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Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

 

Von der Straße ins Museum

Transparente der Geiselmahnwachen

Plakate und Transparente, die sich für die beiden im Irak entführten Leipziger Ingenieure einsetzen, gehören zu den neuesten Objekten der Sammlungen des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

Die Freilassung von René Bräunlich und Thomas Nitzschke nach 99-tägiger Geiselhaft war am 8. Mai 2006 Anlass für einen Dankgottesdienst in der Nikolaikirche. Pfarrer Christian Führer und der Leiter des Krisenstabes im Auswärtigen Amt, Reinhard Silberberg, sprachen zu den rund 2.000 Menschen, die gekommen waren, um ihre Freude über das Ende der Gefangenschaft zu zeigen.

Rainer Eckert (3. v.r.), Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, nimmt nach dem Dankgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche Transparente und Plakate entgegen.

Die beiden Ex-Geiseln waren selbst nicht anwesend: Ihnen fehlte noch die Kraft. Stattdessen verlasen ihre Mütter eine Danksagung an die Leipziger Einwohner, die in 27 Mahnwachen vor der Nikolaikirche für die Freilassung der Geiseln gebetet und demonstriert hatten. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt meinte mit Blick auf den Weg, der nun vor den beiden Befreiten liege: "Sie sind zurück in Deutschland, aber sie müssen auch im Alltag wieder ankommen".

Der Dankgottesdienst setzte einen Schlusspunkt nach Monaten voller Angst und nach dem Freudentaumel, den die Freilassung der beiden Geiseln ausgelöst hatte.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung betonte, wie wichtig die Gebete und Mahnwachen während vieler banger Wochen gewesen seien. "Eine ganze Region hat deutlich gemacht, dass sie nicht gewillt ist, sich abzufinden", sagte auch Sachsens Landesbischof Jochen Bohl.

Für den Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, Rainer Eckert, stehen die Mahnwachen in der Tradition des bürgerlichen Engagements von 1989. Auch damals fanden in der Nikolaikirche jeden Montag Friedensgebete statt, denen sich immer größere Demonstrationen gegen die SED-Herrschaft und für freie Wahlen und Meinungsfreiheit anschlossen, die letztlich zur friedlichen Revolution führten. Eine Sammlung der mitgeführten Transparente und Plakate dieser "Montagsdemos" ist heute in der Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums zu sehen.

Auch die sich gegen Terrorismus und Geiselnahmen richtenden Transparente ergänzen nun den umfangreichen Sammlungsbestand der Stiftung Haus der Geschichte zum Thema "Demonstrationsrituale".

Johanna von Münchhausen

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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