3/2004

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 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

 

Titel

 

Von Zäunen, Maschinen und Gemälden

Objekte aus den Sammlungen

Rund 60.000 Objekte hat das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig seit Sammlungsbeginn 1994 über Ankäufe, Schenkungen oder Dauerleihnahmen erworben. Schwerpunkte sind die Themen der Dauerausstellung: Geschichte von Diktatur, Widerstand und Zivilcourage in der DDR vor dem Hintergrund der deutschen Teilung.

Aus vielfältigen Angeboten von Privatpersonen, auf Auktionen sowie durch gezielte Suche recherchiert und erwirbt das Zeitgeschichtliche Forum geeignete Objekte, die helfen, wichtige Ereignisse lebendig zu vermitteln.

Moritz Götzes Bild "Brigade Mamai" -
Schmelzer Nationalpreisträger Hübner hilft seinen Kollegen (nach Walter Dötsch), 2003

Hier einige Beispiele: Für Zwangsmaßnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht stehen u.a. Dokumente der Firma Gebr. Wetzel. Die Firma für Getriebe- und Transmissionsbau - 1886 gegründet - wird 1946 als Reparationsleistung in eine sowjetische AG überführt. Diesen "Akt der Übergabe der Maschinenfabrik Gebr. Wetzel - Leipzig als Eigentum der Union der Sowjetischen Sozialistischen Republiken für Rechnung der Reparation" belegt eindrucksvoll die in der Dauerausstellung präsentierte Mappe.

Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund propagiert Ende der 1950er Jahre massiv die Bewegung "Sozialistisch arbeiten, lernen und leben". Dies verdeutlicht das Gemälde "Brigade Mamai" von Walter Dötsch von 1961. Das Original veranschaulicht das Konzept des "Bitterfelder Wegs". Im April 1959 fordert Walter Ulbricht in Bitterfeld, in einem der größten Chemiekomplexe der DDR, die Verknüpfung von Industrie und Kunst. Die SED versucht unter der Arbeiterschaft tatsächliche oder vermeintliche Talente zu mobilisieren. Die Brigade "Nikolai Mamai" aus dem Bitterfelder Aluminumwerk tritt Anfang 1959 als erstes Arbeitskollektiv der DDR zum Wettbewerb um den Titel "Brigade der sozialistischen Arbeit" an. Sie wird damit zum Vorreiter der Bewegung "Sozialistisch arbeiten, lernen und leben". 2003 überarbeitet Moritz Götze dieses Motiv, wobei er den Bilderwelten des sozialistischen Realismus treu bleibt, aber die Vorlage mit Mitteln der Pop Art verfremdet. Beide Werke sind in der Dauerausstellung zu sehen.

Darüber hinaus bietet jede Wechselausstellung die Gelegenheit, Objekte unter einem völlig neuen Aspekt zu recherchieren, um sie dann in den Sammlungsbestand zu übernehmen. So erwarb das Zeitgeschichtliche Forum im Rahmen der Vorbereitung der Wechselausstellung "Duell im Dunkel. Spionage im geteilten Deutschland" einen Schieber zum Chiffrieren und Dechiffrieren von Texten. Der britische Geheimdienst nutzte dieses behelfsmäßige Unterrichtsmaterial zur Schulung seiner Mitarbeiter im besetzten Deutschland.

Top secret: Ein "Schieber" des britischen Geheimdienstes zur Schulung der Nachwuchsspione im besetzten Deutschland

In der aktuellen Ausstellung "Nähe und Ferne. Deutsche, Tschechen und Slowaken" wird ein erinnerungsbeladenes, authentisches Exponat gezeigt: ein Zaunfeld der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Als die Tschechoslowakei die Grenze zu Ungarn für Ostdeutsche schloss, kletterten im September 1989 ostdeutsche Flüchtlinge genau über diesen Botschaftszaun. Diese Bilder gingen um die Welt. Als im Jahr 2001 der Zaun erneuert werden musste, bot sich die Gelegenheit, dieses Zeitdokument nach Leipzig zu holen.

Tilla Stöckig

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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