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Engel kennen keine Grenzen

Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ vor 20 Jahren erstmals im Kino

Kein Film hat Berlin je wieder so in Szene gesetzt wie „Der Himmel über Berlin“. Wim Wenders, inzwischen mit dem Orden „Pour le Mérite“ geehrt, erhielt für diesen Film 1987 in Cannes die Auszeichnung „Beste Regie“. Im West-Berlin der 1980er Jahre drehte Wenders eine melancholische Hommage an die Stadt, deren Himmel zwei Staaten, eine Mauer und viele Hoffnungen überspannte. Nach 20 Jahren kehrt der Film nun digital und mit neuen Kopien in die Kinos zurück.

Berlin aus der Perspektive von Schutzengeln: In schwarzweiß, mal von der Siegessäule herab, mal mittendrin, den Gedanken und wispernden Stimmen der Menschen folgend, die den Berliner Alltag in Gegenwart der Mauer durchleben. Die Kamera mäandert durch Berlin, zeigt Bilder einer verletzten Stadt mit ihren Abgründen und Nischen, voller einsamer Menschen, um in Nahaufnahme auf den Gesichtern von Kindern haften zu bleiben. Allein die Kinder heben den Blick und sehen Engel, die zum Schein am Leben der Stadt teilnehmen und die alltäglichen menschlichen Gewohnheiten in kleinen Notizbüchern festhalten.
Während die Berliner mit ihren alltäglichen Sorgen zu kämpfen haben, ringen die Engel mit ihrer unerträglichen Leichtigkeit des Seins und wünschen sich ihrerseits, an der Wirklichkeit teilhaben zu können. Einer der Hauptschauplätze des Filmes ist die Berliner Staatsbibliothek, in der sich die Engel vornehmlich aufhalten und wo sie ihren bewusst liebevollen Blick auf die denkenden, lesenden, reflektierenden Menschen richten. Dieser Blick hält wie auf alten Postkarten in schwarzweiß die Gestalt des geteilten Berlins in den 1980er Jahren fast dokumentarisch fest: Beispielsweise den Potsdamer Platz, den man aus heutiger Perspektive nicht wiedererkennen würde. Der alte Curt Bois in seiner letzten Rolle als „Homer“ stolpert über das Niemandsland an der Mauer entlang und erinnert sich dabei an die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts: „Ich kann den Potsdamer Platz nicht finden… Hier? Das kann er doch nicht sein. … Das war ein belebter Platz, Straßenbahnen, Omnibusse mit Pferden, das Kaufhaus Wertheim war auch hier.“ Vergleicht man Wim Wenders Ödland mit den Hochhauskomplexen von heute, so beginnt man, den dokumentarischen Wert des Films zu erkennen, der Berlin als die Frontund Inselstadt zeigt, die damals ein Universum für sich darstellte und inzwischen von der Geschichte überschrieben wurde.

Ein „Filmgedicht“

Ohne Drehbuch, sondern anhand von Monologen, die Peter Handke für dieses Projekt schrieb, entstand von einem auf den anderen Tag der „Himmel über Berlin“ wie das Schreiben eines Gedichts. Wim Wenders spricht selbst gerne von seinem „Filmgedicht“. Der Film zeigt verschiedene Welten auf, die er durch die Metapher der Engel unter einem Himmel vereint. Der „Film im Film“, eine von Peter Falk inszenierte Geschichte über den Nationalsozialismus in Berlin, stellt eine ebenso eigene Welt dar wie die zeitgenössische Berliner Musikszene mit ihrem „Untergrundhelden“ Nick Cave.
Einen besonderen Stellenwert erhält auch die Zirkuswelt, in der eine Trapezkünstlerin die Liebe des Engels Damian (gespielt von Bruno Ganz) gewinnt, der aufgrund dieser Zuneigung zum Menschen wird. All diese verschiedenen Ebenen werden verbunden durch die Kameraführung des damals schon 80-jährigen Henri Alekan. Er ließ unvergessliche Schwarzweiß-Bilder entstehen, so dass „der Himmel“ ebenso gut als Stummfilm vorstellbar wäre. Zusammen mit originalem amerikanischen und russischen Bildmaterial über Berlin aus der unmittelbaren Nachkriegszeit schaffte es Wim Wenders, 1986/87 einen Berlin-Film zu drehen, der die Einzigartigkeit dieser Stadt ebenso zum Ausdruck bringt wie ihren Zwiespalt zwei Jahre vor der Wiedervereinigung.

Ulrike Zander

Bruno Ganz als „Engel“ auf der Siegessäule ...

 

... der Potsdamer Platz als wüste Einöde ...

 

... Engel Damian (Bruno Ganz) wird im sogenannten Todesstreifen an der Berliner Mauer zum Menschen.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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