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Versteckte Kamera

Geheimfotos dokumentieren den 17. Juni

Sie ist klein, in einem Buch versteckt und machte spektakuläre Aufnahmen von den Unruhen in Ost-Berlin am 17. Juni 1953. Die Geheimkamera des Bildreporters Richard Perlia schoss Fotos, die die offizielle Propaganda der DDR vom "faschistischen Putschversuch" widerlegten. Die belichteten Negative schmuggelte er sofort nach West-Berlin, wo sie veröffentlicht wurden.


Kleine Kamera, große Wirkung: Die Bilder, die Perlia mit der Robot II-Kamera machte, erregten im Westen großes Aufsehen.

Protestierende Arbeiter auf den Straßen Ost-Berlins, sowjetische Panzer, die den Aufstand niederschlagen, aufgebrachte Menschenmengen, Volkspolizisten im Einsatz - Richard Perlias Bilder vom 17. Juni 1953 dokumentieren den Volksaufstand in der DDR. Die Dauerausstellung im Haus der Geschichte zeigt die Geheimkamera, mit der er diese Szenen fotografierte.

Erst zehn Jahre nach der Wiedervereinigung gestattete er, seinen Namen öffentlich zu nennen. Aus Angst vor der Stasi veröffentlichte Perlia seine Bilder jahrzehntelang unter dem Decknamen "xyz". Schon vor dem 17. Juni 1953 sammelt der Fotograf Erfahrung mit geheimen Kameras. Für die Presse in West-Berlin fotografiert er - oft unter gefährlichen Bedingungen - ungeschönte Aufnahmen des Alltags in der DDR. Am 17. Juni ist er für den in West-Berlin erscheinenden "Kurier" auf den unruhigen Straßen Ost-Berlins unterwegs und soll Aufnahmen von den streikenden Arbeitern machen. Seine Kamera "Robot II" - kaum größer als eine Zigarettenschachtel - ist in einem Buch des Ullstein Verlags mit dem Titel "Der unerschöpfliche Ratgeber. Ein Handbuch für das deutsche Haus" versteckt. Für das Objektiv hat er ein Loch in den Buchdeckel geschnitten, der Auslösemechanismus wird durch den Buchrücken hindurch bedient.

Ein unerschöpflicher Ratgeber für Fotografen in schwieriger Mission

Seine einzigartigen Bilder der demonstrierenden Menschenmenge dokumentieren das Ausmaß des Protests in Ost-Berlin und seine gewaltsame Niederschlagung. Sie erscheinen in der West-Berliner Tagespresse und darüber hinaus in der ganzen Bundesrepublik. Auch in Informationsbroschüren und Büchern werden sie bis heute abgedruckt. Sie widerlegen auf eindrucksvolle Weise die offizielle Propaganda der DDR, die den Aufstand leugnete und als einen vom Westen gesteuerten "faschistischen Putschversuch" darstellte. Im Haus der Geschichte erinnern Geheimkamera und Fotos an diesen dramatischen Augenblick in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Ein Buch ohne Bilder, aber mit der Robot II-Kamera

Simone Mergen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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