" beendete Kennedy seine mit Spannung verfolgte Rede: "Ich bin ein Berliner". Diese legendären Worte sprach der Präsident auf Deutsch und löste damit großen Jubel aus.

Beratungen des Wissenschaftlichen Beirats

"Speech card" des Präsidenten mit seinem berühmten Bekenntnis zur Stadt an der Spree

Der Berlin-Besuch des Präsidenten war nicht nur ein Zeichen der Solidarität mit den West-Berlinern. Er zeigt vor allem, wie wichtig Berlin für die Außenpolitik der USA war. In der geteilten Stadt standen sich während des Kalten Kriegs die beiden Weltmächte direkt gegenüber. Eine schwache Haltung in Berlin hätte für die amerikanische Besatzungsmacht immer auch eine Niederlage gegen den Kommunismus bedeutet. Besonders deutlich wurde dies, als das von den sowjetischen Besatzern eingeschlossene West-Berlin von Juni 1948 bis Mai 1949 durch die alliierte Luftbrücke versorgt wurde. Bundeskanzler Adenauer setzte auf immer stärkere Westbindung, die im Gegenzug wachsende Souveränität für Westdeutschland mit sich brachte. Heute, 40 Jahre später, ist das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA auf Grund des Irak-Kriegs angespannt. Kennedys Rede bleibt jedoch unvergessen. Sowohl Deutschland als auch die USA vertreten die Ideale, für die sich Präsident Kennedy bei seinem Berlin-Besuch stark machte. Diese Gemeinsamkeit verbindet - auch in Zeiten punktueller Uneinigkeit.

Livia Loosen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang