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Astrid Proll fotografierte Gudrun Ensslin und Andreas Baader in einem Pariser Bistro im November 1969. Durch ihre Flucht entzogen sie sich zusammen mit Thorwald Proll dem Strafantritt wegen der Verurteilung beim Kaufhausbrandstifter-Prozess.
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Interessante und informative Objekte zur „RAF“ finden sich in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn.
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Logo der „RAF“
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Im „Minihandbuch des Stadtguerilla“ gibt der süd-amerikanische Guerillakämpfer Carlos Marighella 1969 Anweisungen, wie der Kampf im Untergrund organisiert werden muss. Die erste RAF-Generation setzt diese konsequent um.
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Filme, Bücher oder Feuilletonartikel zum Thema „Rote Armee Fraktion“ boomen.
Dazu trägt sicherlich der im Oktober anstehende 30. Jahrestag des „Deutschen Herbstes“
ebenso wie die nun gerade abgeschlossene Debatte um die Begnadigung Christian Klars bei.
„Soviel RAF“ war seit den Tagen Stammheims nicht mehr in Stuttgart: Drei Projektwochen
widmet das Schauspielhaus im Herbst 2007 dem Thema „RAF“. Das Programm reicht von der
Uraufführung des Stückes „Mogadischu Fensterplatz“ nach dem Roman von F. C. Delius bis
hin zu einem Dokuabend, an dem aus Schmähbriefen zitiert wird, die gegen den damaligen
Intendanten Claus Peymann gerichtet waren, als dieser sich für eine Zahnbehandlung des
RAF-Gründungsmitgliedes Gudrun Ensslin engagierte.
Aber nicht nur Stuttgart beschäftigt sich mit der RAF: In einem Schweizer Kunstladen wurden
jüngst T-Shirts mit dem Bildnis von Brigitte Mohnhaupt, einer der Rädelsführerinnen der RAF,
vertrieben. Gebunden ist der Erwerb an die Beantwortung eines Staunen auslösenden 50-teiligen
Fragebogens. So wollen die Initiatoren mit der Frage „Wie viele unschuldige Tote darf ein
Befreiungskampf haben?“ an Dada-Traditionen anknüpfen und provozieren.
Auf einem Anti-G-8-Sampler bemüht der Hamburger Hip-Hoper Jan Delay in seinem Lied „Söhne
Stammheims“ mit einem ironisierenden Unterton einen gut gereimten, aber verwegenen Vergleich
zwischen Big-Brother-Streitern und den selbsternannten Stadtguerilla-Vorkämpfern:
„Nun kämpfen die Menschen nur noch für Hunde und Benzin / folgen Jürgen und Zlatko und
nicht mehr Baader und Ensslin.“
RAF in Film und Fernsehen
Die Erfolgreichsten der deutschsprechenden Schauspielzunft werden für den „ultimativen“
Film zum „Deutschen Herbst“ zusammengetrommelt – der Produzent Berndt Eichinger soll
Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und Johanna Wokalek für die Rollen von Andreas Baader,
Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin gewonnen haben.
Zudem erregte in diesem Sommer die Pressemeldung Aufsehen, dass bei Recherchen zu der
ARD-Dokumentation „Die RAF“ Original-Tonbandmitschnitte des Stammheim-Prozesses im
Staatsarchiv Ludwigsburg gefunden wurden, die bis jetzt als verschollen galten. Über
schriftliche Protokolle sind die Aussagen der Prozess-Beteiligten zwar seit langem bekannt.
Aber jetzt können ihre Originalstimmen die Dramatik der Ereignisse nachvollziehbar machen.
Der Südwestrundfunk stellte die Tonbandmitschnitte bereits für jeden abrufbar ins Internet.
RAF in der literarischen Auseinandersetzung
Auch wissenschaftliche Literatur arbeitete im vergangenen Jahr eine Vielzahl interessanter
Aspekte gründlich auf. Auffallend ist, dass sich einerseits jüngere Wissenschaftler von dem
Thema angesprochen fühlen. Andererseits arbeitet die betroffene Generation ihre Vergangenheit
auf. Michael Kraushaar, selbst der linken Szene der „Bleiernen Zeit“ zuzurechnen, stellte Ende
2006 einen Sammelband vor, in dem er mit lieb gewonnenen Klischees der extremen Linken aufräumt.
Die Sicht der ermittelnden und anklagenden Staatsanwaltschaft spiegelt sich in dem kurz zuvor
erschienen Buch „Die Rote Armee Fraktion – RAF“ von Klaus Pflieger wider und rechtfertigt das
staatliche Handeln. Anne Siemens lässt in ihrem Buch „Für die RAF war er das System, für mich der
Vater“ endlich auch die Opfer zu Wort kommen. Liest man parallel das ein paar Wochen später
erschienene Buch „Nach dem bewaffneten Kampf“, in dem die Psychoanalytikerin Angelika Holderberg
vormals sprachlose Terroristen zum Reden gebracht hat, eröffnet sich eine kontrastierende Welt.
Die wenigen Beispiele aus den letzten Monaten zeigen, dass uns die Geschichte der RAF noch lange
begleiten wird, dass sie in unseren Köpfen steckt – und zwar in mehreren Generationen. Die klug
formulierte These von Stefan Geiger in der Stuttgarter Zeitung vom 10. März 2007 bringt dies auf
den Punkt: „Die RAF hat nicht den Staat, sondern die Menschen verändert. Sie hat keinen Strukturwandel
verursacht, wohl aber einen Mentalitätswandel.“
Dietmar Preißler
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