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Die beiden Ex-Geiseln waren selbst nicht
anwesend: Ihnen fehlte noch die Kraft. Stattdessen
verlasen ihre Mütter eine Danksagung
an die Leipziger Einwohner, die in 27 Mahnwachen
vor der Nikolaikirche für die Freilassung der Geiseln gebetet und demonstriert
hatten. Sachsens Ministerpräsident Georg
Milbradt meinte mit Blick auf den Weg, der
nun vor den beiden Befreiten liege: "Sie sind
zurück in Deutschland, aber sie müssen auch
im Alltag wieder ankommen".
Der Dankgottesdienst setzte einen Schlusspunkt
nach Monaten voller Angst und nach
dem Freudentaumel, den die Freilassung der
beiden Geiseln ausgelöst hatte.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard
Jung betonte, wie wichtig die Gebete und
Mahnwachen während vieler banger Wochen
gewesen seien. "Eine ganze Region hat deutlich gemacht, dass sie nicht gewillt ist, sich abzufinden",
sagte auch Sachsens Landesbischof
Jochen Bohl.
Für den Direktor des Zeitgeschichtlichen
Forums, Rainer Eckert, stehen die Mahnwachen
in der Tradition des bürgerlichen
Engagements von 1989. Auch damals fanden
in der Nikolaikirche jeden Montag Friedensgebete statt, denen sich immer größere
Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft
und für freie Wahlen und Meinungsfreiheit anschlossen,
die letztlich zur friedlichen Revolution
führten. Eine Sammlung der mitgeführten
Transparente und Plakate dieser "Montagsdemos" ist heute in der Dauerausstellung des
Zeitgeschichtlichen Forums zu sehen.
Auch die sich gegen Terrorismus und
Geiselnahmen richtenden Transparente ergänzen
nun den umfangreichen Sammlungsbestand
der Stiftung Haus der Geschichte zum
Thema "Demonstrationsrituale".
Johanna von Münchhausen
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