Sitemap Kontakt Impressum

 Inhalt

Übersicht  
Titel     
 Geschichte neu erleben
 in Leipzig
 Alltag in der DDR
 Wege in die Gegenwart
Ausstellungen  
Infothek  
Ausgewählt  
Brennpunkt  
Zeitgeschichtliches
Forum Leipzig  
Berlin        
                       
Karikatur                       
Editorial                      
Archiv                
Termine 3/2007                
Impressum 3/2007                
                       
                                        
 aktuelle Ausgabe                  

 Haus der Geschichte, Bonn

 Zeitgeschichtliches Forum
 Leipzig

Archiv

Titel

 

Wege in die Gegenwart

Entwicklungen nach der Wiedervereinigung

Modell des Porsche-Werks in Leipzig

 

Bei der Jahrhundertflut im August 2002 zeigten solidarische Hilfeleistungen eine vereinte Nation: Einsatz der Bundeswehr an der Elbe in der Nähe von Bitterfeld.

 

Bereits 1990 zogen Neonazis durch die Straßen von Leipzig.

 

Wiederaufbau der Dresdner Frauen- kirche als Zeichen internationaler Solidarität

Als die Stiftung Haus der Geschichte Mitte der 1990er Jahre ihre Dauerausstellung für das Zeitgeschichtliche Forum konzipierte, bestand Konsens darüber, dass die historische Darstellung in dem neuen Leipziger Haus nicht mit der Überwindung der SED-Diktatur durch die friedliche Revolution enden dürfe.

Der gesellschaftliche Umbruch in den neuen Bundesländern griff so massiv in das Leben aller Ostdeutschen ein, dass ein zeitgeschichtliches Museum auf seine adäquate Darstellung und die drängenden Fragen der Gegenwart eingehen musste, um in den Augen der Besucher glaubwürdig zu sein.

Differenzierung statt Ostalgie

Als zehn Jahre nach den Massendemonstrationen zwischen Plauen und Rostock im Herbst 1989 und dem unverhofften Fall der Mauer die Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums eröffnet wurde, war bereits deutlich absehbar, dass sich nicht alle Wünsche rund um die Wiedervereinigung erfüllen ließen. Trotz aller Erfolge im Osten Deutschlands in der Wirtschaft, beim Ausbau der Infrastruktur wie bei der Rettung wertvoller Altbausubstanz breitete sich auch Ostalgie aus. Dieser setzt das Zeitgeschichtliche Forum eine differenzierte Sicht auf 40 Jahre DDR sowie auf die Entwicklung seit 1990 entgegen.

Wirtschaftliche Veränderungen

Die umfangreiche Neugestaltung der Leipziger Dauerausstellung führt die damals begonnene, kritische Auseinandersetzung mit zentralen zeitgeschichtlichen Entwicklungslinien fort und setzt zugleich mit neuen Objekten markante Akzente. So wird der weitere wirtschaftliche Um- und Aufbau in den neuen Bundesländern u. a. durch ein Modell des in Leipzig entstandenen und weiter im Ausbau befindlichen Porsche-Werks dargestellt. Anhand der Geschichte des Eisenhüttenkombinats Ost, das lange von der Schließung bedroht war, von den Stahlarbeitern deshalb besetzt wurde und sich heute zu einem hochmodernen integrierten Hüttenwerk entwickelt hat, lassen sich Chancen und Risiken der Globalisierung darstellen. Präsentiert werden aber auch Transparente und Fotos von den neuen Montagsdemonstrationen gegen die Privatisierungspolitik der Treuhand sowie gegen die Folgen von Hartz IV für Langzeitarbeitslose.

Gefährliche Verharmlosung

Die Entwicklung Berlins zur Hauptstadt im wiedervereinigten Deutschland symbolisiert ein eindrucksvolles Modell des für den Deutschen Bundestag umgestalteten Reichstagsgebäudes. Durch Ausschnitte aus prämierten Filmen wie „Good bye Lenin!“ und „Das Leben der Anderen“, thematische Publikationen oder Gerichtszeichnungen von Prozessen gegen Mitglieder des SED-Politbüros vermitteln Künstler, Wissenschaftler, Bundeseinrichtungen wie die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und die Stiftung Aufarbeitung eine kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Interessant zu sehen ist zudem eine Palette merkwürdiger Ostalgie-Erzeugnisse. Der bekannte Dresdner Kabarettist Uwe Steimle beantragte als Erfinder dieses Begriffs 1993 dafür ein Patent. Ursprünglich karikierte das Wort die aufkeimende Sehnsucht Ostdeutscher nach ihrer „alten DDR-Identität“, bevor es durch seine mediale Verwertung eine gegenteilige Bedeutung erhielt. Eine andere Form gefährlicher „Verharmlosung“ von Vergangenheit wird in der Ausstellung mittels Druckgut, CDs und Dokumenten brutaler Aktionen von Neonazis sowie der NPD gegen Ausländer und Andersdenkende verdeutlicht.

Solidarität

Ein weiteres Kapitel der Ausstellung widmet sich den Problemen der „inneren Einheit“ zwischen den Deutschen aus Ost und West. Im Gegensatz zu den bestehenden Vorurteilen zeigte die überragende solidarische Hilfeleistung für die Opfer des Oderhochwassers von 1997 und bei der Jahrhundertflut von 2002, dass in außerordentlichen Gefahrensituationen die Nation zueinander steht. Ein eindrucksvolles Zeugnis weit über Deutschland hinausgehender Unterstützung stellt auch der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dresdner Frauenkirche dar.

Die Entwicklungen der Gegenwart lassen sich schon lange nicht mehr in einem einfachen Ost-West-Bezug darstellen. Die neue Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums entlässt ihre Besucher mit eindringlichen Fragen sowohl an die eigene Geschichte als auch an die Gegenwart.

Bernd Lindner

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

zum Seitenanfang