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Brennpunkt |
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Ein Amerikaner in Berlin
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John F. Kennedy in Berlin 1963 |
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Ein Berlin-Besuch amerikanischer Präsidenten hatte während des Kalten Kriegs immer einen besonderen
Stellenwert. Die geteilte Stadt war jahrzehntelang ein sicheres Stimmungsbarometer für das Verhältnis
zwischen den beiden Supermächten und für die deutsch-amerikanischen Beziehungen. Vor vierzig Jahren kam ein
Präsident nach Berlin, der nicht nur eine geschichtsträchtige Rede, sondern auch begeisterte Bürger hinterließ.
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Kennedy auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses |
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Bevor der amerikanische Präsident Georg
W. Bush 2002 Berlin besuchte, sagte er: "Ich
gehe gern in ein Land, in dem die Menschen
frei ihre Meinung äußern." Der anschließende
Empfang blieb kühl und die Meinungen zu
seiner Koalition gegen den Terror, für die er
vor dem Bundestag warb, kritisch.
Ganz anders war die Stimmung am
26. Juni 1963: Begeistert bejubelten Hunderttausende
John F. Kennedy, als er gemeinsam
mit Konrad Adenauer und Willy Brandt, dem
Regierenden Bürgermeister von Berlin, in einem
offenen Lincoln zum Schöneberger Rathaus
fuhr.
Kennedy hatte im Januar 1961 seinen
Vorgänger Dwight D. Eisenhower abgelöst.
Der Demokrat galt als Hoffnungsträger für
eine Abkehr von verknöcherten politischen
Strukturen und versprach Dynamik und neue
Ideen. Auch sein jugendliches Erscheinungsbild
machte ihn zum Medienliebling und
so war das öffentliche Interesse an seinem
Besuch sehr groß. Er traf am 23. Juni
in Deutschland ein und besuchte als
erster amerikanischer Präsident West-Berlin,
nachdem er bereits Bonn, Wiesbaden und
Frankfurt bereist hatte.
Mitten im Kalten Krieg, zwei Jahre nach
dem Bau der Mauer, sprach Kennedy den
Berliner Bürgern Mut zu. Vom Balkon des Rathauses
aus hielt er vor über 300.000 Menschen
seine berühmt gewordene Rede.
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Die Mauer, sagte Kennedy, sei "die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des
kommunistischen Systems". Ein Leben in Freiheit und Demokratie sei auch nicht immer leicht, aber: "Wir
hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten". Er lobte West-Berlin für
seinen Kampf- und Widerstandsgeist, vor allem für den starken Willen, Demokratie und Freiheit zu schützen.
Mit dem "stolzesten Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann" beendete Kennedy seine mit Spannung verfolgte
Rede: "Ich bin ein Berliner". Diese legendären Worte sprach der Präsident auf Deutsch und löste damit großen Jubel
aus.
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"Speech card" des Präsidenten mit seinem berühmten Bekenntnis zur Stadt an
der Spree |
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Der Berlin-Besuch des Präsidenten war nicht nur ein Zeichen der
Solidarität mit den West-Berlinern. Er zeigt vor allem, wie wichtig Berlin für die Außenpolitik der USA war. In
der geteilten Stadt standen sich während des Kalten Kriegs die beiden Weltmächte direkt gegenüber. Eine schwache
Haltung in Berlin hätte für die amerikanische Besatzungsmacht immer auch eine Niederlage gegen den Kommunismus
bedeutet. Besonders deutlich wurde dies, als das von den sowjetischen Besatzern eingeschlossene West-Berlin von
Juni 1948 bis Mai 1949 durch die alliierte Luftbrücke versorgt wurde. Bundeskanzler Adenauer setzte auf immer
stärkere Westbindung, die im Gegenzug wachsende Souveränität für Westdeutschland mit sich brachte.
Heute, 40 Jahre später, ist das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA auf Grund des Irak-Kriegs angespannt.
Kennedys Rede bleibt jedoch unvergessen. Sowohl Deutschland als auch die USA vertreten die Ideale, für
die sich Präsident Kennedy bei seinem Berlin-Besuch stark machte. Diese Gemeinsamkeit verbindet - auch in
Zeiten punktueller Uneinigkeit.
Livia Loosen |
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