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Mit seiner ersten Postkarte vom 3.
Februar 1946 erhalten sie das ersehnte Lebenszeichen.
Einmal pro Monat darf der Kriegsgefangene
aus der UdSSR schreiben, der Text ist
zunächst auf 25 Wörter begrenzt. Bis zu seiner
Rückkehr schickt Ohlhaut 109 Postkarten nach
Hause. Sie legen heute in unserer Dauerausstellung
ein bewegendes Zeugnis für das Leid
in den Lagern, aber auch für ihre emotionale
Bindung an Familie und Freunde ab - etwa
wenn der Sohn die Mutter 1953 verzweifelt
fragt: "Werde ich im Kreislauf meines Lebens
meine Heimat wieder erreichen und unter
Euch sein?" - Kein Wunder, dass Michail
Gorbatschow während seines Besuches in
unserem Hause am 5. Juli 2005 nachdenklich
vor dieser Vitrine verharrte.
Das Ende der Leidenszeit für die letzten
deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion
bringt erst die Reise Konrad Adenauers
nach Moskau vor fünfzig Jahren. Im September
1955 geben Bulganin und Chruschtschow
bei einem Bankett im Kreml ihr "Ehrenwort",
die Kriegsgefangenen zu entlassen. Im Gegenzug
stimmt der erste Kanzler der Bundesrepublik
Deutschland der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zwischen beiden Staaten
zu. Für die Zeitgenossen gilt die Heimholung der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion
als eine der größten politischen Leistungen
Adenauers. Am 7. Oktober 1955 trifft
im Grenzdurchgangslager Friedland der erste
Zug mit Heimkehrern ein. Auf dem Bahnsteig
spielen sich erschütternde Szenen ab. Bis Anfang
1956 kehren 9.628 Kriegsgefangene aus
sowjetischen Lagern zurück - unter ihnen auch
Erwin Ohlhaut.
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