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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Geschichte von Widerstand und Repression

Fünf Jahre Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Vor fünf Jahren, am 9. Oktober 1999, eröffnete Bundeskanzler Gerhard Schröder das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig. Seither besuchten das Museum 750.000 Menschen. Erlebnisreich, besucherorientiert und interaktiv wird dort die Geschichte von Widerstand und Repression vor dem Hintergrund der deutschen Teilung dargestellt.

Wolfgang Mattheuers Plastik "Der Jahrhundertschritt" vor dem Zeitgeschichtlichen Forum symbolisiert das Schicksal Deutschlands im 20. Jahrhundert im Spannungsfeld zwischen nationalsozialistischer und kommunistischer Herrschaft. Als Zeit des Kampfes zwischen Demokratie und totalitärer Gewaltherrschaft kann das vergangene Jahrhundert auch verstanden werden. Die Geschichte dieser Auseinandersetzung ist auch die von Zivilcourage und Bürgermut angesichts einer mit allen Mitteln der Gewalt ausgestatteten staatlichen Macht. Der Kampf gegen Diktaturen ist sowohl ein wesentlicher Bestandteil deutscher Freiheitstraditionen als auch des demokratischen Selbstverständnisses der Bundesrepublik.

"Schwerter zu Pflugscharen" - diese
bekannte Plastik ist ein Symbol für die friedliche Revolutionin der DDR.

Deshalb sollte mit dem Zeitgeschichtlichen Forum ein Ort lebendigen Erinnerns an Diktatur, Widerstand und Opposition unter der Herrschaft der SED in der DDR vor dem Hintergrund der deutschen Teilung entstehen.

Rückblick

Am 27. Mai 1992 empfiehlt die Unabhängige Föderalismuskommission des Deutschen Bundestags und des Bundesrats, ein "Archiv der deutschen Einheit" zu errichten. Im Verlauf der folgenden Diskussion wandelt sich diese Idee zu der eines "Ausstellungs-, Informations- und Dokumentationszentrums", das in Leipzig von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut wird.
Die Gremien der Stiftung Haus der Geschichte - Kuratorium, wissenschaftlicher Beirat und Arbeitskreis gesellschaftlicher Gruppen - bestätigen Anfang 1997 einhellig das Konzept, wobei Übereinstimmung darin besteht, dass die Geschichte der DDR ein integraler Bestandteil deutscher Nationalgeschichte und damit auch der Bundesrepublik ist. Die Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums sollte das Spannungsverhältnis zwischen Diktatur und widerständigem Verhalten abbilden.

Dieser wichtigen Ermutigung durch die Gremien folgen die Entscheidungen für den Standort in der Leipziger Innenstadt - dem Zentralmessepalast - und für den Namen des neuen Museums "Zeitgeschichtliches Forum". Für die Gestaltung der Dauerausstellung werden das Berliner Gestalterteam um Prof. Claus Peter Groß und Prof. Ludwig Thürmer gewonnen. Die Zahl der Leipziger Mitarbeiter beginnt zu wachsen, die Ausstellung nimmt konkrete Formen an.

Der schnelle Aufbau des Zeitgeschichtlichen Forums gelingt nur durch die enge Zusammenarbeit mit dem Bonner Haus der Geschichte. Was sich in Bonn bereits bewährt hatte: Geschichte für den "Alltagsmenschen" attraktiv und erlebnisreich darzustellen, in der Ausstellung einen strukturgeschichtlichen Ansatz zu verfolgen sowie die Orientierung auf den Besucher konsequent beizubehalten, wird auch in Leipzig erfolgreich umgesetzt. Dies gilt für die Konzentration auf dreidimensionale Objekte in einer "Geschichtslandschaft", auf den Einsatz moderner integrierter audiovisueller Medientechnik sowie auf Interaktivität, die aus den Besuchern der Ausstellung Nutzer von historischen Informationen macht.

