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"Idee des Helfens und des Spielens"

40 Jahre Soziallotterie

Die "Aktion Mensch" ist eine der größten deutschen Organisationen im sozialen Bereich. In den letzten vierzig Jahren wurden fast zwei Milliarden Euro an Spenden und Lotterie-Erlösen für soziale Zwecke gesammelt. Anstoß für ihre Gründung war der erste große Pharma-Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik, der Contergan-Fall.

Für 3,90 DM kommt 1957 ein rezeptfreies Beruhigungsmittel in den Handel, das sich schnell zum umsatzstärksten Schlaf- und Beruhigungsmittel Deutschlands entwickelte: Contergan. Die Firma Grünenthal GmbH verkauft 1961 rund 20 Millionen Tagesdosen im Monat und preist Contergan besonders bei Schwangeren als Mittel an, das "weder Mutter noch Kind schädigt". Allein in Deutschland werden in den kommenden Jahren rund 5.000 Kinder mit schwersten Missbildungen geboren. Nachdem Grünenthal das nicht ausreichend geprüfte Medikament vom deutschen Markt genommen hat, endet 1970 ein Prozess gegen das Unternehmen mit einem Vergleich und einem Freispruch "wegen geringer Bedeutung für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland". Die Contergan-Katastrophe rückt jedoch erstmals Behinderung nicht als privates Schicksal, sondern als gesellschaftliche Aufgabe in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Behinderte Menschen - früher versteckt, bevormundet oder während des Nationalsozialismus sogar systematisch ermordet, sollen aus dem gesellschaftlichen Abseits herausgeholt werden.

Am 8. Oktober 1964 verbinden der populäre Showmaster Peter Frankenfeld und der bekannte Gesundheitsredakteur des ZDF, Hans Mohl, erstmals eine Unterhaltungsshow mit sozialem Engagement. In der Sendung "Vergissmeinnicht" - ein Ratespiel zur Einführung der Postleitzahlen - weisen sie auf die Not behinderter Menschen hin und fordern zu Spenden auf - die Idee zur "Aktion Sorgenkind" war geboren.

Kultfiguren: Wim, Wum, Wendelin und der blaue Klaus

Broschüre zum 25-jährigen Bestehen

Schon die erste Sendung übertrifft alle Erwartungen: Eine halbe Million Mark an Spenden kommen zusammen. Nach der Institutionalisierung der "Aktion Sorgenkind" als gemeinnütziger Verein, zu dem neben dem ZDF die großen deutschen Wohlfahrtsverbände gehören, werden in zahlreichen Sendungen Spenden gesammelt. So kommen von 1964 bis 2003 allein 1,6 Milliarden Euro an Lotterie-Einnahmen und 234 Millionen Euro Spenden zusammen.

Nach den Sendeformaten " Vergissmeinnicht" und
"3 x 9" wird in den 1970er Jahren "Der Große Preis" zu einem Quotenschlager. Die Einschaltquoten liegen zwischen 60 und 70 Prozent und Wim Thoelke sowie die von Loriot geschaffenen Comic-Figuren Wum und Wendelin erreichen Kultstatus. In den 1990er Jahren verliert die Sendung jedoch immer mehr Zuschauer. Nachdem Moderatoren wie Hans-Joachim Kulenkampff und Carolin Reiber vergeblich versuchen, den "Großen Preis" erfolgreich fortzuführen und auch das Sendeformat " Goldmillion" mit Wolfgang Lippert scheitert, verliert die "Aktion Sorgenkind" medienwirksame Öffentlichkeit und gerät in die Krise.

Umbenennung im Jahr 2000

Nach der Umbenennung in "Aktion Mensch" im Jahr 2000, dem Start einer modernisierten Form des "Großen Preises" 2002 und der Einführung des Xtra-Superloses konnte Markus Schächter, Intendant des ZDF und Vorstandsvorsitzender der "Aktion Mensch", 2003 als das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Soziallotterie verbuchen (Jahresumsatz rund 337 Millionen Euro). Fundament des Erfolgs ist dabei, wie es einmal Richard von Weizäcker genannt hat, die "Verbindung der Idee des Helfens mit der Idee des Spielens".

Markus Stadtmüller

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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