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Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen

Vor 50 Jahren besucht Konrad Adenauer Moskau

"Schreibe mir bitte recht oft, da Eure Nachricht meine größte Freude ist", bittet der deutsche Kriegsgefangene Erwin Ohlhaut seine Mutter im Oktober 1946. Ein Jahrzehnt sind Postkarten und Briefe sein einziger Kontakt zur Heimat.

Im Juni 1944 gerät der schwer verwundete Wehrmachtssoldat in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er gilt als vermisst, seine Angehörigen in Nürnberg wissen nichts von seinem Schicksal.

Michail Gorbatschow und Hermann Schäfer vor Karten und Briefen des Kriegsgefangenen Erwin Ohlhaut

Mit seiner ersten Postkarte vom 3. Februar 1946 erhalten sie das ersehnte Lebenszeichen. Einmal pro Monat darf der Kriegsgefangene aus der UdSSR schreiben, der Text ist zunächst auf 25 Wörter begrenzt. Bis zu seiner Rückkehr schickt Ohlhaut 109 Postkarten nach Hause. Sie legen heute in unserer Dauerausstellung ein bewegendes Zeugnis für das Leid in den Lagern, aber auch für ihre emotionale Bindung an Familie und Freunde ab - etwa wenn der Sohn die Mutter 1953 verzweifelt fragt: "Werde ich im Kreislauf meines Lebens meine Heimat wieder erreichen und unter Euch sein?" - Kein Wunder, dass Michail Gorbatschow während seines Besuches in unserem Hause am 5. Juli 2005 nachdenklich vor dieser Vitrine verharrte.

Das Ende der Leidenszeit für die letzten deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion bringt erst die Reise Konrad Adenauers nach Moskau vor fünfzig Jahren. Im September 1955 geben Bulganin und Chruschtschow bei einem Bankett im Kreml ihr "Ehrenwort", die Kriegsgefangenen zu entlassen. Im Gegenzug stimmt der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten zu. Für die Zeitgenossen gilt die Heimholung der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion als eine der größten politischen Leistungen Adenauers. Am 7. Oktober 1955 trifft im Grenzdurchgangslager Friedland der erste Zug mit Heimkehrern ein. Auf dem Bahnsteig spielen sich erschütternde Szenen ab. Bis Anfang 1956 kehren 9.628 Kriegsgefangene aus sowjetischen Lagern zurück - unter ihnen auch Erwin Ohlhaut.

PS: Barbara Langer betreut seit Dezember 2000 das Museumsmagazin. Das gern gelesene Aushängeschild unseres Hauses war ihr von Anfang an ans Herz gewachsen. Ich danke auch an dieser Stelle Frau Langer herzlich für ihre engagierte Arbeit und wünsche ihr alles Gute. Wir werden sie vermissen!

Ist da der Ruhestand? Barbara Langer
mit Prof. Hermann Schäfer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
im Salonwagen der Kanzler - 1955 interner Besprechungsraum der
deutschen Delegation in Moskau.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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