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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Hinschauen, Nachfragen, Erinnern

Schüler forschen zur DDR

"Leben in der DDR - zwischen Anpassung und Aufbegehren?" lautete das Thema des ersten Schülerwettbewerbs, zu dem das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig im August 2002 Neunt- und Zehntklässler aller sächsischen Mittelschulen und Gymnasien aufgerufen hatte. Die Resonanz war außerordentlich erfreulich: Über 330 Jugendliche beteiligten sich mit 143 Arbeiten.

Die Preisträger des Wettbewerbs bei der Siegerehrung am
6. März 2003

Eigene Erinnerungen an die DDR-Zeit haben die 15- bis 17-jährigen Teilnehmer kaum. Viele von ihnen nutzten deshalb den Wettbewerb, um Eltern, Lehrer oder andere Zeitzeugen ausführlich zu ihren Erfahrungen vor 1989 / 90 zu befragen. Bei den Interviews "ging es uns einerseits um Informationen allgemeiner Art, andererseits aber auch um die Überprüfung bekannter Klischees", schreiben Mittelschüler aus Olbersdorf. Die Jugendlichen erlebten, wie aussagekräftig Dokumente, Fotografien und Alltagsgegenstände sein können. Was erzählt beispielsweise ein Antrag auf einen Telefonanschluss über das Leben in der DDR? So erfuhr eine Zehntklässlerin viel Charakteristisches von ihren Eltern und protokollierte deren Berichte über lange Wartezeiten, bürokratische Schikanen und Überwachung in der SED-Diktatur.

Die Versorgungslage in der DDR, Jugend und Schule waren eindeutige Lieblingsthemen der Schüler. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen fragten sie nach Bildungswegen, Freizeitgestaltung, Konsumwünschen oder -einschränkungen und interessierten sich vor allem für einen Vergleich zwischen heute und damals. Daneben fanden viele andere Themen Aufmerksamkeit: Mauer und NVA, Pioniere und Punker, Musik und Zensur sind nur einige Stichworte aus der breiten Palette bearbeiteter Stoffe. Ähnlich vielfältig waren die Formen der Beiträge: Videos zeigen Spielszenen und Berichte, CD-Rom-Präsentationen arbeiten authentisches Ton- wie Bildmaterial ein. Auch die zahlreichen bebilderten Aufsätze, Hörspiele und Collagen zeugen von Einfallsreichtum und Kreativität.

Gymnasiasten erklären Schirmherr Thomas Brussig ihre Collage "Zensur in der DDR".

Unter den 143 Einsendungen hat die Jury zwölf Beiträge ausgewählt. Thomas Brussig, Schriftsteller und Schirmherr des Wettbewerbs, zeichnete die Sieger am 6. März 2003 mit Geld- und Sachpreisen aus. Vor Schülern, Lehrern, Eltern und Journalisten berichteten die Prämierten im Zeitgeschichtlichen Forum von ihren Projekten: Einen Besuch im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck nahmen Lugauer Schüler zum Anlass, die Geschichte der Justizvollzugsanstalt zu dokumentieren, während Juliane Heider aus Leipzig von Parteilosungen, die auf Häuserwänden überdauert haben, zu Nachforschungen über die SED-Propaganda angeregt wurde. Hinschauen, nachfragen und die Erinnerungsvielfalt bewahren, so hatte Thomas Brussig das Ziel des Wettbewerbs beschrieben. Dieses Anliegen haben die beteiligten Schüler eindrucksvoll eingelöst. Der Wettbewerb soll voraussichtlich in einem Rhythmus von zwei Jahren mit neuen Themen wiederholt werden.

Bettina Effner

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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