3/2004

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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

Titel

 

Facettenreich und vielfältig

Rückblick auf die Wechselausstellungen

Wechselausstellungen ergänzen im Zeitgeschichtlichen Forum die Dauerausstellung zu den Themen Diktatur, Opposition und Widerstand in der DDR und lenken den Blick über die Staatsgrenzen hinweg. Das inhaltliche Spektrum reicht von der nachrichtendienstlichen Tätigkeit im geteilten Deutschland über den innerdeutschen Kulturaustausch bis zum wechselvollen Mit- und Gegeneinander von Deutschen, Tschechen und Slowaken.

"Die wechselnden Ausstellungen des Hauses sind immer gut und spannend gemacht und stellen eine interessante Ergänzung zur Dauerausstellung dar. Ich komme deswegen immer wieder gern hierher", schrieb jüngst eine Besucherin in das Gästebuch des Museums.

Wolfgang Niedecken mit einem
Fan-Club in der Ausstellung
"Mauersprünge", 2003

So wie sie denken offensichtlich viele. Seit Eröffnung im Oktober 1999 sahen bisher etwa 300.000 Besucher die elf Wechselausstellungen und sieben Präsentationen im Foyer. Mit der Karikaturenausstellung "Für Freiheit - gegen Unrecht" des deutschen Zeichners Fritz Behrendt eröffnete das Zeitgeschichtliche Forum Ende 2000 seine erste eigene Wechselausstellung. Mit der nachfolgenden Ausstellung "Foto-Anschlag" (Juli - Oktober 2001) wurde nicht nur das sozialdokumentarische Schaffen von vier Generationen ostdeutscher Fotografen gewürdigt, sondern zugleich ein ungeschminkter Einblick in den Alltag der DDR gegeben. Diese Ausstellung erfreute sich ebenso eines starken Besucherzuspruchs wie "Duell im Dunkel. Spionage im geteilten Deutschland" (Dezember 2002 - April 2003), die anhand ausgewählter Spionagefälle aus der Zeit des Kalten Kriegs die Wechselbeziehungen zwischen Mythos und Realität aufdeckte.

Mit den "Mauersprüngen" wurde nicht nur thematisch Neuland beschritten. Erstmals fand eine Wechselausstellung in Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Partnern statt. Diese Schau über Kunst und Kultur der 1980er Jahre im gespaltenen Deutschland war Teil der Doppelausstellung "Klopfzeichen". Das Zeitgeschichtliche Forum realisierte sie gemeinsam mit dem vis-a-vis gelegenen Museum der bildenden Künste Leipzig sowie mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung. Nach ihrer Präsentation 2002 wanderte die viel beachtete Doppelausstellung ins Folkwang Museum Essen und wurde abschließend in Berlin gezeigt.

"Nur noch die Lindenstrasse" - Den Alltag mit und vor der Mattscheibe karikierte der Leipziger Andreas J. Mueller mit seinen Cartoons.

Schon das erste Ausstellungsprojekt von 1994 - " Zum Herbst `89. Demokratische Bewegungen in der DDR" - , von der Arbeitsgruppe geschaffen, die der Gründung des Zeitgeschichtlichen Forums vorausging, war nach Leipzig auch in Berlin und Bremen erfolgreich. Die Behrendt-Ausstellung wurde von der Stiftung Stadtmuseum Berlin übernommen. Und die Wanderausstellung zum 50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 zu Opposition und Widerstand in der DDR, war 2003 in zehn deutschen Städten zu sehen.

Im Mittelpunkt der Planungen für Wechselausstellungen steht der Austausch zwischen den beiden Museen der Stiftung in Bonn und Leipzig. Hierdurch kann der Vorteil, über zwei Standorte zu verfügen, ausgeschöpft werden. So konnten die Besucher in Bonn bereits die Ausstellungen "Foto-Anschlag" und " Duell im Dunkel" sehen, die in Leipzig entstanden. Und umgekehrt wurden Bonner Ausstellungen in Leipzig gezeigt, wie "Bilder, die lügen" über die Manipulation von und mit Bildern in Geschichte und Gegenwart, die beeindruckende Langzeitbeobachtung der Fotografin Herlinde Koelbl "Spuren der Macht" sowie "Am siebten Tag" zur Kulturgeschichte des Sonntags und - in stark erweiterter Form - die Ausstellung zur Geschichte der Misswahlen in Deutschland. Diesen erfolgreichen Weg gilt es weiter zu beschreiten, um die enge Vernetzung und das gemeinsame Wirken optimal zu nutzen.

Als es in der DDR noch Werbung gab: FEWA-Johanna auf ihrer Waschmaschine vom Typ WM 66


Außerdem wurde die Zahl der Ausstellungen im Zeitgeschichtlichen Forum durch eine Reihe von kleineren Foyerausstellungen bereichert, z. B. anlässlich der Leipziger Museumsnacht im Mai 2001 über den Alltag in der DDR mit "Flieg Johanna, Flieg", anknüpfend an die bekannte DDR-Werbefigur der "FEWA-Johanna".

In "SpotT an!" fragten die Cartoons des Leipziger Künstlers Andreas J. Mueller auf humoristische Weise nach der Fernsehkultur der Deutschen. Einem weitaus ernsteren Thema widmete sich die Präsentation "Das verschwundene Sudetenland". Historische und aktuelle Fotografien aus dem deutsch- tschechischen Grenzgebiet zeigten die Veränderungen der Landschaft, der Besiedelung in den letzten sechzig Jahren. Die Ausstellung "Leben hinter der Zuckerbäcker-Fassade" thematisierte das Leben der Erstbewohner der Stalinallee in Berlin. In Kooperation mit der Galerie am Sachsenplatz und dem Museum der bildenden Künste in Leipzig entstand im Sommer 2004 eine einmalige Präsentation mit letzten Werken des kurz zuvor verstorbenen Leipziger Malers Werner Tübke, die mit einem Symposion zu seinem Schaffen eröffnet wurde. Mit der im Juni 2004 bereits zum dritten Mal in Folge übernommenen "Rückblende", die die besten Pressefotografien und Karikaturen des jeweils vorausgegangenen Jahres vorstellt, besteht eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Landesvertretung Rheinland-Pfalz und dem "Spiegel". Und gegenwärtig entsteht mit dem Mitteldeutschen Rundfunk eine Wanderausstellung, die eine mehrteilige TV-Dokumentationsreihe unter dem Titel "Damals in der DDR" ergänzen wird. Ausstellungsbeginn ist der 28. Oktober 2004.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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