|
"Sie haben absichtlich, um
mir eine Lektion in Patriotismus
zu erteilen, Bier getrunken!"
So beschreibt eine
Pragerin in Milan Kunderas
Roman "Die Unwissenheit"
ein Treffen mit Freundinnen
in ihrer Heimatstadt nach
Jahren des Exils. Doch in
Tschechien wird der Gerstensaft
nicht nur getrunken, er
hat auch in der Küche seinen
festen Platz.
Knödel, Kafka, der brave Soldat Schwejk
und Braten - tschechische Berühmtheiten,
in deren Reihe noch das weltbekannte Bier
fehlt. Beim Pro-Kopf-Verbrauch des Gerstensafts
liegt Tschechien weltweit mit 150 Litern
im Jahr an der Spitze. Und der Schriftsteller
Bohumil Hrabal meint sogar, statt Grundwasser
fließe durch Prag Bier. Kein Wunder
also, dass es auch in der Landesküche Verwendung
findet. Doch wer mit Bier kocht,
sollte eine grundsätzliche Regel beachten:
Vorsicht mit zu bitteren Bieren. Schwächer
gehopfte Exportbiere, dunkle Biere, Weizenbiere
oder gar Malzbiere sind unproblematischer
und eignen sich deshalb besser zum
Kochen.
|
|
|
Zubereitung
Den Speck würfeln und
kross anbraten. Die
Speckwürfel herausnehmen.
Das Fleisch mit Salz und Pfeffer
einreiben und im Fett, das
sich aus dem Speck herausgebraten hat, ringsum kräftig
anbraten. Die Möhren und
die Schalotten schälen und
in Stücke schneiden. Das
Fleisch in einen offenen Bräter
legen, die Möhren- und
Schalottenstücke zusammen
mit den Speckwürfeln ringsherum
daneben legen, die
Lorbeerblätter dazugeben und
dann das Bier und das Wasser
angießen.
Das Ganze kommt in den
auf 220 Grad vorgeheizten
Backofen, mittlere Einschubleiste.
Nach 15 Minuten die
Temperatur auf 180 Grad
zurückstellen und den Braten
weitere 120 Minuten schmoren
lassen. Zwischendurch
das Fleisch mit dem Fond
beschöpfen und, falls dieser
zu stark einkocht, mit der Halbe-Halbe-Mischung aus Wasser
und Bier etwas nachfüllen.
Etwa ein bis zwei Zentimeter hoch sollte die Schmorflüssigkeit immer im Bräter stehen.
Nach dem Ende der Bratzeit das Fleisch herausnehmen, in Alufolie wickeln und für 15 Minuten in den
ausgeschalteten Backofen zurücklegen.
Diese Zeit wird genutzt, um den Bratenfond durch ein Sieb in einen Topf abzugießen, wo er noch ein bisschen
eingekocht wird. Dann kommt die Sahne dazu und mit Salz, Pfeffer und einem Spritzer Balsamico-Essig wird abgeschmeckt.
Falls nötig, kann mit etwas Stärkemehl abgebunden werden.
Dann wird der Braten aufgeschnitten, auf eine vorgewärmte Platte gelegt und mit der Sauce übergossen. Als Beilage passen sowohl in Butter
und Petersilie geschwenkte Pellkartoffeln oder breite Butternudeln, am allerbesten und typischsten aber ist die Kombination mit Knödeln.
Hans-Albert Stechl
Zutaten für vier Personen
750 g Rinderschmorbraten, 80 g durchwachsener, leicht geräucherter Bauchspeck, 250 g Möhren, 250 g
Schalotten, 1 Viertelliter dunkles Bier, 250 g Sahne, 1 Viertelliter Wasser, 2 Lorbeerblätter,
Salz, Pfeffer, Balsamico-Essig
|