4/2002

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Titel

 

Eine Mütze voller Andenken

Sonntagsausflüge in den 1950er Jahren

Der Sonntagsausflug mit dem eigenen Auto war in den 1950er Jahren für den überwiegenden Teil der Bundesdeutschen keine Selbstverständlichkeit. Um so begieriger wurden Mitbringsel gesammelt, die solche Erlebnisse dokumentierten und Freunden und Bekannten mitunter neidvoll-anerkennende Blicke abverlangten.

Souvenirs: Häufig als Kitsch oder Nippes abgewertet, füllen sie auch heute noch die Andenkenläden. Vieles ist "in" wie vor 50 Jahren, "out" sind jedoch die kleinen Plastikanhänger, die mit großer Begeisterung an speziell dafür hergestellte "Käppis" geheftet wurden. Je zahlreicher diese Anstecker eine Mütze zierten, desto angesehener deren Träger.

 

Käppis wie dieses bewahrten in den 1950er Jahren die Andenken an manchen Sonntagsausflug.

Aber die Anstecker bewahrten nicht nur Erinnerungen. Sie waren auch Statussymbol, verwiesen sie doch auf den Luxus, mit einem Tagesausflug auch entferntere Ziele erreichen zu können. Die in der Ausstellung gezeigte Mütze hat ihr Besitzer aus Köln während der Sonntagsausflüge bestückt, die er in den 1950er Jahren mit seiner Familie unternommen hat. Mit ihrem 1952 erworbenen Kombi fuhr die Familie bereits zu einer Zeit ein eigenes Auto, in der dem überwiegenden Teil der Deutschen allenfalls ein Zweirad zur Verfügung stand.

Noch 1955 gab in einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie nur ein geringer Teil der Befragten an, Wochenendausflüge mit dem eigenen Auto zu unternehmen. Doch als in den 1960er Jahren der Individualverkehr rapide zunimmt und immer weiter entfernte Urlaubsziele angesteuert werden, verlieren Erinnerungsstücke wie unser Sonntagskäppi ihren Status - und damit ihren Wert. Wer möchte sich noch an die Zeiten erinnern lassen, in denen der nahe Rhein als Ausflugsziel genügen musste?

Dass sie damals in Ungnade fielen, macht heute gerade den besonderen Wert von Souvenirs wie dem Sonntagskäppi aus. Sie sind selten geworden, die meisten wurden achtlos weggeworfen. Ein glücklicher Umstand, dass das Haus der Geschichte ein so gut erhaltenes Exemplar zeigen kann; es wird bei manchem Besucher eigene Erinnerungen wach rufen an Jahre, die vielen inzwischen als die "guten alten" Zeiten im Gedächtnis sind.

Frank Dreisch

 © 2008 Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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