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Ein amerikanischer Soldat
hält Mittagspause am
Checkpoint Charlie
in West-Berlin, 1965.
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Leonard Freed bei der
Eröffnung der Ausstellung
„Ein Amerikaner in Deutschland
– Leonard Freed“ in der
U-Bahn-Galerie in Bonn im
September 2005
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Berlin, Checkpoint Charlie:
Ein amerikanischer Soldat
hockt auf dem Bordstein und
macht Mittagspause. Sein
Gewehr liegt scheinbar achtlos
neben ihm. Tegernsee:
Ein altes Ehepaar besucht
das Gab seines Sohnes
auf dem Soldatenfriedhof.
Travemünde: Ein Kriegsversehrter
sonnt sich im
Standkorb – Impressionen
aus Deutschland von Leonard
Freed, fotografiert im Stil der
„klassischen“ Schwarz-Weiß-Reportage.
Leonard Freed, 1929 in
New York geboren, kam 1961
erstmals nach Deutschland.
Hin- und hergerissen zwischen
Neugier und Distanz
beobachtete er Menschen in
ihrem sozialen Umfeld. Über
seinen Arbeitsstil sagte er:
„Je zweideutiger eine Fotografie
ist, desto besser ist sie.
Sonst wäre sie Propaganda.“
An Deutschland faszinierte ihn das Nebeneinander
von Tradition und Moderne, Fortschritt
und Beharrung. Er fotografierte Menschen auf
Volksfesten, bei der Arbeit im Betrieb, vor Industriekulissen
im Ruhrgebiet oder bei den Ostermärschen.
In seinem Werk spiegelt sich die
Atmosphäre der Aufbaujahre, auch Not und
Rückständigkeit. Für Freed war Deutschland
ein Land, das trotz Wiederaufbau und Fortschrittsoptimismus
an den Folgen von Krieg
und NS-Herrschaft litt. Bezeichnend sind seine
1965 entstandenen Aufnahmen von Kriegsversehrten
inmitten einer fröhlich-unbeschwerten
Freizeitgesellschaft, 1970 publiziert unter dem
Titel „Made in Germany“.
Deutschland im Fokus
Mitte der 1980er Jahre reiste Freed erneut
nach Deutschland. In Berlin beobachtete er
den Alltag türkischer Einwanderer zwischen
Anpassung, Abgrenzung und Isolation. 1990
war er Zeuge der deutschen Einheit und der
Veränderungen in der alten und neuen Hauptstadt.
Seit seinem ersten Deutschlandbesuch
widmete der Fotograf, der in einem streng jüdisch-
orthodoxen Elternhaus aufwuchs, den
jüdischen Gemeinden besondere Aufmerksamkeit.
Die Trauer um die Ermordeten ist in
seinen Bildern allgegenwärtig. Doch daneben
keimt in den Bildthemen auch neue Hoffnung:
eine Hochzeit, Kinder, die Grundsteinlegung
für den Neubau einer Synagoge. Der Bildband
„Deutsche Juden heute“ erschien 1965 unter
maßgeblicher Mitwirkung des einflussreichen
Grafikers Willy Fleckhaus.
Internationaler Erfolg
Freeds Arbeiten fanden internationale
Wertschätzung. Seit 1972 war er Mitglied der
renommierten Fotoagentur Magnum/Paris,
in Deutschland vertreten durch die Agentur
Focus. In zahlreichen deutschen und internationalen
Blättern, darunter Life, Look, Paris
Match, Der Spiegel, Stern, The Sunday Times
Magazine, Libération und Fortune erschienen
seine Aufnahmen. Galerien und Museen im Inund
Ausland zeigten seine Arbeiten.
Leonard Freed starb nach schwerer Krankheit
am 30. November 2006 im Alter von 77
Jahren. Mit der Wanderausstellung „Ein Amerikaner
in Deutschland – Leonard Freed“ wird
die Stiftung Haus der Geschichte auch weiterhin
seine Arbeiten vorstellen und sein Andenken
ehren. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau
Brigitte Freed und ihrer gemeinsamen Tochter
Elke Susannah Freed in Garrison, New York.
Jürgen Reiche
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