Gut besucht: 750.000 Besucher in fünf Jahren und bei rund 20 Prozent der Bevölkerung bekannt

Bundeskanzler Gerhard Schröder
bei der Eröffnung
am 9. Oktober 1999

Die Zusammenarbeit wird zu einem Erfolg, weil der Austausch von Informationen und die Weitergabe von Wissen in enger und vertrauensvoller Weise geschieht - immer ausgerichtet auf das gemeinsame Ziel, Geschichte als Erlebnis zu vermitteln. Dies könnte als Vorbild des Zusammenwachsens im vereinten Deutschland betrachtet werden und ist bis heute die Grundlage der Kooperation zwischen den beiden Häusern der Stiftung. Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffnet am 9. Oktober 1999 das Zeitgeschichtliche Forum, dem Tag, an dem zehn Jahre zuvor 70.000 Leipziger Geschichte schrieben, als sie gewaltfrei unter dem Motto "Wir sind das Volk" um den innerstädtischen Straßenring demonstrierten.

Schwerpunkte

Die Dauerausstellung zeigt auf 2.000 Quadratmeter 2.500 Objekte in einem thematischen Rundgang: Unmittelbare Nachkriegszeit, Kalter Krieg und deutsche Frage, Gründung beider deutscher Teilstaaten und Herrschaftssicherung durch die SED, die im Bau der Berliner Mauer ihren Höhepunkt findet. Für die Geschichte des Widerstands sind der Volksaufstand vom 17. Juni 1953, der Protest gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch Warschauer Pakt-Truppen sowie gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wichtige Themen. Andere Schwerpunkte sind die Flucht aus der DDR, Wirtschafts- und Sozialpolitik, Kultur- sowie Jugendpolitik der SED. Hinzu kommen die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa, die deutsch-deutschen Beziehungen und der Ausbau der Geheim polizei in den 1980er Jahren. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Opposition in der letzten Phase kommunistischer Herrschaft in Ostdeutschland, die friedliche Revolution mit dem Fall der Mauer und Erfolge sowie Schwierigkeiten des deutschen Vereinigungsprozesses bis in die Gegenwart.

Das Informationszentrum im Zeitgeschichtlichen Forum

Seit fünf Jahren erfolgreich:
Das Zeitgeschichtliche Forum
Leipzig besuchten seit der
Eröffnung 1999 rund 750.000 Menschen.

Partnerschaften

Die vielfältigen Wechselausstellungen und der Austausch von Ausstellungen zwischen dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig und dem Haus der Geschichte in Bonn - durch langfristige Planungen stets aufeinander abgestimmt - ergänzen und vertiefen die Themen der Dauerausstellung. Einen wichtigen Beitrag zum hohen Ansehen des Forums in der Ö ffentlichkeit leisten unterschiedliche Partner - so die Bundeszentrale für politische Bildung, der Mitteldeutsche Rundfunk, der Deutschlandfunk und die Leipziger Volkszeitung - bei Ausstellungen im Foyer und ö ffentlichen Veranstaltungen, die durch ihre Beteiligung das Zeitgeschichtliche Forum zu einem heraus ragenden Veranstaltungsort in den neuen Bundesländern werden lassen. Das Forum hat sich inzwischen einen festen Platz in der kritischen Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte in der Bundesrepublik erobert. Ansporn für das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Besucherresonanzen: Eine übergroße Mehrheit beurteilt das Forum positiv, 89 Prozent der Besucher empfehlen es ohne jede Einschränkungen weiter. Die verschiedenen Ausstellungen haben inzwischen 750.000 Besuche zu verzeichnen und nach einer Repräsentativ umfrage vom Institut für Markt- und Politikforschung (dimap) ist das Zeitgeschichtliche Forum 20 Prozent aller Deutschen bekannt; sogar 34 Prozent der Ostdeutschen verbinden mit dem Namen konkrete Vorstellungen. Diese Ergebnisse sind Basis für weitere anspruchsvolle und engagierte Arbeit.

Rainer Eckert

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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