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Geschichte neu erleben in Leipzig

Staatsminister Bernd Neumann eröffnet neue Dauerausstellung

Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig erinnert an Opposition, Widerstand und Zivilcourage in der DDR vor dem Hintergrund der deutschen Teilung. Als Ort engagierter Auseinandersetzung mit der deutschen Zeitgeschichte widmet es sich auch Themen der deutschen Wiedervereinigung und dem Vereinigungsprozess. Acht Jahre nach ihrer Eröffnung wurde die Dauerausstellung gründlich überarbeitet.

Die Dauerausstellung „Teilung und Einheit / Diktatur und Widerstand“ berücksichtigt neue wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle zeitgeschichtliche Diskussionen, setzt neue Akzente, präsentiert weitere ausdrucksstarke Objekte und setzt attraktive Gestaltungsideen um. Eine biografische Leitlinie veranschaulicht lebensgeschichtliche Aspekte. In interaktiven Terminals sind ostdeutsche Lebensgeschichten abrufbar – von Oppositionellen ebenso wie von Menschen, die für das SED-Regime gearbeitet haben. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung nun verstärkt die Entwicklungen seit der Wiedervereinigung speziell in Ostdeutschland.

Zivilcourage

Seit ihrer Eröffnung im Oktober 1999 wurde die Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum von der Öffentlichkeit äußerst positiv angenommen. Mehr als 2.500 Exponate boten den Besuchern bisher die Möglichkeit einer intensiven „Zeitreise“. Durch die detaillierte Darstellung der Bürgerbewegung in der DDR erhielten sie einen Eindruck von der Zivilcourage während der zweiten Diktatur auf deutschem Boden. Den gegen das Regime opponierenden DDR-Demonstranten gelang es – vor dem Hintergrund weltpolitischer Veränderungen – den Anspruch auf Freiheit und Demokratie durchzusetzen. Auf diese Weise dient das Zeitgeschichtliche Forum der Information und Kommunikation für alle, die sich mit deutscher Zeitgeschichte auseinandersetzen wollen. Leipzig als Zentrum der Entwicklung widerständigen Verhaltens, als Ort, an dem die friedliche Revolution am 9. Oktober 1989 mit der Montagsdemonstration von 70.000 Leipzigern das Herrschaftssystem der SED erschütterte, ist besonders geeignet, die Geschichte der DDR authentisch zu vermitteln.

Propaganda

Es bleibt auch in der neu konzipierten Ausstellung wichtig, den Gegensatz zwischen Anspruch und Realität in der Diktatur sowie die alltäglichen Spannungen zwischen Lebenswirklichkeit und Herrschaftsanspruch im SEDRegime aufzuzeigen.

Besonders das Thema „Alltag in der DDR“ eignet sich dazu, den Widerspruch zwischen dem, was Ostdeutsche tagtäglich erlebten, und dem, was die Propaganda der Staatspartei vermittelte, zu verdeutlichen. Daher präsentiert sich vor allem dieser Bereich in neuer Form: Das Wohnen zwischen Plattenbau und individueller Lebensgestaltung, der Arbeitsalltag am Beispiel eines Textilbetriebes oder Freizeit und Urlaub sind Themen, die das Leben in der SED-Diktatur beschreiben. Die Schere zwischen stabilen Preisen auf der einen Seite und Versorgungsengpässen auf der anderen oder zwischen tristen Neubausiedlungen und zerfallener Altbausubstanz wird deutlicher und erlaubt eine differenzierte Betrachtungsweise – vor allem für Menschen, die keine Erfahrungen in und mit der DDR gemacht haben.

Neue Objekte

Insbesondere Besucher, die schon häufiger das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig besucht haben, werden die neuen Objekte und Gestaltungsideen bemerken. Sie führen neben der Alltagswelt zu einer stark veränderten Präsentation von Themen wie Flucht und Vertreibung, zentralistische Wirtschaftspolitik in den 1950er Jahren, Kollektivierung der Landwirtschaft, Mauerbau und Grenzausbau, Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, Militarisierung der DDR in den 1970er und 1980er Jahren, wirtschaftlicher Niedergang, geheimpolizeiliche Überwachung und Fall der Berliner Mauer.

Wiedervereinigung bis „Ostalgie“

Die „Wege in die Gegenwart“ stellen in ihrer inhaltlichen Neugestaltung eine besondere Herausforderung dar. Die Ausstellung bietet nun einen aktualisierten Ausblick auf die Entwicklung nach der Wiedervereinigung: Der Umzug von Parlament und Regierung von Bonn nach Berlin, die erste Bundeskanzlerin ostdeutscher Herkunft oder die Solidarität mit Titel den neuen Bundesländern stehen ebenso im Mittelpunkt des Interesses wie Arbeitslosigkeit, neue Industriekerne und der Wiederaufbau von Stadtzentren. Ein besonders spannender Aspekt auf diesen „Wegen in die Gegenwart“ ist die Betrachtung der Werte von Ost- und Westdeutschen, ihre Haltung zur Nation bis hin zur Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit und der „Ostalgie“. Angesichts dieser Themenfülle gibt es ab dem 9. Oktober viel Neues zu sehen und zu diskutieren. Umgebautes Foyer und Treppenhaus sowie die Verlegung und Neugestaltung des Museumsshops lassen dem Besucher gleich beim Eintritt in das Museum räumlich bewusst werden, dass hier ein Ort geschaffen wurde, Geschichte zu erleben. Kulturstaatsminister Bernd Neumann MdB wird am 9. Oktober 2007 die neue Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums feierlich eröffnen.

Rainer Eckert

Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig

 

Der Schreibtisch von Wilhelm Pieck, Präsident der DDR, ist eines von vielen neuen Objekten in der neu eröffneten Dauerausstellung.

 

Ausstellungsvitrine „Schwerter zu Pflugscharen“ in Leipzig

 

Modell vom neu gestalteten Bereich „Wirtschafts- und Sozialpolitik im 'real existierenden' Sozialismus“ in der Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums

 
 

Jürgen Reiche, Rainer Eckert, Tilmann Thürmer, Jochen Gringmuth und Bernd Lindner (v.r.n.l.) bei der Planung der neuen Ausstellungsbereiche

 

Zur Neueröffnung der Dauerausstellung erscheint die neue Publikation „Schwerter zu Pflugscharen. Geschichte eines Symbols“. Sie ist für 7,90 € im Museumsshop oder unter www.hdg.de erhältlich.

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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