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Ein Stück Koch- und Esskultur
geht langsam aber
sicher vor die Hunde. Und
fast alle schauen tatenlos zu.
Es ist die Rede vom Sonntagsbraten,
vom großen, opulenten,
saftigen, in Ruhe im
Backofen geschmorten Stück
Fleisch, dessen Duft schon
Stunden vor dem Essen
durchs Haus zieht. Und der,
in dicke Scheiben geschnitten
und mit Soße und Nudeln aufgetragen,
den Geschmacksnerven
schmeichelt und den
Magen wohlig füllt.
Aber der große Sonntagsbraten
ist aus der Mode gekommen.
Gegen die Hektik
der Zeit, die im Kurzgebratenen
ihr kulinarisches Pendant
gefunden hat, hat er
keine Chance. Und viele
Köche, gerade auch in "besseren"
Restaurants, gehen
mit schlechtem Beispiel voran.
Wohin man schaut: überall
die gleiche Langeweile,
nichts als kurzgebratenes
Fleisch auf dem Teller. Entenbrust,
kurz rosa gebraten,
in Scheiben aufgeschnitten,
fächerförmig auf dem Teller
arrangiert, fertig. Lammfilet,
kurz rosa gebraten, in Scheiben
aufgeschnitten, ...
Dabei sind die Voraussetzungen
für den großen Braten
nirgendwo idealer als in
einer Restaurantküche. Hier
gibt es genügend Esser für
kiloschwere Stücke. Hier gibt
es Bratröhren, groß genug für
eine komplette Wildschweinkeule.
Und hier gibt es einen
Lehrling, der das gute Stück
regelmäßig mit Bratenfond
beschöpft.
Aber nicht verzagen -
selbst kochen heißt auch hier
die Devise. Denn: es ist völlig
unkompliziert, ein großes
Stück Fleisch im Backofen zu
schmoren. Und wenn etwas
übrig bleibt: Kalt aufgeschnitten
ist noch kein Braten
liegen geblieben.
Zubereitung
Ob Hochrippe vom Rind, Krustenbraten
vom Schwein, Schulter vom Kalb, Keule vom
Lamm oder Wildschwein - die Fleischqualität
muss topp, das heißt auf den Metzger muss
Verlass sein. Weiter benötigt man nur noch
etwas Schmorgemüse wie Schalotten und Karotten,
die geputzt und in Stücke geschnitten
werden, und für die Soße noch ein paar Knochen.
Das Fleisch wird mit Salz und Pfeffer
eingerieben und in der Pfanne ringsum kurz
und kräftig angebraten. Dann wird das Stück
in einen Bräter gelegt, Schmorgemüse nebst
Knochen werden darum verteilt, der Bratensatz
aus der Pfanne wird abgelöscht und mit
etwas zusätzlichem Wein über Fleisch und
Gemüse gegossen, bis die Flüssigkeit einen
Zentimeter hoch im Bräter steht, und ab geht
es in den auf 220 Grad vorgeheizten Backofen.
Nach einer Viertelstunde wird auf 180
Grad zurückgedreht, und nun muss man nur
noch das Fleisch alle fünfzehn Minuten mit
dem Bratenfond beschöpfen und bei Bedarf
etwas Flüssigkeit (Wein, Wasser, Brühe) nachgießen.
Die Garzeit beträgt für ein Stück von 1,5
Kilogramm Gewicht gut 1 ½ Stunden. Auf eine
Viertelstunde hin oder her kommt es dabei
nicht so genau an, da eine gute Fleischqualität
robust ist und nicht gleich trocken wird. Das
Fleisch wird herausgenommen, in Alufolie
gewickelt und im Ofen warm gehalten. Den
Bratenfond durchsieben, einkochen und mit
Salz, Pfeffer und etwas Sahne abschmecken.
Den Braten aufschneiden und mit der Soße
und Butternudeln servieren.
Hans-Albert Stechl
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