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Integration in der Fremde

Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin und des Hauses der Geschichte

Zum ersten Mal ist nach einer dreijährigen Vorbereitungszeit die jüdische Emigration nach 1933 in einer großen Ausstellung zu sehen.

60 Jahre nach dem Ende nationalsozialistischer Herrschaft liegen über die Emigration deutscher Juden zahlreiche Forschungsarbeiten vor. Nach dreijähriger Vorbereitungszeit ist zu diesem Themenkomplex eine gemeinsame Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin und der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland entstanden. Erstmals wird die jüdische Emigration der Zeit nach 1933 in einer großen Zusammenschau dargestellt. Vor dem Hintergrund jüdischen Lebens in der Weimarer Republik sowie der Verfolgung, Flucht und Vertreibung während der nationalsozialistischen Herrschaft wird der schwierige Neuanfang sowie das allmähliche Hineinwachsen in die Kultur und Gesellschaft des jeweiligen Aufnahmelandes dargestellt.

Die Ausstellung nimmt eine repräsentative Länderauswahl in den Blick, die von den ersten Zufluchtsländern - den europäischen Nachbarstaaten - über die Hauptemigrationsziele Palästina, Großbritannien und die USA bis zu lateinamerikanischen Ländern und schließlich Shanghai, dem letzten offenen Fluchtpunkt für die Hilfesuchenden, reichen.

Für viele Emigranten wurde das Land, in dem sie sich niederlassen konnten, zur Heimat, aber auch Deutschland war für viele schließlich nicht nur ein Fleck auf der Landkarte Europas.

Innenansicht des Jüdischen Museums in Berlin

Viele empfinden lebenslange Trauer über den Verlust der vertrauten Lebensumwelt. Bei anderen überwiegt das Gefühl tiefster Abscheu und größten Entsetzens über das am eigenen Leibe erfahrene Unrecht, das Schicksal naher Familienangehöriger und die Shoa. Ihr Bild von Deutschland ist das Bild vom "Land der Täter", das nicht länger Heimatland sein kann.

Das Leid jedes Einzelnen ist oft unfassbar und unermesslich, ebenso wie die Verbrechen des Nationalsozialismus insgesamt.

Alfred Döblin im Pariser Exil

Der Verlust ist vielschichtig und bleibt für uns heute häufiger eine abstrakte Größe. Die Ausstellung beleuchtet exemplarisch unterschiedliche Biografien im historischen Kontext. Sie soll dazu beitragen, dieses zentrale Kapitel deutscher Zeitgeschichte emotional begreifbar zu machen und stärker als bisher in unserem Bewusstsein zu verankern. Erklärtes Ziel ist es aber auch, zum Nachdenken darüber anzustiften, welche Verluste Deutschland über den Krieg hinaus durch die nationalsozialistische Politik erlitten hat.

Jürgen Reiche

Die Ausstellung "Heimat und Exil" wird am 28. September 2006 im Jüdischen Museum Berlin eröffnet und dort zunächst bis zum 9. April 2007 zu sehen sein. Weitere Stationen der Ausstellung sind das Haus der Geschichte in Bonn von Mai bis Oktober 2007 sowie das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig ab November 2007.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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